VisitScotland
Geschichte
Zeittafel
Geschichte in Themen
Berühmtheiten
Landeskunde
Allgemeines
Geologie
Geografie
Klima
Flora
Fauna
Bevölkerung
Wirtschaft
Soziales
Regionen
Allgemein
Süden
Inseln
Städte
Reise
Allgemeine Infos
An- und Einreise
Verkehrsmittel
Reise-ABC
Sehenswürdigkeiten
Touren
Impressionen
Fotografien
Reiseberichte
Letters from Scotland
Bild des Monats
Desktopbilder
Webcams
Kultur
Volkskunde
Sprache
Literatur & Dichtung
Musik
Architektur & Kunst
Sport
Kulinarisches
Touristisches
SchottlandCommunity
zum Forum
zum Fotoalbum
zum Chat
Shop
Allgemein
aktuelle Fernsehtipps
Veranstaltungskalender
Linkliste
News
Postkarten
Gästebuch
Partner
Statistik
Teach Scotland
Werbung
Newsletter
Sie möchten über Aktuali-
sierungen informiert wer-
den? Tragen Sie hier ihre
Emailadresse ein.
 Geschichte Berühmtheiten [ zurück ]
William Wallace - The unforgotten Scottish Hero
"'One person's hero is another one's villain.'
One man's wimp is another man's failure. That is not 'historical interpretation': that is contemporary evidence."


Schon "... before all the razzmatazz of 'Braveheart' William Wallace was a national hero in Scotland, set on an equal footing with Robert the Bruce ..." - und das wird er auch bleiben, unbeschadet der Tatsache, wie phantasievoll oder realistisch, wie historisch korrekt oder frei erfunden seine Person in zukünftigen Filmen oder Büchern noch dargestellt werden mag.

Der nachstehende Text versucht die historische Person fassbar zu machen, soweit dies derzeit überhaupt (noch) möglich ist. Er ist keine Kritik am Film 'Braveheart', des dort wiedergegebenen Zeitbildes und der dort gezeichneten Persönlichkeit des William Wallace. Für beides kann mit den Worten eines schottischen Kritikers nur festgestellt werden: "... In brief: Gibson has butchered our history as brutally as the English butchered Wallace."

Herkunft der Familie und die jungen Jahre des William Wallace

Portrait des William Wallace
Eine von mehreren nicht zeitgenössischen Darstellungen, die auf einen älteren, aber gleichfalls nicht zeitgenössischen Stich zurückgehen.

Zeitgenössische Berichte zur Person des William Wallace existieren nur sehr bruchstückhaft und verzeichnen oftmals widersprüchliche Informationen. Die erste halbwegs vollständige Überlieferung unter dem Titel 'The Wallace' wird Henry the Minstrel, auch bekannt als 'Blind Harry', zugeschrieben. Es handelt sich dabei um ein sehr emotional gefärbtes, anti-englisches Epos, dessen meiste Aspekte aber ohne einen realen historischen Hintergrund sind.

Der Name 'Wallace(s)' wid allgemein abgeleitet von 'Walays', einem Begriff, mit dem im England des 12. und 13. Jahrhunderts all jene belegt wurden, die aus Wales stammten und zu der Zeit in Schottland (oder Nord-England) siedelten. Der fast in allen populärwissenschaftlichen Abhandlungen zu findende, einschränkende Hinweis, dass sich der Name Wallace auch von den einst in Strathclyde siedelnden Bretonen ableiten könnte, ist ein sprachwissenschaftlicher Nonesense des 19. Jahrhunderts, der in der Folge der für diese Zeit typischen Sept-Lists entstand. Er bezieht sich weniger auf eine tatsächlich erwiesene genealogische Zugehörigkeit, als vielmehr auf den Versuch, ähnliche und/oder ähnlich klingende Familien-Namen unter dem Gedanken einer Clan-Zugehörigkeit "auf Teufel komm raus" zusammenzufassen. Dem Clan Wallace werden in diesem Kontext einerseits zugeordnet die sogenannten "G-Namen" (in der lateinischen Form ausgehend von 'Gallienus' ... (Galeis, Galeius, Gales, Galeys, Galleins, Galleius, Galles - das sind die 'Gallier', 'Gälen' oder 'Gauls')) und die "U/V/W-Namen" (Uallas, Valace, Valensis, Vallace, Vallas, Valles, Valleyis, Walace, Walais, Walans, Walas, Walays, Waleis, Walency, Waleng, Walenis, Walens, Walense, Walensen, Walensi, Walensis, Wales, Waless, Waleys, Waleyss, Wallace, Wallang, Wallas, Wallass, Wallayis, Wallays, Walleis, Wallensis, Walles, Walleyis, Walleys, Wallis, Walls, Wallyis, Wallys, Walois, Walys, Weles). Die Ersten beziehen sich gewisslich auf die ehemaligen Bretonen im Kingdom of Strathclyde, die Letzten ausweislich ihrer lateinischen Schreibweise eindeutig auf die eingewanderten Waliser. Die Transscribierung "Gu" zu "W" (Guielmus zu William) ist lateinisch zu germanisch üblich, die einfache Transscribierung "G" zu "W", "Galeys" zu "Walleyis" nicht.

Ob sich der Begriff Wallace/Walensis zur Zeit des William Wallace schon als Familienname (le Waleis) gefestigt hatte, ist eine offene Frage. Einige Waliser, darunter ein Richard, begleiteten die FitzAllans, die nachmaligen Stewards of Scotland, und siedelten gemeinsam mit ihnen u.a. im Umland von Paisley nahe beim Dorf Elderslie (Ellerslie)/Renfrewshire. Zu ihrem Besitz gehörte aber auch der Ort Riccarton (Richard's Town) in der Nähe von Kilmarnock im benachbarten (East) Ayrshire.

Wappen des Malcolm Wallace und des William Wallace in der gültigen Fassung des Lord Lyon King of Arms.

Riccarton gilt gemeinhin als Geburtsort des Malcolm Wallace of Riccarton, in dem wiederum der Vater des William Wallace gesehen wird. Relativ gesichert ist die Tatsache, dass William mindestens zwei Brüder hatte: Einen älteren, nach dem Vater (?) Malcolm benannt, und einen jüngeren namens John.

Alle Unwägbarkeiten der schottischen Feudalverfassung des 13. Jahrhunderts einkalkuliert bleibt die Feststellung, dass Sir Malcolm Wallace (Vater), dem schottischen Adel zuzurechnen ist. Sir Malcolm Wallace of Elderslie war wappenführend (!), wenngleich nicht vollkommen klar ist, wie das Wappen genau ausgesehen hat (Die hier gezeigte Ausführung des Wappens für Wallace Vater und Sohn mit einer 'bordure counter-compony' statt der einfachen 'bordure gobony/compony' entspricht der neuzeitlichen Festsetzung für die Registrierung des Wappens durch den Court of the Lord Lyon). Sir Malcolm ist historisch als 'Laird of Elderslie and Auchinbothie' belegt, tritt aber ansonsten wenig in Erscheinung. Bekannt ist aber, dass er nicht in der 'Ragman Roll' verzeichnet ist - er hat also im Gegensatz zu anderen Wallaces (mindestens ein Alan und ein Adam) ganz offensichtlich keinen Treueeid zu Gunsten von Edward I. abgelegt.

William Wallace war demnach adliger Abstammung, wenngleich vielleicht von niederem Adel (nobiles minores). Als Nachgeborener hatte er aber keinen unmittelbaren Anspruch auf den Titel und den Besitz des Vaters, es sei denn, das materielle Erbe wurde geteilt, so wie es bei seinem Vater der Fall war: Dieser erhielt offensichtlich Elderslie etc. während der erstgeborene Bruder den Stammsitz um Riccarton behielt. Aber unabhängig von der nicht zweifelsfrei geklärten Frage, welches Erbrecht (Realteilung oder Anerbenrecht) noch oder schon unter den Adligen des Schottlands im 13. Jahrhundert zur Anwendung kam, bleibt die Feststellung, dass William aber eine gehobene Ausbildung genossen hat. Für diese zeichnete im Wesentlichen wohl sein Onkel verantwortlich - vielleicht war er (der Zeit durchaus entsprechend) sogar als Nachgeborener dem kirchlichen Stand zugedacht. Der Onkel lebte in einem Kloster bei Dunipace nahe Stirling und William hat wohl einige seiner jungen Jahre in der Obhut des Onkels dort verbracht. Für seine überdurchschnittlich gute Bildung spricht die Überlieferung, dass William sowohl Latein als auch Französisch beherrschte, aber auch seine militärischen Fähigkeiten der frühen Jahre lassen erkennen, dass er zumindest theoretisch vorgebildet war.

Dafür, dass die adlige Stellung der Familie doch nicht so gering war, wie vielfach behauptet, spricht auch die Abstammung der vermutlichen Mutter. Nach der Überlieferung war sie eine Tochter von Sir Hugh Crawford, der als Sheriff von Ayr als einer der reichsten und somit einflussreichsten Adligen Schottlands seiner Zeit galt. Die Heirat einer Frau solchen Standes mit einem einfachen Mann aus dem Volk kann aber zu der Zeit mit Sicherheit als unvorstellbar angenommen werden. Wann sie aber genau William geboren hat, ist nicht bekannt. Es läßt sich nur inderekt erschließen, dass er um 1270 geboren wurde: Alexander III war zu der Zeit seit über 20 Jahren auf dem schottischen Thron, Edward I (Longshanks) soll etwa 2 Jahre nach der Geburt Williams den englischen Thron bestiegen haben.

Als historisch unhaltbar gelten allerdings Darstellungen seiner Biographie, nach denen er als Gemeiner erst 1298 geadelt worden sei. Sie lassen den im Englischen üblichen und darum i. d. R. fortfallenden Zusatz "knighted ... in his own rights" - also unabhängig von seinen eventuellen Nacherberechten am väterlichen Titel und Vermögen - außer Betracht. Offen ist auch die Frage, wer ihn zum Ritter in eigenem Recht geschlagen hat. Es gibt begründete Vermutungen, dass es Robert The Bruce (im Namen von John Balliol?) war, aber letztlich ist die Frage unerheblich. Bestand und Wirkung hätte die Erhebung ohnehin nur gezeigt, wenn sie von demjenigen aus dem Kreis der 'Claimants' um den schottischen Thron erfolgt wäre, der sich mit seinem Thronanspruch letztlich durchgesetzt hätte.

Soweit ist die Biographie des jungen William Wallace unbestrittene Lehrmeinung - zumindest war sie es bis 1999. In diesem Jahr wurde in der National Library of Scotland ein gesiegelter Privatbrief wiedergefunden, der inzwischen zweifelsfrei William Wallace zugeschrieben wird. Mit der lateinischen Umschrift des Siegels weist sich William Wallace als Sohn eines Alan, nicht eines Malcolm aus. Die anerkannte Maediaevistin Fiona Watson, die Brief und Siegel eingehend analysiert hat ('A Report into Sir William Wallace's connections with Ayrshire' (March 1999)), sieht in besagtem Alan den 'crown tenant' Alan Wallace, der als Adliger aus Ayrshire die 'Ragman Roll' pro Edward gezeichnet hat. Andrew Fisher, der gegenwärtig bedeutendste Wallace-Forscher, stimmt dem in so fern zu, als er sagt: "If the Alan of the Ragman Roll was indeed the patriot's father, then the current argument in favour of an Ayrshire rather than a Renfrewshire origin for Wallace can be settled …"

Diese Ayrshire Connection macht einiges in der Biographie des William Wallace plausibler wie z. B. die (für die Zeit) hochadlige Abstammung mütterlicherseits von den Sheriffs of Ayr oder die zeitweise Akzeptanz des erwachsenen William durch breite Kreise des schottischen Adels, die ihn schließlich zum 'Guardian of Scotland' berufen. Angesichts der These, Wallace sei nichtadliger Abstammung, hatte dies immer zu Zweifeln Anlass gegeben. Andererseits verkomplziert sie die bisher angenommenen engeren Familienverhältnisse. Lösbar werden die eigentlich nur, wenn man den bisher vermuteten Vater Malcolm Wallace bei der Betrachtung der Familie als Familienfremden vollkommen außen vor läßt und in dem von den Engländern getöteten Malcolm Wallace, den (deutlich?) älteren Bruder von William sieht. Auffallend ist in der Tat, dass der ältere Bruder im Leben des erwachsenen William nicht mehr auftaucht, während der jüngere Bruder John stets an seiner Seite gekämpft hat.

Letztlich macht eine Abstammung aus dem Ayrshire-Adel eine Formalie leichter verständlich, die bisher mit dem hilfsweise herangezogenen Argument einer größeren Popularität nur sehr schwach untermauert werden konnte: Die mehrfach belegte Tatsache, dass auf Urkunden, die Wallace und de Moray gemeinsam als 'Guardians of Scotland' zeichnen, William Wallace immer als erster unter Gleichen, vor dem zweifelsfrei aus dem Hochadel stammenden de Moray zeichnet (Anm.: Etwa den zitierten Brief an die Hansestädte im Kapitel über die Hanse). Vor diesem Hintergrund wird die Bezugnahme auf einen Alan von einer Minderheit allerdings auch noch ganz anderslautend interpretiert: Unterstellt nämlich, der Familienname Wallace war zu der Zeit noch nicht etabliert, könnte sich ein Mann Waliser Abstammung bewusst in die Tradition der führenden Familie stellen, mit der und durch die er ins Land gekommen ist. Der im Siegel zitierte "Stammvater" Alan wäre dann durchaus etwa im Sinne eines Clan-Oberhauptes Alan FitzAlan, der Vater von Walter FitzAlan, dem ersten Steward of Scotland unter David I und Begründer des Hauses Stewart. Eine derart konstruierte und zur Erhöhung der eigenen Person propagierte Genealogie wäre für die Zeit jedenfalls kein Einzelfall, wenn es darum geht, sich im Kampf um die Durchsetzung bestimmter Machtansprüche zu positionieren. Vertreter kontinentaler Fürstenhäuser etwa erfanden zu vergleichbaren Zwecken lückenlose Genealogien bis hin zu Adam und Eva oder zumindest den biblischen Stammvätern.

Wie dem auch sei - die für alle Abstammungstheorien bestehenden Zweifel sind zum gegenwärtigen Zeitpunkt einfach nicht restlos auflösbar.

Auf dem Weg zum Volkshelden
Mit Beginn der 1290er-Jahre kommt etwas Licht in die Biographie des William Wallace. 1291 fällt Malcolm Wallace of Riccarton in einem Gefecht mit englischen Truppen. Die Tatsache allein hat unabhängig vom Verwandschaftsverhältnis zwischen Malcolm und William das weitere Leben des William nachhaltig bestimmt.

William Wallace lebte zu der Zeit mehr oder weniger das Leben eines 'Outlaws'. Mit einer kleinen Truppe von Gefolgsleuten zog er durch das Land, immer den Engländern ausweichend, immer wartend auf eine günstige Gelegenheit, kleine Verbände ihrer Truppen mit aller Macht anzugreifen. Bekannt ist eine Auseinandersetzung mit englischen Soldaten in einem kleinen Dorf in Ayrshire. Es ging um Fischwilderei. Es kam zum Streit, zum offenen Kampf und Wallace tötete zwei der Soldaten, bevor er überwältigt wurde. Wallace wurde in den Kerker geworfen, wo er langsam zu verhungern drohte, wurde letztlich aber von symphatisierenden Dorfbewohnern befreit.

Das Jahr 1296 sah dann Schottland praktisch vollständig von den Engländern besetzt, der schottische Adel war weitgehend inhaftiert und/oder zum Kriegsdienst in Frankreich und Flandern gezwungen. Es kam zu einem mehr oder weniger offenen Aufstand, der drei herausragende Personen kennt: William Wallace agierte im Süden und Südwesten, stieß kurzzeitig auch nach Northumberland vor. Robert the Bruce kämpfte in Argyll und anderen Teilen des Westens und Andrew de Moray, der erfolgreichste und zu jener Zeit bekannteste der drei, operierte im Osten, Nordosten und mit seinen verbündeten MacDougalls gleichfalls im Westen.

Im Mai 1297 tötet Wallace William Heselrig, den englischen Sheriff of Lanark und mutmaßlichen Drahtzieher der Ereignisse, die zum Tod des Malcolm Wallace führten. Erst diese Tat macht Wallace über die Grenzen seines bisherigen Operationsgebietes hinaus bekannt, so dass er nun größeren Zulauf von Sympathisanten erhält: Wallace war jetzt nicht mehr der einfache 'Outlaw' sondern mindestens so etwas wie ein lokaler Militärführer, der es wagen konnte, immer häufiger und immer heftiger die englischen Truppen anzugreifen. Er wurde zum Staatsfeind.

Zeitgleich hisste de Moray das schottische Königsbanner über seinem Stammsitz Avoch Castle, nahm Inverness ein und eroberte Urquhart Castle. Es kam zur offenen Revolte der Schotten, die bald den größten Teil des Landes wieder kontrollierten.

Wallce hatte zu dieser Zeit seine Basis im Ettrick Forest, einem damals noch zusammenhängenden ausgedehnten Waldgebiet südwestlich von Selkirk in den Borders. Von hier aus stieß er bis nach Scone, Ancrum und Dundee vor. Seine Erfolge brachten ihm auch Zulauf aus den Gebieten südlich der schottischen Grenze. Etwa zur Jahresmitte 1297 trafen Wallace und de Moray zusammen und beschlossen, ihre Truppen zu vereinen. Stirling Castle sollte erobert werden. Zusammen fühlten sie sich stark genug, den Engländern nun auch in offener Feldschlacht zu begegnen.

Am 11. September des Jahres siegte ihre Armee bei Stirling Bridge. Wallace überlebte als einziger der beteiligten Heerführer. Es begann der kürzeste und steilste Teil seiner Karriere. Spätestens zu diesem Zeitpunkt wurde er in eigenem Recht in der Forest Kirk von Selkirk geadelt (nach anderen Quellen schon in Carluke1296). Aus dem Landedelman und 'Outlaw' Wallace wurde Sir William, 'Commander of the Army of the Kingdom of Scotland' und 'Guardian of Scotland' im Namen des entmachteten Königs John Balliol.

Der Niedergang
Für kurze Zeit war Wallace Dank seiner bisherigen militärischen Erfolge der unangefochtene Anführer aller Schotten. Er trug den Krieg weit ins englische Territorium hinein, plünderte Newcastle und verbreitete mit seinen Greueltaten (von denen englische Quellen zu berichten wissen) Angst und Schrecken im englischen Norden. Gleichzeitig entfaltete er bis dahin nicht gekannte diplomatische Aktivitäten mit dem Ziel, die Unabhängigkeit Schottlands durch den Papst und die führenden europäischen Staaten anerkannt zu bekommen. Einen gewissen Erfolg dieser Bemühungen kann man darin sehen, dass es ihm gestattet wurde, den vakanten Bischofsstuhl von St Andrews mit seinem treuen Gefolgsmann Bishop Lamberton zu besetzen.

Nur ein Jahr später begann der Anfang vom Ende: Der englische Hochadel war zwar mit seinem König Edward I. heillos zerstritten - England stand an der Schwelle zum Bürgerkrieg - doch als Edward einen neuerlichen Zug gegen Schottland verkündete, stand der Adel weitgehend geschlossen hinter ihm. Ganz anders sah es auf der schottischen Seite aus: Über die Kriege und außenpolitischen Aktivitäten hatte es Wallace versäumt, das Land innenpolitisch zu einigen. Die Rivalitäten zwischen den Lagern der verschiedenen Thronanwärter (Balliol, Bruce und Huntington) bestanden nach wie vor.

Die Führenden des Landes standen nicht geschlossen hinter Wallace, als es 1298 zur Battle of Falkirk kam. Zudem hatte es Wallace - ganz im Gegensatz zu Edward - versäumt, seine Armee taktisch und technisch weiter zu entwickeln. Die Niederlage der Schotten bei Falkirk war ebenso vollständig wie ihr Sieg über die Engländer bei Stirling Bridge im Jahre zuvor.

Nach der Schlacht von Falkirk zog der schottische (Hoch-)Adel die Rolle als Bewahrer der schottischen Interessen wieder aktiv an sich. Wallace gab sein Amt als 'Guardian of Scotland' zurück, spielte aber weiterhin eine aktive Rolle. Er wechselte - wenn man so will - von der Executive in den Diplomatischen Dienst, um für die schottischen Interessen an den Königshöfen Europas zu werben. 1299 sieht man ihn am Hof Philips IV von Frankreich. Aus fadenscheinig politischen Gründen wird er kurzfristig festgesetzt, kam aber bald wieder frei und erhielt von Philip freies Geleit für seine Weiterreise zum Papst. 1301 kehrte er offensichtlich erfolgreich von seiner Mission zurück.

Als die Franzosen aber Edwards Hilfe zur Niederschlagung flandrischer Aufstände brauchten, ließen sie die Interessen ihrer schottischen Verbündeten im Stich. Edward hatte dadurch freie Hand in Schottland. 1304 war dann die Situation der Schotten so aussichtslos, dass der (Hoch-)Adel kapitulierte und Edward als 'Overlord' bestätigte.

Das Ende
Wallace war praktisch der einzige Schotte von Rang und Namen, der die Unterwerfung zurückwies. Kompromisslos, wie er war, wollte er das Wankelspiel des übrigen Adels nicht mitmachen. Damit setzte er sich zwischen alle Stühle: Der Querulant - sowohl in den Augen des schottischen Hochadels als auch in den Augen der Engländer - ging als 'Outlaw' wieder in den Untergrund.

Wallace war erneut "vogelfrei" und jeder - Engländer wie Schotte - hätte ihn ohne ordentlichen Prozess standrechtlich töten können.

Tatsächlich wurde er schon am 3. August 1305 von John Mentieth, 'the false Mentieth', in der Nähe von Robroyton gestellt und den Engländern übergeben. Nach einem kurzen Aufenthalt in Dumbarton Castle wurde er rasch für einen Schauprozess nach Westminster Hall überstellt.

Gegen den 'Outlaw' Wallace hätte es nach dem damaligen Rechtsverständnis eines Prozesses garnicht bedurft. Mit der zusätzlichen Anklage als Verräter und dem Schauprozess zielte Edward aber ganz offensichtlich darauf ab, den Ruf und das Ansehen von Wallace zu zerstören. Dieser Prozess vom 23. August 1305 - ein Prozess ohne Anwalt oder das Recht auf Verteidigung - bestand aus zwei unmittelbar aufeinanderfolgenden Akten: Dem Verlesen der Anklage und dem Verlesen des Urteils, das sofort vollstreckt wurde.

Das Urteil war hart, aber durchaus im Rahmen der Zeit: Erhängen, Ausweidung (inkl. Entmannung), Enthauptung und Vierteilung. Es gibt eine vielfältige Diskussion darüber, welche Strafe welchem Tatvorwurf zuzurechnen ist, aber wirklich gesichert ist nur die Tatsache, dass Edward allein für den Verrat einige Jahre zuvor den dreifachen Tod als Strafe erlassen hatte. In dem er nämlich die vorher nur auf dem Kontinent verbreitete Auffassung vom gottgewollten Königtum adaptierte, hatte er den Verrat als dreifache Straftat definiert: Als Straftat gegen das Volk, gegen den König und gegen Gott - und jedes dieser Vergehen war einzeln abzuurteilen.

Nach Vollstreckung des Urteils wurden die Teile des hingerichteten Wallace öffentlich zur Schau gestellt: Der Kopf an der London Bridge, der rechte Arm in Newcastle, das Wallace so schwer verwüstet hatte, der linke Arm in der Grenzfestung Berwick, das rechte Bein in Perth, und das linke Bein in Aberdeen.

Mit dieser öffentlichen Zur-Schau-Stellung, die eigentlich der Abschreckung dienen sollte, erreichte Edward letztlich das genaue Gegenteil: Er legte damit den Grundstein zum Mythos William Wallace.


(tsp/ws)

Suche
News
Wetter
mehr Schottlandwetter

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung
Impressum | Kontakt | Hinweis
© 2003 - 2009 by webdesign by s@ndkes & Team SchottlandPortal - All rights reserved