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The Battle of Stirling Bridge - Zum Ausgang der Schlacht
Historiker und Militärstrategen bewerten Verlauf und Ausgang der Schlacht unterschiedlich.

Historiker beziehen sich in der Regel auf zwei unbestreitbare Aspekte taktischer Überlegenheit der Schotten. Darauf nämlich,

dass es den Schotten gelungen ist, die Grundzüge der von
de Moray entwickelten, guerillaähnlichen Taktik des "hit, run and hide" (erstmals angewandt und erfolgreich erprobt bei den Auseinandersetzungen in Moray) in das taktische Vorgehen bei einer offenen Feldschlacht zu integrieren und
dem erfolgreichen Einsatz der schiltroms, besonders langer und
starker Lanzen, die in geschlossener Formation gegen die anstürmende Kavallerie vorgetragen wurden (basically a large circle of men who carried huge 15 ft pikes, trained to march consistently in this formation with pikes outwards, forming an impenetrable wall of spears). Auch diese Taktik - prinzipiell seit den Römern bekannt, aber zwischenzeitlich in Vergessenheit geraten - wurde später von Robert The Bruce für den Einsatz gegen die schwere Kavallerie der Engländer perfektioniert.

Historiker richten ihr Hauptaugenmerk auf die Vorgänge an dem castlenahen Forthübergang und sehen in der Tatsache, dass dieser Übergang von den Schotten trotz ihrer hier relativ hohen Verluste gehalten werden konnte, - ein, wenn nicht - das schlachtentscheidende Element.

Militärstrategen bestätigen die Verdienste von de Moray und Wallace um die Einführung dieser neuen Taktiken,

halten aber weder sie
noch die Beherrschung des Geländes
oder des Kampfgeschehens am Forthübergang unterhalb der Burg
durch die Schotten für schlachtentscheidend.

Sie weisen zu recht darauf hin, dass die neuen Taktiken erst unter Robert The Bruce voll entwickelt waren, der sie dann auch wenige Jahre später siegbringend in Bannockburn anwandte; mangels Erfahrung waren sie bei der Schlacht von Stirling Bridge eher ein "nur ungenau kalkulierbares Risiko", wie sich bei nachfolgenden Schlachten des Freiheitskrieges auch noch zeigen sollte.

Entscheidend in den Augen der Militärs war vielmehr die strategische und taktische Inkompetenz des englischen Oberbefehlshabers John de Warrene und seines "Generalstabschefs" Hugh Cressingham, gepaart mit einer erheblichen Portion Arroganz, Ignoranz und mangelnder Durchsetzungsfähigkeit zumindest beim letztgenannten.

Es liest sich wie ein Treppenwitz der Geschichte: Der alternde John de Warrene hatte bezeichnender Weise den Beginn der Schlacht schlichtweg verschlafen. Cressingham glaubte anfangs wohl noch, die Situation alleine beherrschen zu können.

Im Einzelnen tauchen - mit unterschiedlichen Gewichtungen - immer wieder als Belege für die Inkompetenz der englischen Heerführer folgende Punkte in den Argumentationen auf:

die überstürzte Entscheidung zur Schlacht gleich nach dem
Eintreffen in Stirling und ohne den Truppen auch nur die geringste Erholung zu gönnen
die mangelnde Integration wesentlicher Elitetruppen, insbesondere
der erst kürzlich ausgehobenen walisischen Bogenschützen in den Heeresverband ohne ausreichendes Training und angemessene Bewaffnung für den Kampf zu Fuß
die unbegründete, nahezu vollständige Separierung der Truppen in
zwei Heeresgruppen auf beiden Seiten des Flusses - hier die Elitetruppen für Schlachteröffnung und Überraschungsangriffe, dort die Masse des kampferprobten Fußvolks, zu der Zeit normalerweise noch die Hauptakteure in einem längeren Kampfgeschehen, wenngleich von englischen Heerführern im Vergleich zur schweren Kavallerie und zu den Bogenschützen nur wenig geschätzt
die mangelnde Konsequenz in der Auseinandersetzung mit den
modernen schottischen Methoden der Kriegsführung; Cressingham, der u.a. einschlägige Erfahrungen damit seit dem Frühjahr 1297 in Moray gesammelt hatte, war das Problem grundsätzlich bekannt. Dies belegen mehrere Briefe an die Finanzverwaltung des englischen Königreiches, mit denen er um Bewilligung ausreichender Finanzmittel zur Neuausstattung der in Schottland kämpfenden englischen Verbände bat, um sie besser für die veränderten Verhältnisse wappnen zu können
die mangelnde Eigensicherung, d.h. die fehlende Sicherung des
ersten Flussübergangs durch reguläre Feldtruppen und damit eine grobfahrlässige Gefährdung der alternativen Nachschublinien für den Brückenkopf
der Verzicht auf Reservekräfte aus regulären Feldtruppen im
Vertrauen auf die Fähigkeiten der Burgbesatzung von Stirling Castle als einziger Eingreifreserve
eine insgesamt mangelhafte Geländekontrolle und -beherrschung
durch Verzicht auf die - in der Nacht mögliche, kampflose - Einnahme des strategisch wichtigen Causeway Head bei gleichzeitiger, ganz offensichtlicher Fehleinschätzung der Übergangsmöglichkeiten im Bereich der einzigen Furt hinter dem Brückenkopf.

Cressingham hat es während des Marsches nach Stirling wiederholt (zuletzt noch am Vorabend der Schlacht) aus Gründen der "Kriegsökonomie" abgelehnt, durchaus verfügbare englische Truppen zur Verstärkung des Heeres zum Ort der Schlacht zu befehlen. Verbände, die teilweise näher am Ort der Schlacht waren als seine eigene Marschtruppe und die innerhalb von maximal zwei Tagen einsatzbereit gewesen wären, hätten sowohl in und bei Falkirk wie auch im Raum Cumbernauld bereitgestanden.

Die Frage, was passiert wäre, wenn im Vorfeld der Schlacht entsprechende Verstärkungen rechtzeitig herangeführt worden wären, muss offen bleiben. So aber fügten die Schotten bei vergleichsweise geringen eigenen Verlusten den Engländern eine vernichtende Niederlage mit mehr als 10 000 Gefallenen - fast ausnahmslos Elitetruppen - allein auf englischer Seite zu.

Schottland verlor allerdings mit Andrew de Moray, der etwa 2 Monate nach der Schlacht seinen Verletzungen durch einen verirrten Pfeil erlag, den neben Robert The Bruce wichtigsten Strategen und Taktiker der Epoche. Wie wichtig de Moray für die Weiterentwicklung der schottischen Militärtaktik gewesen wäre, zeigen die Ereignisse der kommenden Monate.


(tsp/rh)

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