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Das Reich der Pikten
Wer die Pikten waren und woher sie kamen liegt bis heute im Dunkeln. Wiederholt hat man versucht, sie als eine keltische Volksgruppe zu definieren. Doch es blieb bei den Versuchen, die allesamt kein befriedigendes Ergebnis zeigten. Wenn es doch Kelten waren, spricht einiges dafür, dass es keine Q-Kelten der Goedelic-Sprachgruppe (Iren, Scotto-Gaelisch, Manx) waren, sondern eher P-Kelten der gallo-bretonischen Gruppe (Briten, Bretonen, Waliser & Cornish).

Wahrscheinlicher ist, dass es sich um eine proto-keltische Volksgruppe, vielleicht eine Restbevölkerung jungsteinzeitlicher/bronzezeitlicher Volksgruppen, evtl. sogar um frühzeitliche Einwanderer aus Skandinavien handelt. Für die letzte Theorie spricht zumindest eines: Es gibt ganz wenige schriftliche Zeugnisse der Pikten. Sie wurden in der Ogham-Schreibweise ihrer skotischen Nachbarn überliefert, waren aber lange Jahre nicht als iro-keltische Texte zu entziffern. Erst als man vor relativ kurzer Zeit versuchte, Sprachregeln des wikingerzeitlichen Norse auf die Schriftzeichen anzuwenden, konnten einige von ihnen als Eigennamen entziffert werden, die aus anderen (zumeist lateinischen) Quellen überliefert waren.

Die Geographie des Ptolomäus, eine im 2. Jh. entstandene Zusammenfassung des geographischen Wissens des 1. Jh., nennt für das Gebiet nördlich des Antonius Walles 14 verschiedene Stämme, für das Gebiet südlich davon bis zum späteren Hadrianswall noch einmal 5 weitere Stämme. Während sich die Spur der südlichen Stämme im britischen Römerreich verliert, berichtet Ammianus Marcellinus um 360, dass das Reich der Pikten, wie das Gebiet Schottlands seit der ersten Erwähnung durch Eumenius (297) genannt wird, von zwei Stämmen bewohnt wird: den Dicalydones und den Verturiones. Wahrscheinlich entstanden diese beiden Stammeszusammenschlüsse durch den Druck, den die Römer mit ihren immer neuen Eroberungsversuchen über annähernd 4 Jahrhunderte auf die Pikten ausübten.

copyright tsp/ws

Um 400 verlassen die Römer die britischen Inseln. In den geräumten Gebieten südwestlich des Piktenreiches siedeln ab 500 die Skoten und begründen dort ihr Reich Dalriada. Ab 550 erlebt das Piktenreich unter König Bridei (~554-584), Sohn des Maelchon, zweifellos eine Blütezeit. Nicht zufällig fällt in diese Zeit auch das Zusammentreffen Brideis mit Columban und die beginnende Christianisierung der Pikten unter dem Einfluss der iro-keltischen Kirche als ein sich langsam vollziehender Prozess, der erst im 8. Jh. kurz vor der Vereinigung des Piktenreiches mit dem Skotenreich von Dalriada zum Ende kommt. Bridei und seine Nachfolger herrschen bis zu dieser Vereinigung über 7 regionale Piktenreiche: Cat, Fidach, Ce, Fotla, Circind, Fortriu und Fib.

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Die Frage der Zugehörigkeit von Orkney/Shetland ist dabei weitgehend offen. Sie waren zweifelsfrei Teil des Piktenreiches, eventuell eigenständige Sub-Königreiche (zumindest wird in einigen Quellen von "orkadischen Königen" berichtet, Sub-Könige im Verhältnis zu Bridei, dem sie ihre Söhne als Geiseln gestellen), wahrscheinlich waren sie aber Bestandteil des Königreiches Cat. Dies würde plausibel erklären, warum die Norse Earls of Orkney, gleich nachdem sie durch Malcolm II mit Caithness belehnt worden waren, ihren Machtbereich weitgehend unangefochten über das ganze Gebiet des ehemaligen Reiches Cat einschließlich der Western Isles ausdehnen konnten. Unklar ist auch die Ausdehnung des Piktenreiches an seiner Südwest-Grenze. Es gibt - wenngleich schwache - Indizien dafür, dass auch die Teile Argylls und die Insel Mull zum Piktenreich, genauer gesagt zum Reich Cat gehörten.

Spätestens mit der Vereinigung des Pikten- und des Skotenreiches zum neuen Herrschaftsgebiet "Alba" 843 unter Kenneth MacAlpin wird die Frage der ehemaligen Südgrenze des Piktenreiches zu einer rein akademischen. Gewichtiger sind die Geschehnisse im Norden des ehemaligen Reiches. Orkney und Shetland geraten unter den Einfluss der seit geraumer Zeit dort siedelnden Norweger und werden zu einer weitgehend unabhängigen Herrschaft auf ehemals piktischem, nunmehr schottischem Boden.


(tsp/ws)
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