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| Martello Towers |
Eigentlich sind sie ein typisches Element des Südens der Britischen Inseln, genauer gesagt der Kanalküste, doch es gibt sie auch in Schottland: die Martello Towers.
Der Begriff leitet sich ab von den Befestigungen, die zum Schutz vor Piraten unter Karl V. entlang der Küsten von Sardinien und Sizilien errichtet worden waren. Der Überlieferung zu Folge, wurde von den Wachmannschaften der Türme die Bevölkerung der Umgebung durch Schläge mit einem Hammer (ital. martello) auf eine Bronzeglocke alamiert. Die Briten übernahmen den Begriff, nachdem sie 1794 vergeblich versucht hatten, nach schwerem Beschuss durch die Schiffsartillerie der Royal Navy und schweren eigenen Verlusten, einen solchen Turm an der Küste Korsikas einzunehmen.
Eine ganz ähnliche Funktion muss man auch hinter den britischen Wehranlagen mit diesem Namen sehen: Einer Kette von 103 Türmen die vom Frühjahr 1805 bis zum Frühjahr 1812 entlang der Kanalküste errichtet worden waren. Als Warn- und Verteidigungsanlage gegen eine befürchtete Invasion napoleonischer Truppen gehen sie allesamt zurück auf eine Idee von Captain William Ford, einem Offizier der Royal Engineers, den Pioniereinheiten der britischen Armee. In Anlehnung an den Artillerieturm von Martella Point, Korsika, schuf er den Standardentwurf für die britischen Türme.
Der Grundriss ist rundoval, die seewärts gerichteten Mauerteile sind deutlich massiver ausgeführt als die landseitigen. In der Mitte des umbauten Raumes wurde ein mächtiger Pfeiler vom Fundament an aufgemauert, der die Dachkonstruktion und die darauf montierte Kanone stützte.
Die in Ziegelmauerwerk ausgeführten Türme verjüngen sich mit zunehmender Höhe leicht. Im Inneren sind sie in zwei Ebenen geteilt: Die Lagerebene zur Aufnahme von Munitions- und Lebensmittelvorräten und die Quartiersebene mit einfachen Ruhemöglichkeiten für die wachhabenden Offiziere und Mannschaften. Beide Ebenen waren fensterlos und wurden über ein ausgeklügeltes Leitungssystem über das Dach be- und entlüftet. Über solche, im Mauerwerk verlaufenden Leitungen wurde auch Regenwasser in eine Zisterne abgeleitet und dort als Trinkwasservorrat gespeichert.
Betreten wurde der Turm über einen hölzernen Aufgang, der auf der Landseite zu einer schmalen Tür auf der Höhe der Quartiersebene führte. hinter der Tür lag im Innern des Turms ein Fall, über das schwerere Lasten in die tiefergelegenen Lagerräume abgelassen werden konnten. Über Treppen in der dicken, seewärtigen Mauer oder über davor eingebaute, hölzerne Leitern konnte das Dach des Turmes erreicht werden, auf dem ursprünglich eine in alle Richtungen schwenkbare 24-Pfünder-Kanone montiert war.
Nachdem die Kanalküste derart befestigt war, wurden auch an andere strategisch wichtigen Stellen entlang der Nordseeküste und an der irischen See errichtet. Es folgten Befestigungen von Marinestützpunkten in Übersee und schließlich auch in Schottland.
In Schottland wurden drei Martello Tower errichtet:
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in der Hafeneinfahrt von Leith |
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in Crockness/Hoy und |
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Hackness/Hoy. |
Es sind zwar nur drei Türme, doch die stehen zugleich für einige Besonderheiten in der Geschichte der Martello Tower.
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| "Tally Tor", Leith (Detail einer historischen Abbildung) |
Der Martello Tower von Leith war der einzige, der unmittelbar im Wasser stand. Er wurde von 1807-1809 von irischen Wanderarbeitern für die damals stolze Summe von 17.000 GBP auf einem kleinen Felseninselchen mitten in der ehemaligen Hafeneinfahrt von Leith errichtet. "Tally Tor" wie er von den Einheimischen genannt wurde, ist zur Hälfte unterirdisch in den anstehenden Fels gehauen, zur anderen Hälfte aus sorgfälltig behauenen Bruchsteinen über der Wasserlinie aufgemauert. Im Zuge der umfangreichen Hafenumbauten zwischen 1936 und 1943 wurde der Turm dann über eine neue Mole verbunden, so dass er heute allseits umbetoniert auf dem Festland steht.
Die beiden auf Hoy errichteten Martello Tower gehören zu den späteren Bauten und markieren zugleich einen entscheidenden Wendepunkt in der britischen Marinepolitik des 19. Jahrhunderts. 1813 war die britische Marine im Zuge der Auseinandersetzungen mit den jungen USA und den in ihrem Auftrag operierenden Freibeuter derart unter Druck geraten, dass sie nach einem neuen, gut gesicherten Stützpunkt mit direktem Atlantikzugang verlangte. Die Wahl viel auf die Bucht von Longhope/Hoy, ein seit den Wikingertagen bekannter Sammelpunkt für Flottenverbände. Noch in diesem Jahr wurde die Zufahrt zur Bucht durch eine Artilleriestellung für insgesamt acht 24-Pfünder-Kanonen gesichert.
1814 wurde die Befestigung durch die beiden Martello Tower von Crockness und Hackness (beide auch als Hackness North und South bekannt) verstärkt. Hackness (South) wurde knapp 200 Meter abseits der Batterie errichtet, Crockness (= Hackness North) auf dem gegenüberliegenden Ufer der Bucht. Beide Türme wurden nicht wie sonst üblich aus bis zu 500.000 Ziegeln aufgemauert, sondern aus auf Orkney leicht zu gewinnenden Naturstein - mit einer maximalen Mauerstärke von 4,25 m. Der dadurch erzielte Zugewinn an Stabilität erlaubte den Verzicht auf dien Mittelpfeiler im Innern des Baus.
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| Martello Tower Hackness/Hoy (im Bildmittelgrund rechts vom Turm die Barracks der Hackness Battery) |
Die Konstruktion erwies sich später als so solide, dass im Zuge der Modernisierung von 1866 auf beiden Türmen sogar viel größere 68-Pfünder-Kanonen statt der vorher 24-Pfünder-Kanonen montiert werden konnten. Zum Glück mussten die Kanonen nur einmal im Rahmen einer Tagesübung der Orkney Volunteer Artillery 1892 abgefeueert werden, bevor sie 1900 demontiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt befand sich die Marinebasis bereits wenige Kilometer nördlich rund um Lyness, das wesentlich besser mit moderneren Anlagen gesichert war. Während des 1. und des 2. Weltkrieges wurden die Türme noch einmal als Aussichts- und Hochposten aktiviert, trugen aber keine Bewaffnung mehr.
1995 erwarb Historic Scotland beide Türme und die Batterie von Hackness. Hackness (South) und die benachbarten Barracks wurden seitdem zum Zustand von 1866 restauriert und wieder möbliert. Der einzige Unterschied zu damals: Auf dem Dach steht heute eine "64-pounder Armstrong gun".
Nachbemerkung:
Besonders "pfiffige" Guides verkaufen auch schon einmal den Rundturm auf der südlichen Höhe über der Bucht von Uig/Skye als einen "Martello Tower", doch der hat mit diesen Wehrbauten nichts gemein. Er ist vielmehr das, was der wirkliche Name ausdrückt: Captain Fraser's Folly, ein 1890 vom gleichnamigen Laird erbautes "just for fun"-Objekt.
(tsp/ws)
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