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Nach den Weltkriegen - Heute
Nach den Weltkriegen ist es ziemlich schnell ruhig geworden um Scapa Flow. Die Reste der kaiserlichen Flotte stellen heute einen nicht mehr aus dem Touristikleben wegzudenkenden Faktor dar: Sie sind wie auch etliche der Blockships für ambitionierte Wracktaucher eines der beliebtesten Ziele auf der Welt, unbeschadet der Tatsache, dass die Wracks alljährlich ihre Todesopfer fordern.

copyright tsp/ws
Die Italian Chapel gebaut aus einer Nissenhütte von den italienischen Kriegsgefangenen auf Lamb Holm.

Geblieben sind die Churchill-Barrier, in Friedenszeiten auch Causeways genannt. Inzwischen erfüllen sie auch ihre zivile Funktion, die man einst den italienischen Kriegsgefangenen vorgaukelte, um sie zur Weiterarbeit an den Dämmen zu bewegen: Die Dämme wurden zu Straßen ausgebaut. Die Italiener hatten die Arbeiten eingestellt, weil man sie gemäß der Genfer Konvention nicht für den Bau kriegswichtiger Projekte einsetzen durfte. Gegen die Zusage besserer Lager-Konditionen und die Erlaubnis zum Bau einer Lagerkirche gaben sie dann ihren Widerstand auf. Die Italian Chapel und das davorstehende St Georg-Denkmal blieben als Erinnerung an das Gefangenenlager und Mahnmal gegen den Krieg erhalten.

copyright tsp/ws
Blick über den Barrier N° 1 auf den Ort St Mary's

Auf dem Gelände der Naval Base entstand in Regie des Orkney Island Council ein (noch) kleines Museum, das ständig ausgebaut wird und einmal alle erhaltenen technischen Anlagen an der Bucht von Lyness einschließen soll. Ganz gegen den Stil vergleichbarer britischer Einrichtungen wird erfrischend sachlich und ganz ohne das sonst übliche Pathos informiert.

Geblieben sind immer noch erhebliche Umweltgefahren, die insbesondere von den gesunkenen Schiffen ausgehen. So wurde gerade 2003 auf der Royal Oak ein neuer Öltank entdeckt, mussten 400 Tonnen Schweröl, die auszulaufen drohten, abgepumpt werden.

Das letzte und auf lange Sicht wichtigste Kapitel wurde in der Bucht ab Anfang der 70er-Jahre des 20. Jahrhunderts geschrieben. In der Nordsee wurden Erdöl und Erdgas gefunden und für die Verladung brauchte man einen sicheren Hafen. In diesem Moment brachte – nicht ganz uneigennützig – die britische Marine wieder Scapa Flow ins Gespräch. Sie besaß auf Flotta noch erheblichen Grundbesitz, der für den Flottenstützpunkt in den 30er-Jahren enteignet worden war. Den bot sie für den Bau eines Oil Terminals an.

Die Ölmultis waren begeistert. Der Besitz lag weit genug entfernt von menschlichen Siedlungen, die durch Bau und Betrieb hätten beeinträchtigt werden können. Die Flächen waren in einer Hand, was mühselige Verhandlungen mit verschiedenen Grundstückeignern überflüssig machte. Der Staatsbesitz konnte frei von Auflagen und ohne Gefahr von Widersprüchen beplant und bebaut werden. Man schätzt, dass allein durch diese Vorteile im Vergleich zu einer üblichen Planungs- und Bauzeit für derartige Großvorhaben der ganze Vorgang um vier bis fünf Jahre beschleunigt werden konnte. Ganz abgesehen davon, das gewaltige Mehrkosten für den Erwerb der Grundstücke, sehr wahrscheinliche Prozesse und Abfindungen etc. gespart werden konnten. Letztlich verfügte Flotta seit den Tagen als Marinestützpunkt über eine technische Infrastruktur zur Strom- und Wasserversorgung, die hinreichend leistungsfähig war, um das Bauprojekt und den Betrieb der ersten Phase problemlos zu gewährleisten.

Es entstand in nur drei Jahren von der ersten Idee bis zur Betriebsaufnahme der "Flotta Oil Terminal". Hier wird das aus den südlichen Feldern der nördlichen Nordsee zwischen Schottland und Norwegen geförderte Rohöl und Erdgas angelandet und für den Weitertransport aufbereitet. Wohl gemerkt: Es wird nicht ein Tropfen raffiniert. Öl und Gas fließen (von zwischengepumpten Meerwassersektionen separiert) in einem Rohr von den Sammelstationen der Förderplattformen in der Nordsee zum Terminal. Hier im Terminal werden die Transportsektionen wieder voneinander getrennt, Rohöl und Gas werden bis zum Abtransport eingelagert.

Das Meerwasser wird gereinigt, d.h. von gelösten Öl- und Gasresten gesäubert, und an verschiedenen Stellen mit einer immer an die Außenverhältnisse angepaßten Temperatur in die Bucht gepumpt. Dieser zusätzliche Frischwassereintrag ist mengenmäßig zwar relativ gering, hat aber dazu geführt, dass die nachhaltigen, immer noch zu beobachtenden Umweltschäden durch die Marinebasis und die Vielzahl der gesunkenen und versenkten Schiffe in den letzten 30 Jahren in stärkerem Maße abgebaut wurden als in den 50 Jahren davor. Seit drei Jahren ist der nördliche Teil der Bucht für die Anlage von Lachs- und Muschelfarmen wieder freigegeben.


(tsp/ws)

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