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| Scapa Flow als Marine-Basis - 1. Weltkrieg |
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Scapa Flow war längst schon ein berühmter Ankerplatz, als sich die britische Admiralität entschloss, die Bucht zum Heimathafen der Grand Fleet auszubauen. Im Zuge des allgemeinen Wettrüstens am Vorabend des 1. Weltkriegs, war die Flotte so groß geworden, dass sie in keinem anderen britischen Hafen mehr als geschlossener Verband untergebracht und versorgt werden konnte.
Um ungestört die militärische Infrastruktur aufbauen zu können, wurden die Inseln Flotta, Cava und Fara ganz von allen Zivilisten geräumt, die Insel Hoy im mittleren Teil rund um den Pier von Lyness. George Mackay Brown beschreibt das Auftauchen und heimliche Vorgehen der Militärs und ihrer ersten zivilen Kundschafter eindrucksvoll in seinem Roman "Greenvoe" / "Die Greenvoe Story".
Rund um die Bucht südlich des Fährpiers von Lyness entstand das logistische Zentrum des neuen Superhafens mit Tanklagern, teils in den Berg getriebenen Munitionsbunkern, neuen Piers und werftähnlichen Anlagen zur Durchführung kleinerer Reparaturen und Ausrüstungsarbeiten. Auf Flotta entstanden im Wesentlichen Mannschaftsunterkünfte und Freizeiteinrichtungen für die Schiffsbesatzungen sowie die Kommunikationszentrale. Der Standortkommandeur und sein Stab saßen in Stromness, wo sie vergleichsweise komfortabel im heutigen Stromness Hotel untergebracht waren.
Wie viele Militärs tatsächlich in Orkney stationiert waren, lässt sich nicht mehr zweifelsfrei klären. In Spitzenzeiten werden es aber wohl über 25.000 Mann militärisches und ziviles Hilfspersonal gewesen sein, in jedem Falle deutlich mehr, als ganz Orkney damals an Einwohnern zählte. Einen Hinweis auf die Dimensionen liefern die bekannten Angaben zu den beiden zentralen Veranstaltungskomplexen: Das Kino auf Hoy, von dem heute nur noch der Vorbau zu der riesigen Halle vorhanden ist, fasste wohl mehr als 15.000 Personen, von dem kleineren Kino auf Flotta gibt es Fotos einer Boxveranstaltung, nach denen man mehr als 10.000 Personen ausgezählt hat.
Rund um die Bucht entstanden zahlreiche Aussichtsposten und Küstenbatterien, die ein Eindringen von jedweden Feinden verhindern sollten. Scapa Flow galt als uneinnehmbare Festung. Umso größer war die Überraschung, als gleich in den ersten Tagen des 1. Weltkriegs mitten in der Bucht ein deutsches U-Boot gesichtet wurde. Sofort wurden ausgemusterte Schiffe der Handelsflotte nach Scapa Flow geschickt und als Blockships in den kleineren Zufahrten im Bereich der südwestlichen Inseln und im Burra Sound versenkt. Die größeren Zufahrten wurden mit Sperren (Booms) aus U-Boot-Netzen verengt. Die Horchposten auf Flotta wurden massiv erweitert.
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| U-Boot-Netze als Zaun am heutigen Lyness Naval Base Interpretation Centre. Im Hintergrund sind Reste der ehemaligen Werftanlagen der Basis und der Hackness Martello Tower North zu erkennen. |
Der Hafen war 1916 gerade voll funktionsfähig, als von hier aus die Grandfleet mit 24 Schlachtschiffen, 3 großen Kreuzern und einer ganzen Armada von Begleit- und Sicherungsschiffen unter dem Kommando von Admiral Sir John Jellicoe zur Battle of Jutland aufbrach. Die wohl größte Seeschlacht der Kriegsgeschichte zeigte keinen eindeutigen Sieger, beide Seiten, Briten und das kaiserliche Deutschland reklamierten den Sieg für sich. Fakt ist aber auch, dass die kaiserliche Flotte nach dieser Schlacht für den Rest des Krieges in ihrem Stützpunkt blieb. Sie sollte nach dem Waffenstillstand nur noch einmal auslaufen - zur Fahrt in die Internierung nach Scapa Flow.
Die Ankunft vor Edinburgh am 21. November 1918 geriet zum größten Spektakulum, das die Weltmeere je gesehen haben: Über 70 deutsche Schiffseinheiten werden von der gesamten Grand Fleet unter Admiral Beatty, einem amerikanischen Geschwader und einem französischen Schiff in Empfang genommen - mehr als 90.000 Man auf über 370 Schiffen präsentieren sich den nach Augenzeugenberichten "irritierten" Zuschauern an den Ufern des Firth, die nach Hunderttausenden zählen.
Am 22.11. treffen die ersten deutschen Torpedoboote, am 27.11. die letzten Dickschiffe im Internierungslager Scapa Flow ein. Die Bucht war so voll mit Schiffen, dass Teile der englischen Verbände zum Ausweichstützpunkt Swarbacks Minn auf Shetland verlegt werden mussten. Was sich in den Monaten der Internierung abspielte geriet in letzter Konsequenz zu einem der größten Treppenwitze der Geschichte. Auf den deutschen Schiffen herrschten z.T. Soldatenräte, die offen mit den Siegermächten sympathisierten, die Offiziere pflegten gesellschaftlichen Kontakt mit dem orkadischen Landadel, schließlich verzichteten die Briten weitgehend auf ihre Kommandogewalt an Bord der deutschen Schiffe, so dass sich die deutschen Offizieren wieder in ihre Kommandogewalt bringen konnten. Doch damit nicht genug.
Der Kommandeur des internierten Verbandes, Konteradmiral von Reutter, glaubte die Friedensverhandlungen als gescheitert. Seine Informationsgrundlage, englische Zeitungen, hatten vier Tage gebraucht um bis auf die Orkney zu kommen. Gleich nachdem die Grand Fleet am Morgen des 21. Juni 1919 Scapa Flow zu einem Manöver in der Nordsee verlassen hatte, gab er den Befehl zur Selbstversenkung. Die einzigen, unmittelbaren Augenzeugen: Eine Schulklasse aus Stromness, die wie in jenen Tagen üblich, zu einer Vergnügungsfahrt zur German Fleet aufgebrochen war.
Die britischen Wachmannschaften glaubten zuerst an eine offene Revolte und eröffneten das Feuer. Es gab insgesamt 19 Tote. Als sie bemerkten, was tatsächlich geschah, war es für ein Wirkungsvolles Eingreifen zu spät: Als erstes Schiff versank um 12:16 die Friedrich der Große, das Flaggschiff der vor Jütland kämpfenden Flotte, als letztes die Hindenburg um 17:00 Uhr. Lediglich ein Linienschiff, drei kleine Kreuzer und 4 Torpedoboote konnten die wenigen britischen Kräfte in seichte Gewässer schleppen und so ihren vollständigen Untergang verhindern. Als die Grand Fleet von ihrem sofort abgebrochenen Manöver wieder in die Bucht einlief, war Scapa Flow im wahrsten Sinne des Wortes ein wahres Trümmermeer.
(tsp/ws)
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