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Scapa Flow als Marine-Basis - bis ca. 1945
Zwischen den Weltkriegen
Der Untergang der deutschen Flotte bescherte der Bucht eine Umweltkatastrophe bisher nicht gekannten Ausmaßes. Um Schlimmeres zu verhindern, begann man darum sofort mit den Aufräumungsarbeiten. Die auf Grund gesetzten Einheiten wurden umgehend noch von der britischen Marine geborgen.

Den Rest besorgten private Bergungsfirmen (insbes. Cox & Douglas) ab Anfang der 20er Jahre. Das Vorgehen war im Prinzip in allen Fällen gleich. Die Rümpfe wurden von Tauchern abgedichtet, die Schiffe wurden mit Pressluft gefüllt - solange bis sie aufschwammen oder sich zumindest vom Boden lösten, so dass sie in seichtere Gewässer geschleppt und dort zerlegt werden konnten.

Scapa Flow schrieb einen neuerlichen Rekord: Inmitten der Weltwirtschaftskrise boomte die Wirtschaft der Orkneyinseln. Bis auf acht Einheiten wurden alle größeren Schiffe geborgen.

copyright tsp/ws
Teile der Grand Fleet in ihrem Heimathafen Scapa Flow.

2. Weltkrieg
Im 2. Weltkrieg diente Scapa Flow als Heimathafen der britischen Home Fleet, also jener Flottenteile, deren Aufgabe es war, die britischen Küstengewässer und die Transatlantik-Konvois von den USA nach Murmansk zu sichern.

Die Verteidigungsanlagen wurden weiter ausgebaut. Der bewährte U-Boot-Schutz, der noch kurz vor Ende des 1. Weltkriegs den Verlust des angreifenden U-Bootes U118 bewirkte wurde verstärkt. Aus jener Zeit stammen aber insbesondere die Feldflughäfen und Radaranlagen im Nordwesten Mainlands und die weltweit ersten Stellungen für Luftabwehrraketen auf Flotta. Scapa Flow galt als uneinnehmbare Festung.

Dessen ungeachtet standen Scapa Flow und die militärischen Einrichtungen auf Orkney auf der Liste der Kriegsziele der deutschen Militärs ganz oben. Frühe Luftangriffe brachten zwar die ersten zivilen Kriegstoten auf britischem Boden, zeigten militärisch aber keinerlei Erfolg. Die neue Radar-Technologie erwies sich dabei als wirksamster Schutz.

In der 2. Septemberhälfte 1939 erkundete ein U-Boot die Angriffsmöglichkeiten: Der Kapitän hielt einen Angriff durch den Hoxa Sound für möglich. Der Kapitänleutnant Prien, Kommandant von U47, entschied sich aber für eine Schleichfahrt durch dem Holm und Kirk Sound. Trotz Grundberührung und Beinahezusammenstoß mit einem versenkten Blockship - beides als Folge von Schiffsversetzungen durch die starke Strömung - gelang ihm in der Nacht vom 13 Oktober 1939 der Durchbruch.

Doch Prien fand die Bucht und insbesondere sein Hauptziel, die Ankerplätze südlich der Insel Cava leer. Die Flotte war nahezu vollständig ausgelaufen. Nur am Nordrand der Bucht entdeckte er zwei Dickschiffe und einige Zerstörer, die dort als zusätzlicher Luftabwehrschutz für die Hauptstadt Kirkwall ankerten. Nicht genau sicher, wen er im Visier hatte, griff Prien mit zwei Anläufen an, wobei er ein Schiff versenkte, ein zweites schwer beschädigte, bevor er wieder - diesmal wohl durch eine Lücke zwischen den Blockships von Lamb Holm und Glims Holm entkam.

copyright tsp/ws
Schattenriss der Royal Oak

Prien hatte die Royal Oak versenkt, eine Legende unter den britischen Kriegsschiffen. Mit ihr fanden von den rund 1400 Mann Besatzung 833 Seeleute den Tod. Scapa Flow hat als Marinebasis viele tragische Unfälle erlebt wie z.B. die Explosion der Vanguard. Die Versenkung der Royal Oak nur wenige Wochen nach Kriegsbeginn wirkte dagegen allerdings wie ein Schock.

Ungefähr 2 Kilometer südlich des Scapa Piers markiert eine Boje das offiziell als Kriegsgrab anerkannte Wrack der Royal Oak.

Was in Berlin als Heldentat mit allem Pomp gefeiert wurde, sollte sich letztlich als Pyrrhos-Sieg erweisen. Churchill, der als langjähriger First Lord of the Admirality, den Angriff Priens durchaus als militärische und nautische Glanzleistung anerkannte, zog weitergehende Konsequenzen. Zwar baute er die Festung Scapa Flow aus (italienische Kriegsgefangene bauten aus Tausenden Betonklötzen die Churchillbarriers, so dass eine Passage hier nunmehr vollends unmöglich wurde), sein Hauptaugenmerk galt aber von da an der deutschen U-Boot-Waffe. Er war - zu Recht - fest davon überzeugt, dass diesen Krieg nur der gewinnen kann, der die Seeherrschaft über den Nordatlantik erringen und damit die wichtigsten Nachschublinien sichern kann.


(tsp/ws)

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