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Die Declaration of Arbroath
Wenn man so will, dann ist die Declaration of Arbroath von 1320 so etwas wie die Unabhängigkeitserklärung Schottlands. Sie markiert den Höhepunkt der spätmittelalterlichen Auseinandersetzungen mit England und gilt gemeinhin als die Staatsurkunde Schottlands. Ein besonderer Stellenwert kommt ihr auch hinsichtlich der Berufung auf St Andrew als schottischem Nationalheiligen zu.

Doch wie war es zu dieser Erklärung gekommen? Welchem Zweck diente sie und was wurde tatsächlich erreicht?

Sechs Jahre zuvor, am 23. und 24. Juni des Jahres 1314, hatte Robert The Bruce, der als König Robert I. seit dem 25. März 1306 Schottland regierte, die englischen Widersacher vernichtend in der Schlacht von Bannockburn geschlagen. Zwar bescherte dieser Sieg den Schotten erst einmal Ruhe vor den Angriffen des äußeren Feindes, dem englischen Königreich unter seinem Herrscher Edward II., er brachte aber weder innenpolitisch noch außenpolitisch den Durchbruch.

Robert I. mit seiner ersten Frau Isabella, Tochter des Earl of Mar
Innenpolitisch fehlte Robert die Rückendeckung einiger großer Earls für seine Politik, namentlich des Earls of Strathearn und des Earls of Orkney. Orkney fürchtete bei einer zu engen Bindung an Schottland um seine Position gegenüber seinem zweiten Landesherrn, dem König von Norwegen, der Strathearn, als designierter Nachfolger des kinderlosen Orkney wollte in den Schlamassel gar nicht erst verwickelt werden. Tatsächlich hat denn auch der Orkney - wie eine Reihe weiterer neutral bis skeptisch eingestellter Barons, deren Unterschriften nur auf den Anhängern von Drittsiegeln befinden - die Urkunde erst nachträglich gesiegelt.

Außenpoltisch fehlte immer noch der entscheidende Punkt: Die förmliche Anerkennung der schottischen Unabhängigkeit durch England.

In dieser Situation traten Roberts Anhänger in Aktion, allen voran Walter, 6th Steward of Scotland, den man als treibende Kraft hinter dem Vorgang sehen muss. Mit Bruce verwandschaftlich verbunden war er als Steward dessen Stellvertreter im Amt des Königs. Eine Festigung der Position von Bruce bedeutete für ihn gleichzeitig eine Festigung der eigenen Machtposition. Als Supporter des Königs konnten sie die schottische Position inhaltlich so formulieren, wie es einem regierenden König nach damaligen diplomatischen Gepflogenheiten nicht angestanden hätte, wollte er nicht das ganze innen- und außenpolitische Umfeld von vornherein gegen sich aufbringen. Zugleich konnten sie so "schottisch" formulieren, dass sich kein ehrbarer Schotte dieser Position verweigern konnte.

Letztlich stimmten auch die größten Zauderer zu und stellten sich so hinter Robert The Bruce. Das war der innenpolitische Erfolg der Aktion.

Doch die Erklärung ist nicht an den schottischen Adel, auch nicht an das schottische Volk oder gar als Drohung gegen den Engländer gerichtet. Sie wendet sich an die Schlichtungsinstanz in außenpolitischen Fragen schlechthin, die es in damaliger Zeit gab: den Papst. Zwar hatte das Papsttum in der Vergangenheit wiederholt für die schottische Seite Partei ergriffen, allein die diversen Ermahnungen an die englische Krone waren wirkungslos verpufft.

Zeitgenössische Karikatur von Johannes XXII.
Zur Zeit, da die Erklärung abgesandt wurde, war aber das Verhältnis zwischen Papsttum und schottischer Krone etwas abgekühlt, Papst Johannes XXII., der aus dem Exil in Avignon regiert, stand selber mannigfach unter Druck. Ihm wurde von den Hardlinern unter seinen Gegnern Ketzerei vorgeworfen, andere waren von seiner Politik (insbesondere mehrfach gemachten Kreuzzugsversprechungen, die nicht eingehalten worden waren) schlicht enttäuscht. In dieser Situation sprangen ihm die Schotten bei, in dem sie ihm mit der Deklaration nachhaltige Unterstützung für die Kreuzzugspläne in Aussicht stellten.


Zeitgenössiche Darstellung der Grablegung Edward II.
Dadurch machten sich die Schotten - neben den Franzosen - zu den stärksten Befürwortern der päpstlichen Ideen und dies machte die ganze Angelegenheit für die Engländer zu einer ernsten Gefahr. Edward II. sah sich auf einmal außenpolitisch von einer Allianz Frankreich-Schottland umgeben. Einen daraus möglicherweise einmal resultierenden Zweifrontenkrieg konnte sich das angeschlagene englische Reich aber nicht leisten. Hinzu kam, dass Johannes die daraus erwachsende Stärkung seiner Position durchaus erkannt hatte und auf die Declaration of Arbroath mit einer scharfen Adresse an die Engländer reagierte.

Auseinandersetzungen mit Frankreich und/oder Schottland wären somit für die Engländer zu einer Auseinandersetzung "mit Gott und der Welt" geworden. Die Konsequenz für England: Stillehalten.

Es sollte aber noch einmal acht Jahre dauern, bis die päpstliche Antwort auf die Declaration ihre Früchte tragen sollte. Papst Johannes XXII. und Edward II. sind darüber verstorben, allein Robert konnte das Ergebnis noch erleben und für wenige Monate genießen. Am 17. März 1328 wurde der Frieden von Edinburgh unterzeichnet, der am 4. Mai des Jahres von den Engländern zu Northampton ratifiziert wurde. Darin wurde die Unabhängigkeit Schottlands von den Engländern offiziell anerkannt und die Unversehrtheit der erstmals definierten Grenzen zwischen England und Schottland durch den englischen König und das Parlament garantiert.


(tsp/ws)

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