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The Battle of Bannockburn
copyright tsp/ws

Die Schauplätze der Schlacht liegen etwa 1 bis 3 Meilen südlich bzw. südöstlich von Stirling Castle und der damaligen Stadt Stirling, die im Schatten der Burg entstanden war. Von den Schotten war vorgesehen, dass sich die Schlacht in dem Gebiet entwickelt, das man allgemein als New Park kannte.

New Park war das Areal nördlich des Bannock Burn rund um die Erhebung Coxet Hill, der nach dem Castle Hill von Stirling wichtigsten Höhe in der Umgebung. New Park erstreckte sich beidseits der noch gut erhaltenen Römerstraße von und nach Stirling. Der Norden und Osten von New Park war wie die Bereiche südlich des Bannock Burn offenes, gut überschaubares Gelände. Zwischen Coxet Hill, der Römerstraße und dem Bannock Burn lag ein großes Waldstück, das sich von Ost nach West von einem lichten Buschwald zu einem "undurchdringbar" dichten Kiefern-Mischwald entwickelte.

Die Ostgrenze des New Park bildete ein natürliches Hindernis, eine markante Geländekante von bis zu 30 m Höhe - die nacheiszeitliche Oberterrasse des Flusses Forth, durch die sich im Süden der Bannock Burn geschnitten hatte. Parallel zur Geländekante führte eine zweite Straße, genauer gesagt ein besserer Trampelpfad, der nach Querung einer Furt durch den Bannock Burn etwa 1 Meile vor Stirling auf die Römerstraße traf. Er war als The Way bekannt.

Östlich der Terrasse lag die ausgedehnte Niederung des River Forth und seiner Zuflüsse. Überwiegend handelte es sich bei dem Gelände zwischen Terrasse und Fluss um ein offenes Grasland, das zunehmend versumpft war, je weiter man sich dem Forth näherte. Die Wasserführung in Forth und Bannock Burn war im Vergleich zu heute uneingeschränkt gezeitenabhängig; d.h. bei einer etwas höheren Flut konnte sich in den Flussbetten soviel Wasser stauen, dass der Mündungsbereich des Bannock Burn in den Forth vollkommen geflutet und die Furt durch den Bannock Burn unpassierbar war.

Die Armeen der Engländer und Schotten

Edward II. Robert The Bruce

Bannockburn ist für eine Schlacht dieser Zeit ausgesprochen gut dokumentiert, entsprechend einfach lassen sich auch die Fehlinformationen der Chronisten herausfiltern. Der gravierendste Fehler ist die Nachricht über die Gesamtzahl der Truppenstärken. Es werden Zahlen für die Engländer von weit mehr als 100 000 Mann, für die Schotten von mehr als 20 000 Mann genannt. Dies sind die für die Zeit typischen Übertreibungen.

Die Versorgung solcher Menschenmassen - und sei es auch nur für wenige Tage - wäre aus der Region heraus unmöglich gewesen, die Heranführung des erforderlichen Nachschubs aus weiter entfernten Regionen hätte beide Seiten vor schier unlösbare logistische Probleme gestellt. Darüber sind sich die Militärhistoriker von heute einig. Einig sind sie sich allerdings auch in einem zweiten Punkt: Bei allen Übertreibungen auf beiden Seiten, war wohl eine zahlenmäßige Überlegenheit der Engländer im Verhältnis 4:1 bis 5:1 gegeben. Zusammen mit der Schlacht von Stirling Bridge und der viel späteren Schlacht von Culloden zählt Bannockburn zu den größten Schlachten, die je auf britischem Boden geschlagen wurden.

Auf englischer Seite dürften etwa 20 000 Mann gestanden haben, vielleicht ein paar Mann mehr. Hauptwaffe der Engländer war, wie schon bei Stirling Bridge und Falkirk, ihre Furcht einfößende, schwer bewaffnete Reiterei, die Panzerreiter, deren Stärke bei etwa 2 000 Mann lag. Das gegnerische Fußvolk im Sturmritt "platt machen", dann jeden einzelnen, der noch steht oder reitet, einen nach dem anderen ausschalten - das war ihr simples taktisches Konzept. Für den Kampf Mann gegen Mann verfügten sie über eisenbewehrte Lanzen, Streitäxte und Keulen. Taktisch waren die Panzerreiter zugleich aber auch eine bedeutende Schwachstelle in der britischen Armee. Sie waren im wahrsten Sinne des Wortes Einzelkämpfer, die wie für die Zeit üblich ihre eigene Ausrüstung mitbrachten, nach überkommenen Vorbildern den Kampf Ritter gegen Ritter suchten, nur selten in Gruppen kämpften und sich schon gar nicht in übergeordnete Kommandostrukturen der Gesamtarmee fügten. Etliche Panzerreiter waren zudem Söldner aus Deutschland, Flandern und Burgund.

Die übrige Streitmacht bestand aus rund 17 000 Soldaten zu Fuß: Lanzenträger und traditionell aus Wales und Nordengland stammenden Bogenschützen. Das genaue Verhältnis der beiden "Waffengattungen" zueinander ist nicht bekannt, doch dürfte die Mehrheit Lanzenträger gewesen sein. Letztlich ist diese Frage für die Zeit auch nicht so wichtig, denn wenn die Lanzen nicht mehr eingesetzt werden konnten, die Bogenschützen ihre 24 Pfeile verschossen hatten, kämpften beide Mannschaften mit Schwert und Dolch nahezu gleich bewaffnet weiter.

Viel wichtiger ist das entscheidende Manko dieser Truppe. Da fast der gesamte kampferprobte Adel bei den Panzerreitern versammelt war, mangelte es ihr an qualifizierten Truppenführern. Insbesondere die Bogenschützen, die noch in Falkirk so vernichtend unter den Schotten wirkten, waren praktisch führungslos.

Ganz anders war das Bild auf Seiten der schottischen Armee, die auf den ersten Blick und gemessen am Glanz der englischen Panzerreiter einen wenig Vertrauen erweckenden, um nicht zu sagen "maroden" Anblick bot. Etwa 4 500 bis 5 000 Soldaten zu Fuß bildeten die Hauptstreitmacht. Sie waren deutlich schlechter ausgerüstet und bewaffnet als die Engländer. Sie wurden unterstützt von einer Hand voll Bogenschützen, allesamt fast ausnahmslos Jäger aus dem Ettrick Forest und etwa 500 Mann "leichter Kavallerie". Zu Pferde waren sie, genau genommen waren es aber nur leicht bewaffnete, nicht gepanzerte "Fußsoldaten", jedenfalls keine ernst zu nehmenden Gegner für die englischen Panzerreiter.

Hinzu kamen auf schottischer Seite etwa 2 000 Mann der 'small forces': Hilfstruppen - Bauern, Bürger, Handwerker - allesamt zu schlecht ausgerüstet und bewaffnet, um während der Schlacht in den vorderen Reihen zu kämpfen. Als "Aufräumkommando" wären sie im Falle eines Sieges hilfreich, bei einer Niederlage wären sie aber absolut schutzlos und würden von den Engländern erbarmungslos hingeschlachtet werden.

Was bei dieser Beschreibung nicht sichtbar wird und für die Engländer vor der Schlacht gleichfalls nicht sichtbar war, das waren die Ergebnisse der schottischen Militärreformen, die Robert The Bruce seit seinem Amtsantritt durchgesetzt hatte. Sie waren die Basis des Erfolgs in der Schlacht und machten ihn gemeinsam mit Andrew de Moray, dem Strategen der Wallace Zeit, zum bedeutendsten schottischen Militär nicht nur dieser Epoche.

Das Fazit lässt sich vorab in zwei Sätzen zusammenfassen: Die Bewaffnung der Engländer war das Modernste, was der damals schon internationale Waffenmarkt zu bieten hatte, aber ihre Armeestrukturen waren hoffnungslos veraltet. Die Bewaffnung der Schotten war hausgemacht und gemessen am internationalen Standard schlecht, aber The Bruce kommandierte die modernste Armee der Zeit.

Waffentechnisch machte er eine Fehlentwicklung, die von Wallace ausgegangen war, wieder rückgängig: Er kürzte die Länge der Speere, die bei den bewährten 'shiltrons' zum Einsatz kamen von 15 auf 12 Fuß und machte sie dadurch wieder leichter handhabbar. Ansonsten setzte er - in dieser Form erstmals in einer Armee der nachrömischen Zeit - auf Ausbildung, auf simplen Drill der Mannschaften, die seine 'shiltrons' bildeten. Dies versetzte sie in die Lage, die Formation auch unter Bedrängung zu halten bzw. sich nach einer eventuellen Zerschlagung eines 'shiltrons' durch die englische Reiterei in kürzester Zeit neu zu formieren.

Schließlich verpasste er seiner Armee eine eindeutige Führungsstruktur und definierte die Rolle seiner Kommandeure neu:

Randolph, der Earl of Moray, führte die Männer aus Ross, Moray, Inver
ness, Elgin and Forres.
Sir Edward Bruce, der jüngste Bruder des Königs, befehligte die 2. Di-
vision mit den Männern aus Buchan, Mar, Angus, Strathearn, Menteith und Lennox.
Walter, the High Steward, führte formell die 3. Division. Doch da er
selbst noch ein kampfunerfahrenes Kind war, agierte Sir James Douglas als Kommandeur der Männern von den Borders, aus Lanark, Renfrew und Dumfries.
Der König selbst befehligte die 4. Division aus den Highlandern und
Islandern des Angus Og MacDonald und den Verbänden aus Kintyre, Bute, Carrick, Cunninghame und Kyle.

Vordergründig betrachtet schaut es so aus, als wären nur im Umgang miteinander vertraute "Nachbarn" zu größeren Einheiten gruppiert worden. Tatsächlich wurde eines der größte Probleme innerhalb der schottischen Armeen vergangener Tage gelöst: Das Kommunikationsproblem. Es gab grob vereinfacht gesagt nur noch eine Zweisprachigkeit in den Verbänden: Die überwiegend gälisch und französisch sprechenden Gruppen waren getrennt, die Scots sprechenden Verbände waren verteilt.

Die Führungsoffiziere: Früher stürmten sie an der Spitze ihrer Verbände voran, nun rückten sie inmitten der Einheiten immer noch vor, waren immer noch dicht am Geschehen und für die Mannschaften präsent, führten den Verband aber sozusagen aus der Deckung der zweiten Reihe. Bruce's Ziel war es, dass im Zweifelsfall jeder Verband unter seinem Führer taktisch selbständig operieren konnte, im Zweifel sogar unabhängig davon, wo der König stand und was er tat. Für die Schotten ist als Ergebnis klar überliefert, wo jeder Anführer mit seinem Verband stand, wie sie sich bewegten und was sie taten. Ganz anders schaut es dagegen bei den Engländern aus: Vom gesamten 2. Tag wissen wir nur noch in groben Zügen, wo der König stand, von seinen Unterführern fehlt jede Spur in den Berichten.

Bruce's Militärreform ging aber noch einige Schritte weiter. Die leichte schottische Reiterrei wurde komplett ausgegliedert und Sir Robert Keith unterstellt. Keith hatte von Anfang an freie Hand, als taktische Eingreifreserve überall dort loszuschlagen, wo es nötig und erfolgversprechend schien. 'Hit, run and hide', die von de Moray Jahre zuvor entwickelte Guerilla-Strategie der Schotten wurde umgemünzt zum taktischen Konzept für die Kavallerie. Das seit mehr als 150 Jahren bestehende Amt des Marischalls of Scotland, das Keith zu diesem Zeitpunkt innehatte, wurde erstmals richtig in Wert gesetzt - und zum Dank für den außerordentlichen Einsatz nach Bannockburn zum Erbamt der Familie Keith.

Schließlich räumte Bruce mit einer altüberkommenen Unsitte auf und stellte den früher führungslosen Haufen der 'small forces' unter ein militärisches Oberkommando. Sir John Airth wurde Befehlshaber des 'baggage camp', des Trosses, und sollte als erfahrener Militär u.a. auch dafür sorgen, dass der Haufen bei einem absehbaren Sieg nicht zu früh losstürmte. Jedwede Art von Chaos am Rande der Schlacht sollte vermieden werden. Für den Fall einer drohenden Niederlage galt: Das Lager geordnet aufzulösen, die Unbewaffneten in die sicheren Wälder zu entlassen und mit dem letzten Aufgebot eine Rückzugslinie zu halten, hinter der sich die zurückweichenden Schotten neu hätten formieren können.

Bruce wusste nur zu genau um die zahlenmäßige und waffentechnische Unterlegenheit seiner Truppe und war am Vorabend der Schlacht alles andere als siegesgewiss. Aber er hatte seine Truppe besser vorbereitet, als alle schottischen Heerführer vor oder nach ihm.


(tsp/mk)

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