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| Die Hanse in Schottland |
Die Tatsache, dass die Hanse bereits sehr früh in Scottland aktiv war, belegen die zahlreichen Privilegien schottischer Könige bzw. Herrscher wie William the Lion, William Wallace oder Robert the Bruce zu Gunsten der Hansestädte Lübeck und Hamburg. Zu den bekanntesten Urkunden jener Zeit gehört ein Brief von William Wallace an die Magistrate der beiden Städte:
„Andrew Moray and William Wallace, leaders of the Scotch army, and the commonwealth of the same kingdom send to the prudent and discreet men, our good friends, the Senate and the commoners of Lubeck and of Hamburg greeting and a continuous increase of sincere affection. We have been informed by trustworthy merchants of the said kingdom of Scotland, that you on your own behalf have been friendly and helpful in counsel and deed in all things and enterprises concerning us and our merchants, though our own merits did not occasion this. We are therefore the more beholden to you, and wishing to prove our gratitude in a worthy manner we ask you to make it known among your merchants that they can now have a safe access with their merchandize to all harbours of the Kingdom of Scotland, because the Kingdom of Scotland has, thanks be to God, by war been recovered from the power of the English. Farewell. Given at Hadsington (Haddington) in Scotland on the eleventh day of October in the Year of Grace one thousand two hundred and ninety seven."
Die Hanseaten haben Schottland wohl mit allen versorgt, was angesichts der angespannten Lage auf der Insel aus England nicht oder nur schwer zu bekommen war: Lebensmittel wie Getreide und Fleisch, Feintuche und Keramik, aber auch Baumaterial (Samlandkiefern) und Kanonen für den Ausbau von Stirling Castle. Aberdeen wurde zu dem wohl wichtigsten schottischen Stützpunkt und neben den Lübeckern und Hamburgern beteiligten sich vor allem Kaufleute aus Königsberg und Danzig an den Geschäften. Danziger waren es dann auch, die als Erste in Orkney und Shetland auftauchten.
Vom Handel mit den nördlichen Inseln erfahren wir erst relativ spät und das, was auf den Hansetagen immer wieder als Handel mit Orkney streitig verhandelt wurde, war in erster Linie wohl der Handel mit Shetland. Shetländer und Hanseaten waren im norwegischen Bergen aufeinander getroffen, dessen gesamter Nordatlantikhandel erst von Shetländern, dann von Hanseaten kontrolliert wurde. Wichtigster Exportartikel der Shetländer war Fisch, Stockfisch, den sie an den felsigen Stränden ebenso günstig produzierten wie die Isländer und die Norweger selbst. In seiner Zeit war dies ein Milliardengeschäft, galt es doch den christlichen Kontinent mit diesem Grundnahrungsmittel (nicht nur für die Fastenzeiten) zu beliefern.
Immer wieder haben Hamburger und Bremer Kaufleute erst den Stockfisch, später auch Wolle, vorbei am Bergener Stapel direkt auf den Kontinent verhandelt und im Gegenzug die Inseln mit Getreide versorgt, das sie im Hinterland der Lübecker und Rostocker aufkauften. Immer wieder haben sie dabei die „Rechtsunsicherheit“ genutzt, die sich daraus ergab, das Orkney mit dem Landesteil Caithness schottisches Lehensgebiet, mit Orkney und Shetland norwegisches Lehensgebiet war, in dem sie sich bei ihren Protesten gegen die Ansprüche des Bergener Kontors mal auf die schottischen Privilegien, mal auf die vom norwegischen König garantierte Handelsfreiheit innerhalb Norwegens beriefen. Im 16. und 17. Jh. spielte sich ein richtiggehender Wirtschaftskrimi im fernen Norden ab. Der bereits schottische Landadel, der die Inseln verwaltete, wurde mit Präzisionswaffen und Luxusgütern wie Hamburg Water (ein Schnapps) und Hamburg Cringel Bread (ein Feingebäck) und Schweineschinken bestochen, wenn es um günstige Landeplätze ging. Im Gegenzug warb man ihnen die Landarbeiter mit Spitzenlöhnen ab, Männer (!), die für die Hanseaten Strickwaren aller Art herstellten, deren Export günstiger war als der Export von Rohwolle.
Auf dem Höhepunkt des Handels, kurz bevor er zusammenbrach, weil die Holländer mit ihren Methoden der Fischkonservierung (Mathjes) das Stockfischmonopol aufbrachen, saßen rund um Shetlands Küsten so viele Hamburger und Bremer „wie Frösche um den Teich“, wie es in der Klage eines Bremer Kaufmannes heißt. Diesen Zustand verdeutlich auch die nachstehende Karte, die alle bisher bekannten Niederlassungen und etliche Kaufmannsnamen aus der Spätzeit enthält.
Für den Touristen besonders interessant sind vor allem zwei Standorte:
Die Reste der alten Bude in Hillswick, die heute eine Pflegestation für Seehunde und ein angeschlossenes Caffee beherbergt. Ganz unhanseatisch entscheidet der Gast selbst, was ihm die genossene Erfrischung Wert war und zahlt einen entsprechenden Betrag an die Seehundstation.
Symbister auf Whalsay – das einzige aus der Hansezeit vollständig erhaltene Ensemble aus Hafenbecken, Kranhaus (vergleichbar dem Danziger Krantor en miniature) und ehemaliger Bude Bremer Kaufleute, die in späteren Jahren zum heutigen Wohnhaus um- und ausgebaut wurde.
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(tsp/ws)
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