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Die schottischen Könige
Vom "Königreich Schottland" spricht man gemeinhin seit dem Zusammenschluss der Königreiche der Pikten und Skoten zum Königreich Alba. Dieses Königreich erstreckte sich räumlich allerdings auf einen deutlich kleineren Teil der britischen Insel, als den, der das heutige Schottland ausmacht. Insbesondere haben wohl aus dem ehemaligen Großreich der Pikten einige Landesteile als autonome Territorien fortbestanden, wie z.B. Fife, Moray, Strathclyde und Teile der Inselwelt und Argylls, aus denen das 'Kingdom of the Isles' dann hervorging.

House of Alpin (vor 800 bis 1034)
Viele Geschichtsbücher beginnen die Zählung der schottischen Könige mit Kenneth MacAlpin, unter dessen Herrschaft der Zusammenschluss der beiden Großreiche wohl auch tatsächlich vollzogen wurde. Abweichend davon beginnen wir hier entsprechend der offiziellen Darstellung des britischen Königshauses bereits mit seinem Vater Alpin als dem Gründer der Dynastie selbst. Beide Positionen sind angesichts der beschränkten Quellenlage mehr oder weniger willkürlich. Überhaupt gilt es festzuhalten, dass bis auf die wesentlichen Namen aus dieser Zeit kaum gesicherte Informationen bestehen. Dies gilt sowohl für etliche Regierungszeiten wie für die verwandtschaftlichen Verhältnisse. Erst 1034 mit Malcolm II, dem letzten und wahrscheinlich wichtigsten Vertreter dieser Dynastie, der zum Stammvater der Nachfolgedynastie wird, betreten wir halbwegs gesichertes historisches Terrain.

Zur Ansicht einer vollständigen Genealogie der schottischen Könige bitte auf die Übersicht klicken.

House of Atholl (1034 bis 1292)
Malcolm's Politik zielte darauf, die übrigen bisher autonomen Gebiete für Schottland zu sichern. Seine drei Töchter wurden mit den Herrschern der wichtigsten autonomen Gebiete verheiratet: Bethoc mit dem Mormaer of Atholl, Donada mit dem Mormaer of Moray und die namentlich unbekannte dritte Tochter mit dem Norse Earl of Orkney. Was Malcom wohl nicht ahnen konnte, war der spätere Fakt, dass sich die Nachkommen dieser Festlandsherrschaften Duncan I (Sohn des Mormaer of Atholl) und Macbeth (Sohn des Mormaer of Moray) gestützt auf die Hausmächte ihrer Väter heftigst um den Thron streiten würden. In diesem Streit erhob Thorfinn, der orkadische Enkel, keinen direkten Anspruch auf das königliche Erbe, sondern schlug sich auf die Seite des Moray. Thorfinn wurde so zum "lachenden Dritten" und wahrscheinlich mächtigsten Herrscher in Schottland und zu jenen Tagen. Soweit man heute weiß, muss man König Macbeth und Earl Thorfinn of Orkney für lange Herrschaftszeit als 'joint ruler', als gemeinschaftliche Herrscher bezeichnen. Sie haben sich zumindest wechselseitig vertreten und sind denn auch das interessanteste Gespann aus der Frühzeit der Dynastie.

Ein vielfach verkannter Herrscher der Dynastie, ist David I, der Enkel von Duncan I. Während der 27 Jahre dauernden Königsherrschaft seines Bruders Alexander I (1197-1224) herrschte er in Südschottland und angrenzenden englischen Gebieten ähnlich autonom wie Thorfin zu Macbeths Zeiten im Norden und Westen Schottlands. Bei ihm werden zum erstenmal die engen Verflechtungen zwischen den Dynastien Englands und Schottlands deutlich, dank derer er schließlich über das größte schottische Reich herrschte, das jemals bestand. David war am Hofe seines Onkels, des englischen Königs aufgewachsen und brachte von dort die Grundsätze mit, nach denen er ab 1224 als König in Schottland erst die schottische Verwaltung, dann die schottische Kirche reorganisierte. David war es auch, der anglo-normannische Adlige, die bald darauf die Führungselite Schottlands stellen sollten, in großem Stile für eine Niederlassung in Schottland anwarb.

Autonom waren praktisch nur noch die Kernlande der Herrschaft der Norse Earls Orkney und Shetland und ihre Besitzungen auf den Western Isles. Alexander III dem Urenkel von David I gelang es dann, durch den Vertrag von Perth (1266) und gegen die Zahlung der 'annuals of Norway' den lang ersehnten Herrschaftsanspruch über die Western Isles zu realisieren. Alexander wurde zum Herrscher über schottisches Territorium, das weitgehend den heutigen Grenzen Schottlands entsprach - Davids Besitzungen südlich der Borders waren weitgehend wieder an die Engländer verloren, die Western Isles gewonnen, Caithness und Sutherland aus dem Erbe der Norse Earls gesichert, nur Orkney und Shetland waren noch autonome Gebiete unter norwegischer Lehensoberheit.

Mit dem Tod von Alexanders legitimer Nachfolgerin Magaret of Norway entstand ein Machtvakuum, das der zerstrittene schottische Adel von sich aus nicht füllen konnte. Prompt machte er mit dem englischen König den Bock zum Gärtner. Edward I (the Hammer of the Scots) sah sich nämlich nicht als der "Schiedsmann", als den ihn die schottischen Lords gerufen hatten, er verstand sich vielmehr als "Overlord" über Schottland - und er versuchte wie sein Sohn und Nachfolger, diesen Anspruch mit aller Gewalt und über Jahre hinweg durchzusetzen.

House of Balliol (1292 bis 1356 mit Unterbrechungen)
Die Dynastie mit der kürzesten Herrschaftszeit, dafür aber eine, die für heftigste Unruhen sorgte. Als John Balliol durch Schiedsspruch vom englischen König auf den schottischen Thron befördert worden war, hat wohl keine Seite geglaubt, dass er sich von seinem politischen Ziehvater emanzipieren würde - so gesehen war der schottische Adel zweigeteilt in seine Anhänger und seine Gegner. Als er dann aber eine eigene Position bezog, machten nur Teile der jeweiligen Lager diese Kehrtwendung mit: Der Adel war viergeteilt. Dieser Streit und die daraus resultierende Schwäche ermutigte dann die Anhänger der durch Edwards Schiedsspruch gengenüber John Balliol unterlegenen Mitstreiter um den schottischen Thron, ihre Forderungen und Anwartschaften erneut vorzutragen: Der schottische Adel war nunmehr vollends zerstritten.

Auf den Druck von innen und außen hin zog sich John Balliol zurück. Die Thronfolge war nicht geregelt. Schottland wurde wieder von Guardians verwaltet. Es war die Zeit der Unabhängigkeitskriege des William Wallace, aus denen letztlich 1306 Robert The Bruce als neuer starker Mann und König hervorging.

Johns Sohn Edward, der von den Engländern systematisch als Gegenspieler zu Robert The Bruce aufgebaut worden war, forderte 1332 als Anführer der 'Disinherited' (der Enterbten) die Scotten heraus, gewann auch die Schlacht von Dupplin, wurde danach auch noch gekrönt (Darum taucht er hier in der Übersicht in Verfolgung der offiziellen Darstellung der britischen Monarchie als König auf). Er war es auch, der die schottischen Besitzungen südlich der heutigen Grenze endgültig seinem Gönner Edward III übertrug. Er war so zu sagen ein König im Exil: Wirklich geherrscht hat er in und über Schottland nie, schottischen Boden hat er zuletzt 1346, 18 Jahre vor seinem Tod betreten.

House of Bruce (1306 bis 1371)
Der wirkliche Herrscher in und über Schottland war längst der Sieger von Bannockburn, Robert The Bruce. Wie bei den Balliols ist es eigentlich auch hinsichtlich der Bruce falsch, von einer Dynastie zu sprechen, denn aus beiden Linien gab es nur je einmal Vater und Sohn. Auf Balliol Vater folgte Bruce Vater, weil der Sohn des Balliol noch zu jung und nicht anerkannt war. Nach dem Tod von Robert The Bruce folgte Balliols Sohn Edward, bevor sich der Brucesohn David II den Thron sichern konnte. Dazwischen gab es jeweils Zeiten ohne legitimen Herrscher, in denen sich der Adel mal wieder um die Thronfolge stritt bzw. den zeitweisen Gegenkönig Edward Balliol.

In einem Punkt hatte aber Robert The Bruce im dynastischen Sinne wesentlich klüger taktiert als sein langjähriger Widersacher Balliol. Bruce hatte seine Tochter aus erster Ehe mit dem nach ihm mächtigsten Manne im Reich verheiratet, mit Walter The Stewart, 6th High Stewart of Scotland. Robert The Bruce hat, was ihn in diesem Sinne durchaus als weitsichtigen Staatsmann kennzeichnet, in Generationen gedacht: Er selbst, dann sein Sohn aus zweiter Ehe, nach ihm sein Enkel, der Sohn der Tochter aus erster Ehe.

House of Stewart (1371 bis 1603/1625 James VI/I)
Als David II nach immerhin 42 Regierungsjahren starb, folgte der Enkel des Robert The Bruce als Robert II auf den Thron. Er war der erste der mächtigsten schottischen Dynastie, die bis 1603 als Stewarts auf dem schottischen, danach bis 1707 auf dem schottischen und englischen Thron und dann noch unter dem längst anglisierten Namen Stuart bis 1714 auf dem britischen Thron saß.

Bei der Vielzahl von Königen über einen so langen Zeitraum bleibt es nicht aus, dass es starke und schwache Vertreter der Familie gibt. Aber bis James I war es im Prinzip eine "schottische" Familie, wenngleich gelegentlich einmal nach England oder Dänemark "verheiratet" wurde. Mit James I wurde die Familie dann internationaler: Der Sohn und die zahlreichen Töchter heirateten in "ganz Europa" ein. In der Folge wurde der schottische Hof zu einer der ersten Adressen in Europa.

Die schillerndste Vertreterin der Stewarts war gewisslich Mary Queen of Scots, sicherlich eine starke Frau, die aber innen- wie außenpolitisch schlecht beraten war und vollkommen glücklos operierte. Vor allem hat sie sowohl die Stärke ihrer Cousine Elizabeth und deren Ehrgeiz, mit dem sie England zur Weltmacht machen wollte, unterschätzt, als auch die Tragfähigkeit ihrer internationalen Allianzen mit Frankreich und Spanien, aber auch die Rückendeckung durch den schottischen Adel maßlos überschätzt.

House of Stuarts (1603 bis 1714)
Als Mary unter dem Beil des Henkers starb, wäre es beinahe um die Stewarts und Schottland geschehen gewesen, wenn es nicht zur Union of the Crowns gekommen wäre. Als Elizabeth kinderlos starb, suchte man einen Nachfolger und fand ihn im schottischen Verwandten: James, de jure der VI. von Schottland, trat als James I die Herrschaft über England an.

Noch einmal sollte eine Frau aus der alten schottischen Stewart-Linie eine schicksalhafte Wendung herbeiführen: Es war Queen Anne, die 1707 mit der Union of Parlaments dafür sorgte, dass die beiden Altreiche England und Schottland aufhörten zu existieren. Sie war die erste Königin auf dem neu geschaffenen britischen Thron.

House of Hanover (1714 - heute als Windsors)
Als sie starb, hätte ihr eigentlich der Stiefbruder und dann dessen Nachfolger auf den Thron folgen sollen. Doch es kam anders. Bis 1625 herrschten bei der Thronfolge eindeutig dynastische Prinzipien: Der König wurde zwar gewählt, aber immer aus dem Kreis der Kandidaten der jeweils herrschenden Familie. Für die Zeit danach galten andere Regeln. Es war grundsätzlich eine "freie" Wahl, der neue König konnte aus der zuletzt herrschenden Familie gewählt werden, musste aber nicht, da er gleichzeitig andere Kriterien zur Wählbarkeit zu erfüllen hatte.

In der nachreformatorischen Zeit galt vor allem, dass er einer reformierten Kirche angehören musste: Der Curch of England oder der protestantischen schottischen Kirche. Annes Halbbruder und seine Nachkommen, die Nachkommen der letzten Jameses (Jacobites) erfüllten als Katholiken dieses Wählbarkeiskriterium nicht und somit wählten die in Westminster versammelten Lords frei. Sie wählten die Hannoveraner, die seit den Tagen Heinrichs des Löwen und seiner Nachkommen zwar uralte Rechte, auch Thronrechte, in England hatten, die aber nichts mit Schottland verband.

Entsprechend emotionslos hat George I gegenüber den schottischen Herausforderern agiert und Schottland nach der Katastrophe von Culloden 1746 erst einmal förmlich entmündigt.

Es sollte beinahe 300 Jahre dauern bis die Vertreter des House of Hanover zur Kenntnis nahmen, dass es eventuell sinnvoll sein könnte, auf die unterschiedlichen Traditionen in den beiden wichtigsten Landesteilen gewisse Rücksichten zu nehmen. Wenn Elizabeth II als britische Königin in Schottland ein anderes Banner führt als in England, wenn der Thronfolger nicht als Prince of Wales, sondern innerhalb Schottlands als High Stewart & Duke of Rothesay auftritt, dann setzt das gewisse Signale. Ob es das schottische Nationalbewusstsein in einem positiven Sinne fördern kann, sei einmal dahingestellt.

(tsp/ws/kba/uv)
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