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Schlachten
... may there never be another!

Die nachstehende Auflistung enthält nahezu alle kriegerischen Ereignisse auf schottischem Boden, die in der historischen und historiographischen Literatur Erwähnung finden. Hinzu kommen jene Schlachten, die von regulären schottischen Truppen jenseits der Landesgrenze auf "englischem" Boden, d.h. auf der Britischen Insel und den ehemals englischen Territorien auf dem europäischen Kontinent geschlagen wurden. Berücksichtigt wurden auch die wichtigsten Ereignisse des schottisch-englischen Krieges der Jahre 1315-1318 um die Vorherrschaft in Irland.

Nicht berücksichtigt wurden die Aktivitäten schottischer Verbände, insbesondere der 'Green Brigade', des 'Stargate's Corps' u.a., in schwedischen Diensten während des 30jährigen Krieges auf den europäischen Kontinent und vergleichbare Söldnerdienste im Rahmen der Armeen anderer europäischer Staaten. Einsätze schottischer Einheiten in den britischen Überseegebieten namentlich in Nordamerika blieben gleichfalls unberücksichtigt.

Abgesehen von diesen Ausnahmen umfasst die Zusammenstellung also alle kriegerischen Ereignisse ('wars', 'battles', 'major skirmishes' und größeren 'riots' etc.) der Jahre von 83 n.u.Z bis 1746, soweit sie auf schottischem Boden oder unter Beteiligung regulärer schottischer Verbände geführt wurden. Um einem Irrtum vorzubeugen: Belagerungen/Eroberungen einzelner Burgen ('duns', 'forts', 'castles') sowie Belagerungen einzelner Städte, die im Rahmen der übergeordneten Ereignisse stattfanden, sind in der Liste ebenso nicht enthalten wie 'riots' und damit zusammenhängende "polizeiliche" Einsätze des Militärs nach 1746 - auch dann nicht, wenn sie in der lokalen Tradition als 'battle' oder von der schottischen Geschichtsschreibung als 'war' bezeichnet werden (z.B. Radical War von 1820 = 'Battle of Bonnymuir').

Entsprechend der britischen Tradition wurden dagegen die Schlachten des sagenhaften britischen Königs Arthur aus der Mitte des 6. Jh. aufgenommen, von denen die 'Anglo-Saxon Chronicals' berichten. Nimmt man die 'Chronicles' und Sir Thomas Malory als Überlieferer der Arthur-Sagen halbwegs ernst – und die neuere Forschung macht das durchaus – hat von den vier fraglichen Schlachten eine möglicherweise im "schottisch-englischen" Grenzgebiet, eine mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auf schottischem Boden stattgefunden. Für die letzte der Schlachten glauben einige Forscher zudem, die Person von Arthurs nicht überlieferten Gegner einkreisen zu können. Die Frage, ob Mordred bei den verbleibenden zwei Schlachten tatsächlich auf "Hilfstruppen aus dem Norden" zurückgegriffen hat oder zurückgreifen konnte (worauf es vage Hinweise gibt), wurde dabei vernachlässigt.

Ansonsten gilt für die zahllosen Kämpfe Arthurs – wie für alle Ereignisse aus der historiographischen Literatur (etwa Orkneyinga Saga): Aufgenommen wurden – soweit in zwei oder drei Fällen nichts anderes angemerkt ist – nur solche Vorgänge, die zudem durch andere Quellen, d.h. mehrfach belegt sind. Dadurch erklären sich gerade für die Frühzeit vor der Herrschaft Malcolms II einige größere Lücken in der Chronologie.

Damit sind wir bei einem Grundproblem, das für die Beschreibungen der frühen Kriegshandlungen ganz allgemein gilt: Je weiter die Vorgänge in der Vergangenheit zurück liegen, desto vager werden (bis auf wenige Ausnahmen) die Angaben. Hinsichtlich der Datumsangaben kommt es dabei schon einmal zu Abweichungen von mehreren Monaten und auch Jahren – bis weit in die Neuzeit hinein. Gleichzeitig verschieben sich objektiv die Maßstäbe, die an die Größe, den Umfang der Kampfhandlungen zu legen sind.

Ausgehend von unseren heutigen Vorstellungen ist eine Schlacht ('battle') ein Kampf ('combat') im Rahmen eines länger andauernden Krieges ('war'), bei dem sich zwei Armeen ('army'), d.h. hierarchisch strukturierte Kampfverbände mit unterschiedlichen Funktionen für verschiedene Truppenteile einander gegenüber stehen. Das war längst nicht immer so. Für die frühe Zeit auf den Britischen Inseln liefern die Gesetze, die 'Laws of King Ine of Wessex (688 - 728)' anschauliche Beschreibungen hinsichtlich der Größenverhältnisse:
Bis zu einer Stärke von 7 Mann handelte es sich um 'thieves', Diebe.
Bei 7 - 35 Mann, sprach man von 'a band', eine Bande von Dieben und/oder Militärs.
Ein Zusammenschluss von 36 oder mehr Mann war demnach eindeutig ein militärischer Verband 'an army'.

Mit zunehmender Bevölkerungsdichte und fortschreitender gesellschaftlicher Entwicklung, d.h. dem Wandel von einer Stammesverfassung zu einer territorialstaatlichen Verfassung und der Herausbildung eines übergreifenden Nationalbewusstseins, verändern sich auch die Größenverhältnisse zumindest hinsichtlich des Armee-Begriffs. Für die schottischen Verhältnisse muss man dabei unterscheiden, ob die genannten Ereignisse im Zusammenhang mit einem äußeren Feind stehen, oder ob es sich um innerschottische Auseinandersetzungen handelt. William Wallace und Robert I waren sicherlich schon im Hochmittelalter in der Lage, gegen die Engländer zahlenmäßig große Armeen aufzustellen, die eine Funktionsteilung aufwiesen, also über unterschiedliche Waffengattungen (Fußvolk, Schützen, Reiter) unter eigenem Kommando verfügten.

Andererseits haben die sogenannten 'Clan battles' des 14. bis 17. Jh. nie ein derartiges Ausmaß an Auseinandersetzung erreicht. Die Größe der jeweiligen "Armeen" orientiert sich an "stammespolitisch" möglichen Dimensionen und schwankte wohl zwischen einigen Dutzend und wenigen hundert Mann pro Partei – was im Übrigen der Härte, mit der diese Auseinandersetzungen geführt wurden, keinen Abbruch tut.

Aber selbst die Ereignisse zu Zeiten von Wallace und Bruce zeigen, dass diese Heerführer nur über relativ kleine Kerntruppen verfügten, die vor einer Schlacht durch ad hoc rekrutierte, kurzzeitig ausgebildete Verbände ergänzt wurden. Für alles andere waren die logistischen Probleme zum Unterhalt und zur laufenden Versorgung der Truppe zu der Zeit einfach noch nicht lösbar.

Die Ausbildung eines "stehenden Heeres" ist auch in Schottland ein Produkt der Neuzeit. Doch selbst da gilt es hinsichtlich der Größenordnungen Vorsicht walten zu lassen. Auf keinen Fall darf man den aktuellen Inhalt der jeweiligen Begriffe auf vergangene Zeiten übertragen. Die zwischen 1740 und 1815 ausgehobenen klassischen 50 'Highland Regiments' waren selbst für damalige Zeiten nur 'battalions' und wesentlich kleiner als ihre heutigen Namensvettern. Die 23 'Highland Regiments of 'fencibles'', d.h. die nur für ein bestimmtes Kriegsereignis aufgestellten Verbände, wie sie z.B. auch in der Schlacht von Culloden auf britischer Seite zum Einsatz kamen, hatten im heutigen Begriffsverständnis als Hilfstruppen gerade einmal Kompaniestärke maximal 120 bis 150 Mann).

Fazit soweit: Man sollte mit der Verwendung des Begriffs 'battle' sehr bedacht umgehen und bei einer Übersetzung nicht immer gleich von unserem heutigen "Schlacht"-Begriff ausgehen. Mit zu denken wären immer Begriffe wie 'skirmishes' oder 'major skirmishes', 'riots' oder 'raids' – also die ganze Palette von "Schlacht" über "schwere Kämpfe", "Gefechte", "Scharmützel" bis hin zu "Aufständen" oder "Unruhen", auch wenn entsprechende Differenzierungen in der Literatur und hinsichtlich der Bezeichnungen der Vorgänge nicht vorgenommen werden – man sollte sich jeweils die inhaltliche Beschreibung im Detail ansehen bzw. recherchieren.

Soweit bekannt wurden nicht nur die kämpfenden Parteien und die jeweiligen Herrscher ('kings', 'mormaers', 'earls', 'clan chiefs' etc.) benannt, sondern auch die im konkreten Fall verantwortlichen militärischen Führer der Verbände. Zum einen verdeutlichen sie in der schnellen Übersicht die raschen Partei- und Koalitionswechsel, zum anderen sind sie wichtige Ansatzpunkte für die weitere Recherche: Unter ihren Namen als Suchbegriff findet man oftmals mehr Details zu den konkreten Ereignissen vermerkt als unter den Namen der Herrscher oder kriegführenden Parteien.

Es bleiben aber mancherlei Zweifel. Für die Frühzeit sind wesentliche Quellen wie die 'Anglo-Saxon Chronicles' oder die 'Norse Saga Literatur' teilweise mit Fehlern behaftet und in sich widersprüchlich, teilweise widersprechen sie einander – vom nochmals wesentlich jüngeren, also von der Zeit der Ereignisse weiter entfernten 'Scotichronicon' gar nicht zu reden. Für die Zeit der 'Wars of Independence' werden derzeit die Kalender und Szenarien mitsamt den Glorifizierungen des 19. Jahrhunderts korrigiert: Es ist gerade einmal 120 Jahre her, da schrieb man in die Geschichtsbücher, dass Robert I 53 von 70 geschlagenen Schlachten gewonnen hat – obwohl man zu der Zeit nur knapp ein gutes Dutzend mit seiner Beteiligung ausmachen konnte. Heute weiß man sicher, dass Robert I an gut zwei Dutzend großen Kämpfen (einschließlich seines Irlandengagements) beteiligt war, von denen er aber etliche auch verloren hat. Einige Historiker streichen bis auf drei oder vier wirklich "kriegsähnliche" Vorgänge die 'clan battles' aus der Liste der schottischen Kriege und reduzieren den Rest auf "reine Familienstreitereien" unterhalb der Ebene von vergleichbaren Stammesfehden, weil oftmals die führenden Familienzweige und die 'Clan Chiefs' gar nicht beteiligt waren. Neu bewertet werden letztlich die Auseinandersetzungen mit den 'Covenanters', die immer häufiger und deutlicher als eine Art Bürgerkrieg gesehen werden, der wesentlich vielschichtigere Ursachen als den vordergründigen Streit um Religions- und Lithurgiefragen.

So bleibt letztlich noch eine Korrektur anzumerken: Culloden 1746 war nicht die letzte Schlacht, die mit wesentlicher schottischer Beteiligung und auch auf schottischem Boden geschlagen wurde. Es sollte noch der September 1940 kommen, der unter dem Namen 'Battle of Britain' als Beschreibung der Luftschlacht um England in die Geschichtsbücher einging … und damit vergessen macht, dass es schottische Gemeinden waren, die im 1. und 2. Weltkrieg die höchsten Opferraten zu verzeichnen hatten.

Hinweise zur Lesart der Übersicht:
1. Fragliche und strittige Jahres- und Datumsangaben sind mit einem
"?" gekennzeichnet.
2. Hinweise mit dem Kürzel "cf" hinter dem Ort/Namen verweisen auf
Ereignisse, die nach unterschiedlichen Quellen zu ganz anderen Zeiten stattgefunden haben und unter anderem Namen aufgeführt werden, wobei es sich um bekannte, aber nicht lösbare und in der militärischen Geschichtsforschung unstrittige Sachverhalte handelt.
3. Nicht überliefert Datumsangaben erscheinen als "-".
4. nicht überlieferte Ortsangaben sind mit dem Zusatz "nicht
überliefert" gekennzeichnet, fragliche Schauplätze mit einem "?" versehen und soweit es alternative Diskussionen von Schauplätzen gibt, sind diese entsprechend vermerkt.
5. Alternative Namensschreibweisen von Orten und Personen sind
i.d.R. durch (Klammerzusätze) angemerkt.
6. Einige wichtige Ereignisse, für die in der Geschichtsschreibung
oder der lokalen Tradition alternative Ortsangaben oder zusätzliche Bezeichnungen verwendet wurden, die im Laufe der Zeit sich zu gleichrangigen, gleichbekannten Namen entwickelten, sind alternativ aufgeführt und mit Verweisen auf die konkrete Beschreibung versehen (z.B. 1603 'Battle of Luss' und 'Slaughter of Lennox').
7. Soweit bekannt und/oder für das Verständnis der historischen
Verhältnisse wichtig, wurden nicht nur die kriegführenden Parteien, sondern auch die jeweiligen Befehlshaber genannt. Die Formulierung "Truppen der/der …" verweist dabei auf die Tatsache, dass die nachfolgende Person nicht bei den eigentlichen Kampfhandlungen zugegen war; die Formulierung wie "schottische/englische Truppen" verweist ebenso unbestimmt darauf, dass es sich um nicht bekannte, kleinere Verbände und Abteilungen des jeweiligen Hauptheeres der entsprechenden, kriegführenden Partei handelt.
8. Die Zählung der Titel und insbesondere der Königsfolgen erfolgt
nach dem sog. "Scottish style". Eine wichtige Abweichung gegenüber anderen Quellen ergibt sich dabei hinsichtlich der verschiedenen Constantines. Constantine, King of Picts ab 807, zählt demnach nicht als Constantine I bei den Kings of Scotland; die Zählung der schottischen Constantine beginnt mit Constantine I, Sohn von Kenneth I mac Alpin, King of Alba ab 863!

Literaturhinweise in Auswahl
A. O. Anderson: Early Sources of Scottish History, 1922
H. Marsh: Dark Age Britain, 1970
D. Warner: British Battlefields - The North, 1972
A. Dunsan: Scotland - The Making of the Kingdom, 1975
D. Warner: British Battlefields - Scotland & The Borders, 1975
M. Falkus & J. Gillingham: Historical Atlas of Britain, 1981
G. Bruce: Paladin Dictionary of Battles, 1986
P. Marren: Grampian Battlefields, 1990
C. & J. Matthews: Arthurian Book of Days, 1990
J. Sadler: Scottish Battles, 1996


(tsp/ws)

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