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 Impressionen Letters from Scotland [ zurück ]
Corinna - Mittwoch, 02.11.2005
Und hier ist endlich mal wieder ein "Letter from Scotland"!

Ich habe mich sehr lange bedeckt halten müssen, weil ich so viel um die Ohren hatte und nicht wirklich zum ausdauernden Schreiben gekommen bin. Im August habe ich geheiratet, und seit dem Ende der "Flitterwochen" (so richtige hatten wir eigentlich gar nicht) haben wir unsere Küche renoviert. In Ermangelung von Urlaub dauert sowas wesentlich länger! Immer nur eine oder 2 Stunden nach Feierabend…
Die Hochzeit auf Skye war sehr schön. Die Standesbeamtin, Meg Gillies, hat das richtig schön gemacht, sehr feierlich und bewegend. An den Wortlaut kann sich natürlich 5 Minuten später schon keiner mehr erinnern! Und eine Bekannte von mir hatte uns sogar einen Piper (DEN Piper!) organisiert. Logischerweise, denn wir waren ja in Schottland, hat es in Strömen geregnet, so dass es ein sehr Nasser Spaziergang durch Portree war, auf dem Weg vom Standesamt zum Hotel. Macht nix, wir fanden es schön!
Beim Essen habe ich ordentlich Champganer und Wein getrunken. Grosser Fehler, denn ich trinke ja eigentlich nie - dementsprechend schlecht ging es mir hinterher! Macht nichts, ich fan des schön! *grins*
Vor allem war es richtig schön, mal wieder Leuten, die noch nie in Schottland oder gar auf Skye waren, das Land schmackhaft zu machen. Vor allem Ashraf, der pakistanische Freund meiner Schwester, war schwer begeistert und hat gleich mal Plaene geschmiedet, wie er es denn anstellen könnte, auch in Schottland zu leben!
Danach fuhren wir für knapp 10 Tage nach Deutschland für eine Feier mit der Familie, und danach ging es erst richtig los: Als wir wieder daheim waren, ging es an die Namensänderungen! Zum Konsulat nach Edinburgh für einen neuen Pass, zu sämtlichen Institutionen (Banken, Arzt etc) um meinen neuen Namen eintragen zu lassen. So ein Gerenne! Zwischendurch ging ja dann auch die Arbeit wieder los (muss das denn sein???) Am tollsten war das Konsulat - da musste ich nach ein paar Wochen nochmal hin um eine Erklärung zu unterschreiben, damit ich meinen Namen auch im deutschen Sprachraum fuehren darf. Was??? Und vor allem : habt ihr das denn nicht gleich gewusst???? Wäre ja nicht so schlimm, wenn da nicht die ungezogenen Parkgebühren in Edinburgh wären - ganz abgesehen von der Schwierigkeit, sich überhaupt durch das Gewusel durchzufinden, das dort herrscht! Und dann knöpften die mir gleich nochmal Kohle ab, nur für diese Erklärung! Es lebe die grunddeutsche Bürokratie!
Naja und dann halt die Küchenrenovation. Als wir in unser Haus vor 2 Jahren eingezogen sind, war die Küche recht ok - nicht sooo toll und ganz sicher mindestens 12-15 Jahre alt, aber für den Anfang ok. Aber im Laufe dieser 2 Jahre gaben immer mehr Schranktürscharniere den Geist auf, mit jedem Wischen des Bodens löste sich das MDF der Schränke am Boden etwas mehr auf, und allgemein gefiel mir die Küche nicht. Also suchten wir uns eine neue aus und schossen uns auf "Värde" von Ikea ein. Ein paar Wochen herumexperimentieren mit dem Küchenplaner von Ikea, bis alles gepasst hat, und dann fingen wir vorsichtig mit einem neuen Kühlschrank und der Ecke, in die der sollte, an. Erster Schreck: beim Herausreissen des ersten Meters der alten Einbauküche mussten wir feststellen, dass die beim letzten Kacheln der Wände sauber um die Küchenschränke herumgekachelt hatten. Fein! Also Kacheln kaufen. Und Farbe für die langweilig-weissen, die schon an den Wänden waren und die wir nicht auch noch heraushauen wollten (mit einer Grösse von 3.25m mal 3.65m und sehr hoher Decke hätten wir nämlich viiiieeeeel Wandfläche zu kacheln! Farbe ist da preiswerter. Also den ersten Meter über dem Fussboden in Terracotta, darüber in "Calico" (ein helles Gelb). Schick. Neuer silberfarbener Kühlschrank, 185cm hoch, damit man auch mal frisches Gemüse auf Vorrat kaufen kann!
Dann Küche kaufen, von einem Arbeitskollegen mit Bully heimholen lassen, das ganze Esszimmer voller flatpacks, uaaaaaa! Nach und nach die alte Küche raus und die neue rein (wir mussten ja gleichzeitig weiter drin wohnen und kochen, also alles auf einmal raus ging nicht, da hätten wir wochenlang ohne Küche zugebracht! Zumal Ikea auch noch Lieferschwierigkeiten mit der Spüle hatte! Die kam erst Wochen später!). In dem Masse, wie wir die neuen Schränke zusammenschraubten und aufstellten, in dem Masse wurde unser Garten immer versiffter, denn da landete sowohl die alte Küche als auch die ganzen Pappkartons! Egal, da müssen wir jetzt durch! Alles selbst gekachelt, gefliest, gestrichen, zusammengebaut, aufgestellt… nur den Herd muss man von einem Elektriker anschliessen lassen, Vorschrift. Und die Klempnerei hinter der Spüle hat ein Arbeitskollege erneuert, damit auch mal wieder etwas Wasser durch die Rohre fliessen konnte (die waren nämlich auch hinüber!). Zwischendurch immer mal wieder ein Schock - als wir die alten Eckschränke herausnahmen, stellten wir fest, dass die Wand etwas krumm ist und Riesenlöcher reingeschlagen wurden, damit die Schränke passten! Die mussten wir dann erstmal zumachen, ehe wir weitermachen konnten! Ich bin ein richtiger Profi geworden mit der Maurerkelle an senkrechten Wänden (Spezialgebiet: krumme Wände!).
Mittlerweile sind wir bis auf ein paar "finishing touches" fast fertig und sind sooo stolz auf unser Werk. Vor allem weil es bis auf ein paar Spezialarbeiten alles in Eigenarbeit zusammengeschraubt wurde! Und der ganze Mist aus dem Garten ist auch weg! Demnächst veranstalten wir mal wieder ein Abendessen fuer die Arbeitskollegen bei uns, denn auf meinem neuen Herd macht Kochen gleich noch viel mehr Spass!

Bald ist Winter. Eiskratzen mussten wir schon, und alle paar Abende mal ein Feuer machen (in unserem Haus wird die Zentralheizung vom Kohleofen angetrieben, den schmeiss ich nur an wenn ich muss, es ist aber jedesmal urgemütlich wenn das Feuer prasselt!). Da die Küche dann fertig ist, brauchen wir für die langen Winterabende ein Hobby. Ich habe ebay heimgesucht und mir Stricknadeln, Häkelnadeln und Wolle bestellt. Habe seit 25 Jahren nicht mehr gestrickt oder gehäkelt und bin jetzt wahrscheinlich in dem Alter wo sowas wieder interessant wird *grins*. Ausserdem haben wir uns in den Gedanken verbohrt, ein "Puppenhaus" zu bauen. Genaugenommen eine Miniaturversion des Fachwerkhauses, in dem ich aufgewachsen bin. Die Rohmaterialien fuer die Wände haben wir schon im Haus, demnächst geht es los. Das wird spannend! Ich halte euch auf dem Laufenden, wie lange wir durchhalten beim Bauen ehe wir die Idee "ad acta" legen! *grins*

Corinna
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