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 Impressionen Letters from Scotland [ zurück ]
Stefanie - An Orcadian Winter
Viele Leute, vor allem Orkadier, haben mich vor dem Winter hier gewarnt. Und mancher hat es geschafft mir Angst einzureden. Kaum Tageslicht, tagelanger Nebel, Stürme, festsitzen wegen zu vielem Schnee… Ich habe mir immer gesagt, wenn ich meinen ersten Winter überlebe und das OHNE Alkoholprobleme, kann es nicht so schlimm sein. Und jetzt haben wir März und ich habe überlebt, kann mit einem trinkfesten Schotten noch immer nicht mithalten und bin um einige Erlebnisse reicher.

Woodwick House ist das ganze Jahr über geöffnet, aber ab Anfang Oktober werden die Leute immer weniger. Dann fängt die Zeit an, Energien aufzutanken und Arbeiten im und ums Haus zu beginnen. Dann wird das Gemüsebeet winterfest gemacht, Bäume gestutzt (das Haus besitzt eines der wenigen bewaldeten Gebiete auf Orkney - welcher Baum will bei dem Wind auch ohne weiteres wachsen?), Stühle gestrichen, Kleiderschränke restauriert usw. usw. Ein schöner Ausgleich zu dem sommerlichen Treiben, wo sich alles um den Gast dreht.

Winter auf Orkney bedeutet auch viel 'socialising'. Endlich hat man wieder Zeit Leute zum Essen einzuladen, Konzerte zu besuchen und lange Wanderungen zu unternehmen, wo man niemanden antrifft. Die Orkadier, inkl. der sog. 'incomer', wie man Leute wie mich nennt, sind wieder unter sich.

Winter bedeutet auch Urlaubszeit für die Menschen, die im Tourismus arbeiten. Und wo machen Orkadier Urlaub? Richtig, auf der Nachbarinsel! Dem schloss ich mich an und verbrachte eine Woche in einem traumhaften Cottage (1) auf einer der nördlicheren Insel des Orkney Archipels, Westray. Westray ist die drittgrösste Insel mit ca. 280 Einwohnern, mit der grösste Kolonie von Basstölpeln (Gannets) in Schottland, dem einzigen britischen Faerie Museum (kein Kommentar…) und dem wohl schönsten Wanderweg Orkneys, dem West Westray Walk, der am Leuchtturm von Noup Head endet.

copyright 2006 Stef Lauer
Spaziergang am Noup Head, Westray

Das verhältnismässig milde Winterklima erstaunte mich nicht nur auf Westray. Ganz selten Frost, bislang keine F8 'gale storms' (Stürme mit Windstärke 8) und der Schnee ließ bis Anfang März auf sich warten (dann aber 15 cm und wir sassen wirklich 3 Tage im Haus fest, was mit offenem Kamin, gutem Rotwein und genügend Vorräten nicht so schlimm ist). Stattdessen mehr Sonne im Januar als im August und die unglaublichsten Farbenkonstellationen. Einen dieser atemberaubende Januartage nutzte ich um den Flugschein eines Freundes auszunutzen. Mit einer '74 Cessna ging es auf einen Rundflug über die verschiedenen Inseln. Ein Traum! Hier eine Aufnahme von Woodwick House aus der Luft:

copyright 2006 Stef Lauer
Meine neue Heimat aus der Vogelperspektive

Weihnachten verbrachte ich mit Freunden und meiner 'neuen Familie' ebenfalls auf Orkney. Ich war überrascht wie viele kleine Unterschiede es in den weihnachtlichen Traditionen gibt. Nicht nur das sie hier von Zimtwaffeln und Glühwein noch nichts gehört haben (ok, das Glühwein-betrinken habe ich in Woodwick eingeführt), Heilig Abend ist ein Abend wie jeder andere. Am 1. Weihnachtstag wird früh aufgestanden zum Umtrunk und Geschenke auspacken.

Und dann geht man auf Orkney zum Ba', dem wohl verrücksten Schauspiel dem ich je beigewohnt habe. Das Ba' Game wird zweimal im Jahr gespielt, an Christmas Day (25.12.) und am Neujahrstag. An jedem Tag zwei Spiele: ein Boys' Ba und ein Men's Ba. Es ist eine Art Massenfussball, wo sich ca. 300 Männer um einen handgefertigten Lederball (dem eigentlichen Ba', den man nur beim Einwurf sieht und dann nie wieder) streiten. Zwei Teams, Uppies (die Männer die östlich der St. Magnus Kathedrale geboren wurden) und die Doonies (die, die westlich der Kathedrale zur Welt kamen). Zwei Tore, das Hafenbecken für die Doonies (und die springen da tatsächlich rein!) und eine Hauswand für die Uppies. Wenn man diesen Pulk von Menschen sieht, zweifelt man an Fair Play oder das überhaupt jm. eine Ahnung hat wo sich der Ball befindet. Die Menschenmasse (und die dazugehörige Zuschauerzahl von ca. 2000 und mehr) bewegt sich langsam (aber man ist besser schnell sollte der spielende Pulk auf einen zukommen…) und kann schonmal in einer kleinen Gasse für Stunden (!!!) feststecken. Alles in allem, man muss es gesehen haben, um nicht nur den Kopf darüber zu schütteln. Ach ja, es gab vor Jahren auch einmal ein Women's Ba Game. Dieses wurde allerdings nach einmaligem Spielen eingestellt. Es war schlichtweg zu brutal…

Langsam beginnen Leute wieder auf die Insel zu kommen. Ein volles Haus bekommen wir um Ostern und das hält (hoffentlich) bis September an. An Deutschland 'verschwende' ich nicht arg viele Gedanken. Abgesehen von Freunden und Familie vermisse ich nichts (obwohl ich für das weihnachtliche Care-Paket mit Dominosteinen, Lebkuchen und Malzbier sehr dankbar war ;) ) und habe, indem ich meinem Herzen und meinen Träumen gefolgt bin, mehr Lebensqualität erhalten und neue Freunde und eine 'Ersatzfamilie' gefunden. Für soviel Glück bin ich mehr als dankbar. Es muss nicht jedem so gehen - aber wenn ich etwas gelernt habe, ist es schlicht und ergreifend glücklich zu sein. Wenn man es nicht ist, sollte man sich um Veränderung bemühen. Und da seinen Träumen zu folgen, wäre doch ein Beginn…

Anmerkung (1)
Wenn der "Wettbewerber" wirklich gut ist, dann darf man ihn auch einmal lobend erwähnen:
Bis Geos ist ein TRAUM!!!!! Ich bin echt spoilt bei Woodwick aber Bis Geos hat es fast übertroffen!!! Das Cottage ist einfach fantastisch, ein Blick, eine Sauna und mein neues Lieblingswort: Fussbodenheizung!!! Bis ins Detail durchdacht und nur das beste (deutsche Präzision ;-)). Die Jugendherberge ist nicht wirklich eine. 2 Bett Zimmer und fuer 8 Leute, 2 Duschen und 3 Toiletten. Und der Blick!!!! Das Conservatory ist einfach ... Ach, ich bin begeistert! War eine der besten Wochen EVER!!!!
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