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 Kultur Architektur & Kunst [ zurück ]
The Hill House
The Hill House am Ostrand von Helensburgh/Argyll gilt als Mackintoshs bedeutendste Architekturarbeit, die für einen privaten Auftraggeber ausgeführt wurde. Erbaut wurde es in den Jahren 1902 bis 1904 für den Glasgower Verleger und Freund Mackintoshs Robert Blackie.

Hill House ist aber weit mehr als nur ein interessanter Baukörper aus heimischem Sandstein hinter einer Rauhputzfassade: Es ist ein künstlerisches Gesamtwerk, bei dem Mackintosh und seine Mitstreiter der Glasgower Schule, namentlich Mackintoshs Frau Margaret Macdonald, Dank der Großzügigkeit des Bauherrn ihr gesamtes gestalterisches Vermögen einbringen konnten. Rennie Mackintosh selbst zeichnete in erster Linie verantwortlich für den Baukörper und die Gestaltung der Außenanlagen, zusammen mit seiner Frau entwarf er den größten Teil der Inneneinrichtung und des Mobiliars, Margaret Macdonald ihrerseits entwarf alle textilen Elemente von den Stoffbezügen bis zu den Vorhängen.

Wie kaum ein zweites Gebäude steht Hill House für Mackintoshs Verständnis von "Baukunst". Für ihn war es weniger künstlerisches Gestalten oder das kreative Lösen von konstruktiven Problemen, sondern für ihn war Bauen in erster Linie ein sozialer Prozess. An dessen Ende stand ein funktionales Kunstwerk, das voll und ganz den Wünschen und Bedürfnissen des Bauherrn entsprechen sollte.

Dabei war es selbstverständlich, dass sich im Zuge der funktionalen Optimierung die Gestalt des Objektes mehrfach wandelte. Dieser Gestaltwandel zeigt sich beim Hill House ganz deutlich.

copyright tsp/ws

Mackintoshs erster Entwurf zeigt zum Beispiel für die Westfassade eine vielfach gegliederte Giebel- und Dachlandschaft, die einem über lange Zeiträume zufällig gewachsenen mittelalterlichen Stadtbild nicht unähnlich ist. In der Realisierung sind alle Schrägen und geschwungenen Linien verschwunden, die Zahl der Giebel reduziert, es dominieren die Horizontalen und Vertikalen. Der Bau insgesamt wirkt kompakter - und moderner. Traditionelle Formen von Giebeln und Satteldach sind noch vorhanden, stehen jetzt aber in Kontrast zu kubistischen Formen,die auch aus der Feder eines späteren Bauhausarchitekten stammen könnten.

Offen bleibt für den heutigen Betrachter aber die Frage, wer hier wen oder was im Sinne der Moderne beeiflusste: Die Gestaltungsleistung des Architekten die Wohnvorstellungen des Bauherrn oder die funktionalen Wünsche des Bauherrn die gestalterische Umsetzung durch den Architekten. Bekannt ist nur eines: Als sich schon während der Hochbauarbeiten Familiennachwuchs in der Familie Blackie ankündigte, wurde ein ganzer Flügel des Hauses in seiner internen Struktur in ähnlicher Weise umgestaltet wurde, wie dies an den Fassadenbeispielen gezeigt werden kann: Mit Kinderzimmer, separatem Bad, Zimmer für das Kindermädchen usw. bis hin zur Verlegung eines Treppenhauses, um den Eltern einen Zugang auf kurzem Wege zu erleichtern.


(tsp/sr)
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