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Kultur Literatur & Dichtung |
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| Poet's Pub - George MacKay Brown (1921 - 1996) |
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The way we met...
The scene took place on that famous bench outside the old Harbour Office opposite The Fountain.
Relaxing in the bright of a mid July's sun there sat a young woman reading a book and an obviously elderly lanky man. He seemed to be sleeping - but from time to time, he woke up, sly looks at the woman than at the book.
After half an hour, he could not hold on: "What are you reading?"
Silence…
"The Orkneyinga Saga!"
Silence…
"Ahaa …"
Silence…
The conversation had reached its end … No!
Once disturbed in her studies she now asked him, "Do you know the book?"
Silence … a long time … little movements of his feet …
Then he whispered, "Ahaa … it's dedicated to me."
Der Sänger der Inseln
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Er, der ins "Who is Who" als seine Hobbies setzen ließ "Ale drinking and TV watching", war ein ganz Bescheidener.
Jahrelange Krankheit (TBC) hatte ihn nach relativ stürmischen Studienjahren in Edinburgh und Aberdeen so bescheiden werden lassen.
Andere feierten ihn als einen der bedeutendsten Poeten und Literaten Schottlands im 20. Jahrhundert.
Er war dankbar, dass ihm sein Heimat-County für den Anteil am frühen Ruhm der noch brotlosen Jahre dadurch dankte, dass |
es ihm eine günstige Sozialwohnung und - was ihm stets wichtiger war - die kostenlosen Kohlen für den immer brennenden Kamin stellte.
Der wirtschaftliche Erfolg stellte sich erst spät ein und zur Feier des Tages, machte er seine einzige, wirklich freiwillige Reise weg von seinen Inseln, den Orkney: Er begleitete die Fotografin Gunnie Moberg auf einer Fotoreise nach Shetland und auf die Färöer.
For the Islands I sing, so lautet der Originaltitel seiner Biographie und das war sein ganzes Programm. Er schrieb Sachbücher über die Geschichte und Kultur der Inseln,
er schrieb Romane über die Geschichte und Kultur der Inseln,
er schrieb Gedichte über die Geschichte und Kultur der Inseln,
sah sich dabei immer am Werk einer "Fortsetzung der mittelalterlichen Orkneyingasaga". Er wollte die "fehlenden" Kapitel schreiben: Über das Leben der Bauern und Fischer, der Kesselflicker, Schmiede, Seeleute, Händler und Handwerker. Er schrieb aber auch regelmäßig eine Kolumne im ORCADIAN, in der er den heutigen Mitmenschen einen manchmal liebevollen, dann aber auch schonungslosen Spiegel vorhielt.
Er schrieb nur für sie, also sprach auch mit ihrer Zunge. Eine manchmal schon brutal einfache, schlichte Sprache, die all jene, die seine Werke inzwischen in mehr als 30 Sprachen übersetzten, oft genug verzweifeln ließ. Das Lieblingswerk der Übersetzer: Six Lives of Fankle the Cat - ein Kinderbuch, für das sich bis jetzt noch kein Verleger im Ausland fand, das sie folglich vollkommen unbeschwert lesen und seine schlichte, kindgerechte Sprache einfach genießen können.
Deutsche Leser werden überrascht sein, wenn sie feststellen, dass er eines seiner Zentralthemen, die Auseinandersetzung mit kollektiver Macht, Machtmissbrauch und Gewalt einerseits, individuellem Fehlverhalten und menschlichen Unzulänglichkeiten andererseits wiederholt parallelisiert mit Szenen und Vorgängen aus der jüngsten deutschen Vergangenheit. Den heimtückischen Vetternmord am Norse Earl Magnus im gleichnamigen Roman etwa mit einer Szene in einem deutschen KZ, mit der der gläubige Christ und konvertierte Katholik Brown bewusst die Erinnerung an die Schicksale des Protestanten Bonhoeffer und anderer Geistlicher bewahrt sehen wollte.
Er war ein Querkopf. Nicht verwunderlich also, dass sein größter (kommerzieller) Erfolgt, der Roman Greenvoe, verbunden ist mit einem weiteren Tabu-Bruch: 40 Jahre nach den Vorgängen schildert er, wie nämlich die britische Miltitärmaschinerie einige Orkney-Inseln regelrecht plattgemacht und zubetoniert hat, beschreibt wie im Vorfeld der Zwangsevakuierungen mit geradezu "feindtypischen" Spitzelmethoden die Lage erkundet, die Bevölkerung ausspioniert und auf ihre Verwendbarkeit unter den neuen Rahmenbedingungen der Militärs hin selektiert wurde.
Der Sänger des AlltagsRackwick - das sind kein halbes Dutzend schlichter Cottages am Hang verstreut, hoch über dem breit ausladenden Gletschertal mit gleichnamigen Bach. Malerisch windschief und dick mit Efeu bewachsen stehen die einen, mit Wellblechplatten und Holzkisten abgedeckt, durch Reste von Fischernetzen scheinbar notdürftig zusammengehalten die anderen. Sommertags bietet sich von der Höhe ein faszinierender Blick über die kleine Bucht mit der hellen Sichel eines Kiesstrandes, der schon den Wikingern als beliebter Landeplatz galt, hinüber auf die Kliffs, mit denen die Insel Hoy an ihrer Westkante abbricht.
Es gibt einen kleinen, sehr kleinen Dorfladen und eine Telefonzelle am Ende der Nabelschnur, die das Dorf mit dem Rest der Welt verbindet. Wenn die wenigen Kinder des Dorfes tagsüber in der Schule weilen, dann sind die Katzen, die den Rastenden umschleichen - immer in der Hoffnung etwas vom Käse der Brotzeit zu erwischen - das Hektischste, auf das man in dieser Einöde trifft.
Nichts lässt einen Gedanken daran aufkommen, dass an diesem Ort einige der wichtigsten Kapitel der schottischen Kulturgeschichte des 20. Jahrhunderts geschrieben wurden. In eines dieser Cottages pflegte sich George McKay Brown zurückzuziehen, wenn ihm sein heimatliches Stromness zu laut, die Zwei-Zimmer-Sozialwohnung zu eng wurde. Hier auf der Höhe hielt er stumme Zwiesprache mit den Einhörnern, den vom Atlantik heranstürmenden Wolken. Im strohgeflochtenen Orkney Chair thronend blickte er hinab auf den dörflichen Mikrokosmos seiner Romanwelten.
Hier fand er alles, was seine Phantasie beflügelte. Die verwitterten Steine der Cottages, die polierten Kiesel im Bach und die Felsen vom Strand, das waren die Steine, die er in seinen Gedichten besang. Die Kinder und Katzen - gerade noch waren sie Studienobjekt, im nächsten Moment schon stille Zuhörer seiner Abzählverse, Reime und Geschichten über sie.
Einem nur war es erlaubt, den tiefgläubigen, konvertierten Katholiken hier in seinem Tempel zu stören. Dies war der auf Hoy wohnende Freund und Musiker Peter Maxwell-Davies. Stundenlang wanderten sie gemeinsam durch Hoy, hinüber zum Old Man, dem weitaus größeren Bruder von Helgolands Langer Anna. Durch den Ford of Hoy stapften sie hinüber zur alten Bu Farm, tranken am Pier von Moaness einen kräftigen Schluck Whisky mit dem Fährmann.
Peter übte sich im Komponieren, vertonte die ersten Gedichte von George. Später schrieb er hier die symfonische Dichtung An Orkney Wedding und seine Seven Songs for a Mad King. Früh brachten ihm seine Werke Anerkennung, den internationalen Durchbruch. Aus Peter Maxwell-Davies (von Freunden kurz Max genannt) wurde Sir Peter, einer der profiliertesten Vertreter moderner Orchestermusik Großbritanniens.
Gemeinsam entwickelten sie ihre Idee von einem eigenen Festival für moderne Musik und zeitgenössisches Theater. D.h. der introvertierte McKay Brown war wohl der geistige Vater, Maxwell-Davies mit seinen Beziehungen zur BBC brachte dann das Kind zur Welt und sorgte dafür, dass es überleben und sich gegen die großen Geschwister wie das Edinburgh Festival behaupten konnte. Seitdem wird im Juni eines jeden Jahres das mittelalterliche Gemäuer der Kathedrale von Kirkwall zur Experimentierbühne, auf der sich junge Komponisten, Autoren, Dramaturgen, Musiker und Schauspieler beweisen und ihre Feuertaufe vor kritischem Publikum in Jeans und Regenjacke bestehen müssen.
Kaum hatte dieses Kind das Laufen gelernt, zog sich McKay Brown wieder in die Einsamkeit seiner Berge zurück. Dem Frühwerk Greenvoe, das gespickt ist mit Hinweisen auf die Natur und Topografie des nördlichen Hoy, folgen im Laufe der Jahre weitere Romane: Magnus, Der goldene Vogel, Taugenichts und Dichtertraum, Weinland - um nur die zu nennen, die mittlerweile auch in deutscher Sprache verfügbar sind.
Neue Projekte werden aufgelegt. Mit dem tschechischen Fotografen Werner Forman gestaltet er eine reich bebilderte Länderkunde seiner Inselheimat. Vorlagen zu Dokumentarfilmen entstehen, Motive seiner Erzählungen münden in Spielfilme ein, darunter auch in den in deutschen Programmkinos erfolgreich gelaufenen Film Venus Peter. Die überaus fruchtbare Zusammenarbeit mit der aus Schweden stammenden Fotografin Gunnie Moberg führt zur Produktion einiger bibliophiler Kostbarkeiten wie den Gedicht- und Bildbänden Stones und dem posthum erschienen Orkney.
Für sein Frühwerk heimst er zahlreiche Preise ein, als Dichter und als Essayist. Leben kann er von seinem umfangreichen Werk aber nur mehr schlecht als recht. Die alternde Lisbeth schenkt ihm einen Orden - "a fine piece of metal work it is, really".
For the Islands I sing … nicht im Stile großer Opernarien, aber auch nicht verkitscht romantisierend als moderne "Küchenlieder". In der einfachen Sprache orkadischer Bauern und Fischer, den Alltag präzise beschreibend, in Worten die jeder kennt, in der Rhytmik tausendfach gemachter Bewegungen:
Shift a stone
Sink the spade
Turn the earth
Break granite
Blacken the spade
Slice a clod
Gather good stones
Brighten the steel
Open the clay.
Das ist präzise der Rhythmus, in dem ein kräftiger orkadischer Bauer seinen kleinen Garten umgräbt. Interpretation? Übersetzung? Möglich? Überflüssig?!
Der Sänger der Steine
Wer je das Original der STONE in den Händen hielt, spürt etwas von der ernsten Freude, mit der alle Beteiligten bei der Produktion zu Werke gegangen sind. Allen voran der Autor selbst, dann die Fotografin, aber auch die Setzer, Drucker und Buchbinder: Sie schufen kleine bibliophile Kostbarkeiten, einhundertfünfundzwanzig Exemplare, der Text im Handsatz abgesetzt und wie die im Kupfertiefdruck reproduzierten Bilder auf feinstem Bütten gedruckt, mit Goldschnitt und in Leder gebunden. Äußerlichkeiten zwar, die aber unübersehbar hinweisen auf den einmaligen Stellenwert der Gedichtsammlung im Schaffen George Mackay Browns.
Es waren die Jahre, in denen sich Mackay Browns Augenleiden zusehends verschlechterte, in denen für ihn lange Zeit nicht absehbar war, ob der unausweichlichen Operation ein nachhaltiger Erfolg beschieden sein würde. Rückblickend erscheint es darum so, als ob Brown die sechzehn orkadischen Steine, die er in diesem Gedichtband zusammengetrug, mit besonderer Sorfalt ausgewählt hat. So als wollte er sicherstellen, dass Art und Form eines jeden Steins ihn später an die jeweilige Farbnuance seiner orkadischen Heimat erinnern, für die sie stellvertretend stehen.
Gunnie Mobergs Fotos sind das Papier, in das die Steine vorsichtig eingepackt sind (Tatsächlich war die gesamte Produktion ja auch ein "Geschenkprojekt" zu Browns fünfundsechzigsten Geburtstag, auch wenn es erst ein Jahr später fertig wurde). Doch so wie Browns Gedichte mehr sind als eine neuerliche Aufnahme und Beschreibung seiner orkadischen Heimat, so leisten auch Mobergs Fotos weit mehr. Sie sind die kongeniale Ergänzung im Gesamtwerk: Wo immer Browns Sprache zu knapp, zu kantig und eckig, zu "männlich hart" zu werden droht, zeichnet sie mit runden, ausgeglichenen Formen den "weiblich weichen" Kontrast. Browns sich bewegende Bilder von heranstürmenden Sturzseen oder nur torkelnden Bienen treffen auf die Ruhe, die von ihren Motiven ausgeht, malt er mit wenigen gelben, grünen, blauen, goldenen oder silbernen Farbtupfern "ausgesprochen bunte" Bilder, reduziert sie sich auf den eingeschränkten Kanon der Erdfarben.
Drei große Reisen kann der Leser der sechzehn Gedichte auf einem Male unternehmen: Eine erste Reise führt auf typischen Touristenpfaden durch die orkadische Heimat des Dichters, zu den Stränden rund um seine Heimatstadt Stromness, zu den frühgeschichtlichen Denkmalen im Heart of Neolithic Orkney, dem Zentrum West-Mainlands und hinüber auf die Stromness vorgelagerte Insel Hoy. Die zweite Reise, eine Zeitreise, von den im Dunklen verborgenen Anfangstagen der Welt bis heute, von glücklichen Kindertagen bis an ein Lebensende.
Die dritte Reiseroute, die MacKay Brown vorschlägt, bringt den Leser zu wichtigen Stationen im Werk des Dichters und Schriftstellers, läßt die Wahl der Motive zur künstlerischen Autobiographie werden. Weit vorne rangierend The Masque, Titel eines Gedichtes wie der Titel des ersten Kapitels in Time in a Red Coat, dem von der Kritik hoch gelobten, vom breiten Publikum jedoch sehr zwiespältig aufgenommenen "Lieblingsroman". Thorfinn und Sophie, die Spätgefundenen aus Beside the Ocean of Time, bauen in Building the Croft House ihre Zukunft. Die Kinder, die da in Children at Play in the Ebb am Strand spielen oder auch nur ihren Gedanken nachhängen, die mit Glockenmündern lärmen wie in den Chören zur Stone Music, das sind seine kleinen, großen Lieblingshelden: Der verträumte, junge Titelheld des Magnus und die Flöte spielende Schicksalsbotin aus Time in a Red Coat einerseits, die singende, lachende, raufenden Brut der Alice Voar aus Greenvoe, die Schüler aus Six Lives of Fankle the Cat andererseits.
Kleine Kiesel oder große Brocken - George Mackay Browns Steine leben, so wie einst die in den Volksmärchen zu Steinkreisen und Ringen erstarrten Fiddler und Tänzer lebten: George Mackay Brown läßt sie reden und singen, mit ihresgleichen, mit Blumen und Tieren, auch mit uns Menschen. Ihre Berichte von Einzelschicksalen formieren sich begleitet von Trommeln und Flötenspiel zu Zeitläufen und kaum dass sich der Kreis im Tanz geschlossen hat, eröffnen sie einen neuen Reigen. Die vermeintlich tote Materie, sie lebt, gewinnt mit zunehmendem Alter sogar an perfekter Form und vielfältiger Farbenpracht, während der vermeintlichen Krone der Schöpfung nur das Schicksal bleibt, die Farbenpracht und Geschmeidigkeit der Jugend mit fortschreitendem Alter Stück für Stück abzulegen und wie die Füße der Alten in Time a Stone langsam zu erstarren. Sie kann den Schicksalsschlägen, die sie mit der Unausweichlichkeit wie der Monotonie des Wellenschlags treffen -
an old mouth
at a rock
an old mouth
at a rock
- nicht einmal über den Lauf nur eines Menschenlebens Stand halten. Ihr bleibt im Alter nur die Resignation, während der STEIN ACHT aus Numbering the Nethertoon Stones, vielleicht ein scharfkantiges Stück aus "Old Red", das da gerade vom Old Man oder einer anderen Klippe gefallen ist, gar nicht schnell genug altern kann, weiß er doch gewiß, dass es der Vollendung entgegengeht.
George Mackay Brown kommentiert seine Erkenntnisse eines langen Insulanerlebens mit einem kräftigen Schuss Witz und Ironie. Es sind nicht seine menschlichen Helden, die er am Schluss des Gedichtes Building the Croft House erleichtert aufatmen läßt, nein, die letzte Zeile, der letzte Blick auf das gelungene Werk gilt Sam, dem Ochsen, der sich wiederkauend wundert. Und was der brave schottische Bürger im britischen Reich vielleicht denken, aber nicht sagen darf, das legt er einem Stein in den Mund. So läßt denn STEIN SIEBEN in Numbering the Nethertoon Stones zwischen den Zeilen seines kleinen Verses die diebische Freude eines aufrechten Schotten aufblitzen, wenn er davon berichtet, wie mit den Dampfschiffen ALBION und SHAKESPEARE der ganze Stolz der viktorianisch-englischen "Leitkultur" an den Felsen der orkadischen Eilande scheitert.
An Elephant
oder der Dank einer Schülerin ...
Moonrise
An elephant in Orphir
rolls a silver ball
from trunk to tail.
Nach seinem Tod setzten ihm diejenigen, für die er sein Leben lang gesungen hatten, ein einmaliges Denkmal. An mehr als einem Dutzend Stellen verteilt über alle Inseln des Archipels, stellten die Orkadier auf schlichten Holztafeln kleine Gedichte in die Landschaft. Ihre Form der Danksagung, die belegt, dass seine "Botschaft" angekommen ist.
Weiterführende Informationen zu George MacKay Brown mit ausführlichen biographischen Daten, Werk- und Publikationsgeschichte usw. finden sich auf der Seite von Sue Tordoff - Es ist die bisher ausführlichste Informationsquelle zu George MacKay Brown.
Link: http://www.georgemackaybrown.co.uk/gmb/siteindex.htm.
(tsp/ws)
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