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Kultur Volkskunde |
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| Clan und Tartan |
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Kein zweiter Begriff wird so oft im Zusamenhang mit den Clans genannt wie der des Tartan, über kaum einen zweiten wird soviel spekuliert und, sagen wir einmal neutral: phantasiert, und als Konsequenz Unsinn verbreitet. Dies hat im Wesentlichen zwei Ursachen:
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die sehr dürftigen Informationen zur frühen Geschichte der Tartans |
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die Wiedererstehung der Tartans als politisch-kulturelles Symbol im |
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Zuge der schottischen Romantik des 19. Jahrhunderts mit dem anschließenden, bis heute andauernden kommerziellen Boom rund um alles "Tartanartige". |
Unbestritten ist, dass der schottische Tartan eines der ältesten Trachtenelemente in Europa ist. Schon römische Quellen berichten von ihm als prägendes Element schottischen Designs und schottischer Kleidung. Das älteste erhaltene Stück Tartangewebe ist gut 1700, vielleicht knapp 1800 Jahre alt. Es diente als Abdeckung eines Topfes, in dem der Schatz eines Haushalts aus knapp 2000 römischen Münzen verborgen war, die eine annähernd sichere Datierung erlauben. Der wichtigste Unterschied zu heutigen Tartans: Es wurde keine gefärbte Wolle verwandt sondern unterschiedlich farbene Naturwolle, wahrscheinlich von Soay Schafen, die damals noch in ganz Schottland verbreitet waren.
Tartan heißt eigentlich nur so viel wie Muster, genauer gesagt "Streifen-" oder "Karo-Muster", wie es auch im gälischen Begriff "Breacan" zum Ausdruck kommt. Im Unterschied zu einem rein zweifarbigen Karomuster (schwarz-weiß wie beim Schachbrett) besteht ein schottischer Tartan mindestens aus drei Farben. Die einfachsten, zugleich alten Tartans dürften dem alten MacGregor sehr nahe gekommen sein, wie er heute unter dem Handelsnamen "Rob Roy Tartan" im Umlauf ist. Die typische Webtechnik - der Schussfaden läuft immer unter-über-unter-über usw. zwei Kettfäden - erlaubt es dabei mit einfachsten Mitteln, unterschiedliche Felder in rot, schwarz und rot-schwarz zu erzeugen, je nachdem ob ein roter oder schwarzer Schussfaden benutzt wird.
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| Rob Roy MacGregor |
Doch von diesen alten Tartans, wie sie in Schottland über lange Zeit in Gebrauch waren, haben sich so gut wie keine Stoffproben erhalten. Die Gründe hierfür liegen im sogenannten "Kleidungserlass" der britischen Regierung, der des namentlich den Highländern in der Zeit nach den Jakobitenaufständen verbot, ihre traditionelle Kleidung zu tragen. Jüngste Untersuchungen von Historic Scotland an 46 der ältesten Tartanreste haben gezeigt, dass auch sie sämtlich zu den "modernen" Tartans zu rechnen sind: Zumindest ihre Farbgebung basiert auf importierten Farbstoffen aus Asien und Nordamerika bzw. auf frühen synthetischen Farben.
Entstanden sind die verschiedenartigen Musterkombinationen ursprünglich wohl als sogenannten District Tartans, d.h. einzelne Webereien versorgten ihren Einzugsbereich mit dem oder den typischen "Hausmustern". Diese in einzelnen Regionen populären Muster wurden dann von den in der Region lebenden Familien übernommen bzw. in häuslicher Produktion für den Eigenbedarf nachgeahmt: Es entstanden die Clantartans, die dann zu den Leitfarben der Oberbekleidung der ganzen Großfamilie wurden. Des Weiteren gibt es Differenzierungen nach der Funktion der jeweiligen Kleidung. Die bekanntesten sind die Dress-Tartans, so zu sagen die Farben der "Ausgehuniform" und die Hunting-Tartans, die in früherer Zeit im Allgemeinen wohl weniger das Aussehen der Jagd- als vielmehr das der Arbeits- oder Alltagskleidung bestimmt haben dürften.
Eine sehr frühe Differenzierung wird in den sogenannten "Chief-Tartans" gesehen, wenngleich es keine erhaltenen Belegstücke für sie gibt. Aus den Quellen ist lediglich bekannt, dass manche Chiefs insbesondere der sehr großen Clans für sich und ihre engste Familie leicht variierte Formen des Grundmusters benutzten. Unter echten Schotten gilt es als höchst peinlich (etwa als Tourist und Zuschauer bei irgendwelchen offiziellen Gatherings) sich zu vergreifen und in einem Kilt in den Farben des Chiefs aufzutreten, ohne zur engsten Familie zu gehören. Sehr junge Differenzierungen sind dagegen die sogenannten "Mourning-" und "Wedding-Tartans". Bei ihnen handelt es sich durchweg um moderne Designentwicklungen aus rein modischen und kommerziellen Gründen.
Schließlich gilt es noch zwei Sonderformen von Tartans zu betrachten, jene nämlich, die nicht vom gesetzlichen Bann betroffen waren, der das Tragen der Highlandkleidung nach 1746/47 verbot:
Die Royal-Tartans, Tartans, die mehr oder weniger der königlichen Familie vorbehalten sind. So gilt der von Bonnie Prince Charlie bekannt gewordene "Royal Stewart" heute allgemein als Clan-Tartan der königlichen Familie und ihn als Nicht-Familienangehöriger zu tragen, gilt als ebenso unschicklich bis unverschämt wie die Benutzung eine Chief-Tartans. Einige der annähernd zwei Dutzend Royal Tartans sind zumindest innerhalb des Vereinigten Königreiches gesetzlich geschützt. So darf z.B. eine bestimmte Variante des Balmoral-Tartan ohne Erlaubnis der Königin nur von zwei Personen getragen werden: Von ihr selbst und ihrem Piper - was gewisse Hersteller aber nicht hindert, sie im Ausland zu produzieren und in Umlauf zu bringen.
Schließlich sind da noch die Regimental-Tartans. Auch sie entstanden in ihren ältesten Formen ausgerechnet in der Zeit, als es Zivilisten verboten war, Kilts zu tragen und Tartans zu zeigen. Als charakteristische Uniformbestandteile in der Form von Kilts, Hosen oder etwa Mützenbändern dienten sie zur Kennzeichnung der nach 1745 ausgehobenen schottischen Regimenter der britischen Armee. Ohne diese militärische Tradition wären die Tartans wahrscheinlich vollends aus dem Bild des öffentlichen Lebens verschwunden und in Vergessenheit geraten.
Heute gibt es weit über 2500 Tartans, bei denen aber nur für gut zwei Dutzend historische Vorläufer begründet zu vermuten sind. Der Rest sind durchweg Neuentwicklungen der letzten 200 Jahre, sie entstanden fast ausnahmslos nach dem Besuch Georgs IV in Edinburgh und dem Boom, der auf Sir Walter Scotts Appell "Let every man wear his tartan!" folgte. Dass dabei sehr viel historische, gestalterische und kommerzielle Phantasie im Spiel war, belegen zahlreiche "Musterbücher" der ersten Stunden. Als dann Königin Viktoria ihre Vorliebe für alles Schottische im Allgemeinen und die Highlands im Besonderen entdeckte, schaffte der moderne Tartan den endgültigen Durchbruch als modisches Design. Ganz maßgeblich daran beteiligt war Viktorias Prinzgemahl, Albert von Sachsen-Coburg-Gotha, der selbst etliche Designs entwarf.
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| Coburg |
Aus seiner Feder stammt auch der Entwurf des "Coburg-Tartan". Als "District-Tartan Germany" dürfen ihn mit ausdrücklicher Billigung des Lord Lyon King of Arms, der auch in Sachen Tartans letztlich als oberster Traditionshüter fungiert, alle Deutschen tragen, die keiner schottischen Familie und keinem Clan angehören, aber ihre Sympathien für Schottland durch das Tragen eines Tartans bekunden möchten.
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| Franconian |
Rein theoretisch könnte ein Deutscher auch den gleichfalls als "District-Tartan Germany" registrierten "Franconian-Tartan" tragen. Nimmt man den Namen genau, sollte er aber entweder aus Franken stammen oder zumindest dem besagten Club von Whisky-Freunden angehören, die sich dies Design haben registrieren lassen.
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| Orkney |
Mit einigem Risiko, von echten Schotten für einen Ignoranten oder gar "Depp" gehalten zu werden, könnte man letztlich auf ein rein kommerzielles Design ausweichen, die es inzwischen dutzendfach gibt. Als schönste "Stilblüte" würde man zum Beispiel erscheinen, wenn man sich für den "Orkney-Tartan" entscheiden würde und als deutscher Tourist bei den Royal Highland Games in Balmoral mit einem Kilt in diesen Farben erscheinen würde: Dem "District-Tartan" eines der wenigen schottischen Distrikte, die in ihrer ganzen Geschichte nie den Tartan und die von ihm geprägte Oberbekleidung gekannt haben.
Wer aber - aus welchen Gründen auch immer - die Farben eines bestimmten Clans mit Fug und Recht tragen will (so wie dies einige deutsche Pipebands ja tun), der ist gut beraten, sich mit einem freundlichen Brief und höflicher Bitte an den zuständigen Clanchief zu wenden. Der begründeten Bitte wird in aller Regel entsprochen - und mit Brief und Siegel des Clanchiefs darf man sich dann vollkommen rechtens diesem Clans zugehörig fühlen.
(tsp/ws)
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