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Kultur Volkskunde |
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| Clans - Wer gehört zum Clan? |
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Der historische schottische Clan umfasst ganz verschiedene Personengruppen, die sich in zwei Hauptgruppen zusammenfassen lassen:
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native people |
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broken men |
Die Native People
Im Gegensatz zur irischen Clansystematik, die im wesentlichen nur die tribesmen (Stammesangehörige) und daneben eine vielschichtige Mischgruppe aus Sklaven, ausgestoßenen, meist kriminellen Elementen (outlaws) und Fremden samt ihren Nachkommen kennt, ist das schottische Clanwesen differenzierter entwickelt. So gehören hier zu den native people als eine Gruppe einerseits die engere Familie, d.h. der in der Manneslinie mit dem Chief direkt blutsverwandte Stamm, einschließlich der eingeheirateten Frauen und ihren Nachkommen. Eine zweite Gruppe bilden die Familien mit eingeheirateten Männern aus anderen Clans als Haushalts-/Familienvorstand, sowie all jene fremdstämmigen Familien mitsamt ihren Nachkommen, die vom Chief als seine Angehörigen adoptiert worden waren.
Der Unterschied zwischen beiden Gruppen besteht im Wesentlichen darin, in wie weit der Einzelne gegenüber dem Chief zu Gehorsam und Leistung verpflichtet war. Während die engere Familie immer und z.B. unabhängig vom konkreten Aufenthaltsort der einzelnen Person gegenüber dem Clanchief verpflichtet ist und seiner Disziplinargewalt untersteht, gilt dies für die Angehörigen der zweiten Gruppe nur, soweit sie sich dem Schutz des Clans unterstellt haben, innerhalb des Clanterritoriums wohnen und wirtschaften oder ihrerseits Leistungen des Clans wie Unterhalt oder Obdach empfangen.
Gedacht war diese Konstruktion ursprünglich wohl, um Konfliktpotentiale zu minimieren, eröffnet sie doch z.B. eingeheirateten Männern aus benachbarten Clans die Chance, sich im Krisenfall halbwegs neutral zu verhalten, vielleicht sogar als Vermittler zu fungieren. Die Geschichte zeigt jedoch, dass mit zunehmendem Verfall archaischer Stammesstrukturen und zunehmender Durchmischung der alten Clans als Folge von Einheirat das Konfliktpotential wuchs. Konfliktauslösendes Element war dabei fast immer der Streit rivalisierender Linien und Gruppen um die Vorherschaft innerhalb eines Clans (Chief-Würde) bzw. später auch um Reichs- oder Hofämter, soweit sich diese als erbliches Gut in den Händen einzelner Clans befanden.
Broken Men
"Brokin men", wie sie auf schottisch bezeichnet werden, sind ein klassisches Phänomen aller tribal societies. Sie erklären sich im Wesentlichen als Ergebnis von Auseinandersetzungen zwischen zwei Stämmen.
Gehen wir einmal von folgender Ausgangslage aus:
Clan MacEins kämpft gegen Clan MacZwei und siegt. Dann gibt es je nach Ausmaß des Vorgangs für den Clan MacZwei folgende Alternativen der zukünftigen Existenz:
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der besiegte Clan besteht zahlenmäßig reduziert, politisch |
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vielleicht entmachtet (und ggf. für eine gewisse Zeit unter Kontrolle von Clan MacEins) aber als unabhängiger Clan MacZwei fort.
Diese Variante war der weit überwiegend vorkommende Fall. In fast allen bekannten "Clanfehden" fanden die Auseinandersetzungen auf Familienebenen unterhalb des Clans statt, d.h. es stand Chieftain gegen Chieftain und nur selten nahmen die Verwicklungen ein Ausmaß an, dass dabei Chief gegen Chief stand. Hinzu kommt die Tatsache, dass es zumindest in der Spätzeit als Folge der tatsächlich bestehenden familialen Strukturen innerhalb eines Clans ein beachtliches Potential an denkbaren Vermittlern gab. |
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es gibt keine Überlebenden, Clan MacZwei hört auf zu existieren. |
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Diese Variante mag in der Frühzeit (bei vielen, aber zahlenmäßig kleinen Clans, die sich noch nicht in höheren Formen organisiert hatten) vorgekommen sein; aus historischer Zeit gibt es für solche Fälle keine Belege. |
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es gibt eine geringe Zahl Überlebender, ClanMacZwei ist aber so weit |
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in seiner Substanz geschädigt, dass er als Clan nicht mehr weiter existiert. Die Überlebenden organisieren sich unterhalb der rivalisierenden Stammesebene und leben darob als mehr oder weniger geduldete, weil wirtschaftlich und politisch unbedeutende Familien in den verbliebenen Restgebieten, nunmehr quasi "exterritorialen" Gebieten, zwischen den benachbarten Stämmen.
Diese Variante ist neben der "Entrechtung/Ausstoßung" aus einem Clan durch den dazu befugten Chief die klassische Ausgangslage für die Herausbildung von "outlaws".
Diese Variante ist mit Vorkommen belegt, aber weniger häufig als Ergebnis der Auseinandersetzungen zwischen verschiedenen Clans, sondern vielmehr als Ergebnis von Rivalitäten innerhalb einzelner Clans. |
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größere Gruppen von Überlebenden organisieren sich als funktionier- |
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ende Familien unterhalb der Stammesebene und schließen sich - ungeachtet dessen, was aus ihrem ehemaligen Stammesverbund weiterhin wird - dem siegreichen Stamm/Clan an. Sie erlangen i.d.R. keine sofortige Vollmitgliedschaft im neuen Stamm/Clan (sind also von bestimmten Ämtern und dazugehörigen Wahl-/Besetzungsverfahren ausgeschlossen), unterliegen dafür aber in familieninternen Angelegenheiten nicht der Gerichtsbarkeit des neuen Stammes-/Clan-Führers, sondern können diese nach ihren überkommenen eigenen Gesetzen regeln. Ansonsten sind sie rechtlich, wirtschaftlich und sozial voll in den neuen Stammesverbund integriert.
Diese Variante beinhaltet i.d.R. einen wie auch immer gearteten Status als "untouchables" innerhalb des neuen Stammesverbundes, bietet dadurch die Chance, dass diese Familien wieder einen eigenen Stammes-/Clanstatus begründen können. Je nach Clan und seiner "Hausgesetzte" wurde dieser Personenkreis aber auch mehr oder weniger häufig nach einigen Jahren Verweildauer von den Chiefs der Gastrecht gewährenden Clans adoptiert bzw. sie wurden nach einer gewissen Karenzzeit automatisch zu native people und damit zu vollwertigen Clanmitgliedern des aufnehmenden Clans.
Diese Variante ist dagegen als Standardvariante des Konfliktlösungsverhaltens, vor allem im Verhältnis zwischen großen und mächtigen Clans vielfach belegt (Gelnorchy Campbells als "ancient MacGregors" oder Clan MacDonalds of Ardnamurchan & Sunart als "ancient MacMacians"). |
Etliche Clans zerbrachen aber nicht durch Fremdeinwirkung, sondern auch als Ergebnis interner Streitereien. Als Folge gab es zu allen Zeiten mehr oder minder große Gruppen ungebundener/heimatloser Familien, die durch das Land zogen. Die Frage von Obdach und Schutz wurde für diese Splittergruppen (eben 'broken men') zum zentralen Problem. Zu größeren Konflikten kam es aber immer dann, wenn die in den Varianten c) und d) letztlich eingeschlossenen Integrationsbemühungen fehlschlugen, wenn die neu eingegangenen Bündnisse wieder auseinander brachen. Dann wurden die broken men zu einem echten Krisenfaktor. Ganz deutlich spürbar wird dies in den Gesetzgebungsaktivitäten gegen Ende des 16. Jahrhunderts (1584, 187 und 1594), die auf eine Befriedung der Highlands zielten und zu ihrer Umsetzung die Landlords und Chiefs, in deren Territorien broken men lebten, in die Pflicht nahmen. Die broken men sollten nicht weiter entrechtet, sondern gezielt in die Disziplin der Clans gezwungen werden.
Das Vorhaben misslang in weiten Teilen des Landes. Der Begriff der "brokin men" wurde in den Folgejahren zunehmend negativ belegt und wurde schließlich nach 1745 zum ausgesprochenen Schimpfwort, das alle Highlander einschloss.
(tsp/ws)
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