VisitScotland
Geschichte
Zeittafel
Geschichte in Themen
Berühmtheiten
Landeskunde
Allgemeines
Geologie
Geografie
Klima
Flora
Fauna
Bevölkerung
Wirtschaft
Soziales
Regionen
Allgemein
Süden
Inseln
Städte
Reise
Allgemeine Infos
An- und Einreise
Verkehrsmittel
Reise-ABC
Sehenswürdigkeiten
Touren
Impressionen
Fotografien
Reiseberichte
Letters from Scotland
Bild des Monats
Desktopbilder
Webcams
Kultur
Volkskunde
Sprache
Literatur & Dichtung
Musik
Architektur & Kunst
Sport
Kulinarisches
Touristisches
SchottlandCommunity
zum Forum
zum Fotoalbum
zum Chat
Shop
Allgemein
aktuelle Fernsehtipps
Veranstaltungskalender
Linkliste
News
Postkarten
Gästebuch
Partner
Statistik
Teach Scotland
Werbung
Newsletter
Sie möchten über Aktuali-
sierungen informiert wer-
den? Tragen Sie hier ihre
Emailadresse ein.
 Kultur Volkskunde [ zurück ]
The Fiery Cross
Der bei fast allen Schottlandfans bekannte Begriff des 'fiery cross' steht für eine der strittigsten Traditionen der Hochlandfamilen, der Clans. Strittig ist sie vom Grundsatz her, weil es praktisch keinerlei handfeste historische Belege für diese Tradition gibt. Strittig ist sie nach der Quellenlage aber auch hinsichtlich ihrer Funktion und konkreten Ausgestaltung. Strittig ist sie letztlich, weil der insbesondere in den USA immer noch mächtige Klu-Klux-Klan auf diese Tradition schottischen Ursprungs beruft und - so es sie als Tradition wirklich gab - sie im Rahmen seiner kriminellen Handlungen pervertierte und sich dabei ungeachtet des historischen Gehalts der Tradition nahezu ausschließlich auf die aus der schottischen Literatur bekannten Inhalte und Praktiken beruft.

Seriöse schottische Historiker lassen sich allenfalls zu solch vagen Aussagen verleiten: Fiery Cross - Cross charred and dipped in blood, traditionally used to muster a force in the Highlands, but there is little documentary evidence to authenticate it. Ein angekohltes und in Blut getauchtes Kreuz, das nach der Überlieferung im Hochland benutzt wurde, um Truppen auszuheben, für dessen Authentizität es aber kaum dokumentierte Belege gibt (Donaldson, G. & R.S. Morpeth: Dictionary of Scottish History).

Versucht man dem historischen Gehalt der Tradition nachzugehen, ergeben sich im einzelnen folgende Probleme:

Es gibt in der Tat nur einen halbwegs gesicherten Beleg für die Ver-
wendung des 'fiery cross' im gälisch geprägten Schottland. Außerhalb des gälischen Kulturkreises gibt es nur die 'bonfires' als Signal in den ehemaligen Wikingerterritorien.
Es gibt in der Überlieferung einzelner Clans Hinweise auf eine
Tradition des 'fiery cross' in historischer Zeit.
Es gibt eine vollkommen clanunabhängige Zuschreibung der Tradition
des 'fiery cross' an einen in Schottland erwiesenen "geheimen Bund".

Erschwerend kommen folgende Umstände hinzu:

Es gibt eine belegte irische Tradition des 'fiery cross' - und damit der
auch für andere Sachverhalte geltende Ansatzpunkt "was in einem gälischen Kulturkreis existierte, wird es wohl auch in einem zweiten gegeben haben".
Das 'fiery cross' in der literarischen Tradition der 'scottish romance',
insbesondere in der Interpretation und Ausgestaltung von Sir Walter Scott in "The Lady of the Lake".

Der halbwegs gesicherte historische Beleg
Historisch sicher ist der Beleg, insofern er nicht nur vage eine Tradition allgemein beschreibt, sondern die handelnde Person, Ort, Zeit und Umstände genau ausgewiesen sind. Die Einschränkung zu "halbwegs gesichert" muss erfolgen, weil der anonyme, schriftliche Bericht erst Jahre nach dem Ereignis aufgezeichnet wurde.

Die Rede ist von den 1640er Jahren, als der Marquis of Montrose in seiner Eigenschaft als königlicher Statthalter in Schottland gegen die Covenanter vorging und sich dabei irischer Hilfstruppen unter der Führung des Alasdair MacColla MacDonald bediente. MacColla alias Collkitto (ca. 1620 - 1647) war ein Ulster-Scot westschottischer Abstammung aus der Linie der MacDonald of the Isles, der unter den gegen ihn ausgehobenen Verbänden der Stewarts, Robertsons und Grahams für Montrose rekrutierte.

Die Quelle bezieht sich ausdrücklich auf die irische Tradition des 'fiery cross', für das sie auch den irischen Begriff des 'crann tara' und nicht den schottisch-gälischen Begriff 'crosh-tairie' bzw. 'crean tarigh' benutzt.
In diesem Zusammenhang ist eine Anmerkung nötig: (Fast) alles, was sich im Netz zur Person des MacColla findet, insbesondere wenn es mit dem Begriff der 'Wars of the Three Kingdoms' verbunden ist (wie sämtliche Beiträge dazu in der Wikipaedia), geht zurück auf die irisch geprägte Sichtweise der historischen Forschung zu schottischen Themen von David Stevenson und seines Umfeldes. Bei aller Exaktheit im Detail sind sie hinsichtlich der Schlussfolgerungen teils heftig umstritten ist (vgl. insbesondere sein Standardwerk Stevenson, D.: Alasdair MacColla and the Highland problem in the seventeenth century, 1980).

Außerhalb des gälischen Kulturkreises haben wir im nördlichen Schottland die 'bonfires' der Wikinger als gesicherte Tradition. Belegt sind sie etwa in der Saga-Literatur als Alarmzeichen in der Form einer Lichterkette von Shetland über Fair Isles, North Ronaldsay und Orkney Mainland bis hinunter nach Caithness: Große, weithin sichtbare Feuer auf den höchsten Hügeln oder extra erbauten 'beacons'. Hierbei zählte allerdings allein das Feuer, das Licht, ein wie auch immer geartetes Kreuz wäre unsinnig, weil über die Distanz ohnehin nicht zu erkennen gewesen.

Die Clan-Überlieferungen
Es gibt einige unbestimmte Überlieferungen schottischer Clans, die auf das 'fiery cross' Bezug nehmen (MacGregor, Fraser). Dabei ergeben sich allerdings einige Unterschiede sowohl zur o.g. "Quelle" irischer Tradition als auch zu gemeingebräuchlichen modernen Interpretationen des Sinngehalts:

das irische Kreuz brannte, das schottische war im Sinne der o.g.
Definition angekohlt;
das irische Kreuz wurde dem Feldherrn von Reitern im Sinne einer
Ankündigung "der Feldherr kommt" öffentlich vorangetragen, in der schottischen Tradition wurde es von Läufern als Geheimzeichen in einer Art Staffellauf durch das Clanterritorium getragen;
in der irischen Tradition ist nur der militärische Inhalt erkennbar
(Ankündigung des Feldherrn und Truppenaushebung), einige schottische Überlieferungen kennen neben der militärischen Bedeutung (Ruf zu den Waffen) auch zivile Inhalte wie die Einberufung von sonstigen Clan-Gatherings oder zu besonderen zivilen Anlässen wie etwa der Verkündung der Geburt eines Nachfolgers des Clanchiefs.

Daneben gibt es aber auch Clans insbesondere aus dem hohen Norden, die eine entsprechende historische Tradition für ihren Clan ausdrücklich zurückweisen, selbst wenn sie eine entsprechende Symbolik heutzutage gelegentlich nutzen (Gunn). Wenn es die Tradition also gab, dann war sie mit einiger Wahrscheinlichkeit keine "gemeinschottische" Tradition sondern gebunden an einzelne Clans bzw. einzelne Regionen.

Die zugeschriebene Tradition
Es gibt allerdings eine ganz andere, absolut clanunabhängige Zuschreibung der Tradition eines 'fiery cross', deren wissenschaftliche Erforschung (vorangig betrieben von den Historikern der Universität Aberdeen) noch nicht endgültig abgeschlossen ist. Diese Verbindung zielt auf die Society of the Horseman's Word, gelegentlich auch etwas mystifizierend als Ancient Order of the Horsemen bezeichnet. Die Existenz dieser "schottischen Pferdeflüsterer", einer als Geheimbund organisierten landwirtschaftlichen Elite aus Großgrundbesitzern und Farmarbeitern, gilt heute als gesichert.

Die Society läßt sich allgemein vom frühen 17. Jahrhundert bis in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts nachweisen, soll im heutigen Orkney sogar noch aktiv sein. Die Hauptverbreitungsgebiete in Schottland (Orkney, Teile von Aberdeenshire und Moray) sowie die Familien- und Standesgrenzen überschreitenden Organisationsprinzipien legen allerdings den Schluss nahe, dass es sich nicht um eine Erscheinungsform der "klassischen Highlandgesellschaft" handelt. Vielmehr sind die Wurzeln dafür eher in wikingerzeitlichen wenn nicht gar viel älteren protokeltisch-piktischen Traditionen zu suchen. Außerdem bleibt festzuhalten, dass es ganz ähnliche Gesellschaften auch auf englischem Boden, dort insbesondere in East Anglia und North Yorkshire (also wiederum auf "Wikinger-Territorium" im weitesten Sinne) gab.

Nach dem aktuellen Stand der Forschung besteht zwar eine entstehungsgeschichtliche Verbindung zwischen 'horsemen' schottischer Abstammung und den Gründungsvätern des Ku-Klux-Klan (so soll unbeschadet sonstiger Ableitungsmöglichkeiten der Name selbst auf einen Begriff im 'Aberdeen dialect' zurückgehen, der unter den 'horsemen' gebräuchlich war), eine Tradition des 'fiery cross' unter den 'horsemen' ist aber durch Nichts belegbar - was allerdings diese Kreise der us-amerikanischen Gesellschaft nicht daran hindert, diesen Unsinn auf hunderten von Websites mehr oder minder explizit zu verbreiten.

Auf beide - die 'horseman' und den KKK - Bezug nehmend stellt einer der führenden Anglisten des 20. Jahrhunderts. Rollin G. Osterweiss, fest: "Whatever their origin, the symbolism is obvious, the fiery cross for instance (in Gaelic the crosh-tairie), a symbol of resistance and coercion, is straight out of Scott's The Lady of the Lake ..."

Das Fiery Cross in der literarischen Tradition Schottlands
Es war kein geringerer als Sir Walter Scott, der sich die Rehabilitierung des Clan MacGregor zum Programm gemacht hatte. Er war bestens mit der Rechtsgeschichte rund um den Clan vertraut und hatte noch als "Referendar" (apprantice lawyer) in der Gegend von Balquhidder Augen- und Ohrenzeugen der Taten von Rob Roy einvernommen. Als Ergebnis publizierte er den Roman Rob Roy (1818), der den einst verfemten Titelhelden in den führenden Geschellschaftskreisen Schottlands und Englands nach und nach akzeptanzfähig machten, zumal Scott unter führenden Autoren der Zeit Nachahmer und Bewunderer für seine Arbeit fand (Rev. MacLeay, Wordsworth, Robert Louis Stevenson).

In "The Lady of the Lake", Scott's Lobgesang auf schottische Tugenden und Tradition, der seinen Durchbruch zum gefeierten Poeten nationaler Traditionen markiert, verankert Scott die Tradition des 'fiery cross' gleich mehrfach. Dabei spricht er die ganze Pallette von Inhalten an, unter denen die Tradition bis heute diskutiert wird. Im Einzelnen sind dies in:

Canto second, XXXVI: Die geheime und doch für Insider offensichtliche
Verbreitung.
Canto third, I: Das Kreuz als allgemeiner Kriegsruf.
Canto third, XVIII: Die Eigenschaften besonders ausgewählter und
dauerhafter Kuriere.
Canto fourth, II: Das Kreuz als Appell an einen einzelnen Krieger.

Mehr noch - Scott liefert parallel und außerhalb seines poetischen Werkes eine exakte Beschreibung dieser Tradition: "When a chieftain designed to summon his clan, upon any sudden or important emergency, he slew a goat, and making a cross of any light wood, seared its extremities in the fire, and extinguished them in the blood of the animal. This was called the Fiery Cross, also Crean Tarigh, or the Cross of Shame, because disobedience to what the symbol implied, inferred infamy. It was delivered to a swift and trusty messenger, who ran full speed with it to the next hamlet, where he presented it to the principal person, with a single word, implying the place of rendezvous. He who received the symbol was bound to send it forward, with equal despatch, to the next village; and thus it passed with incredible celerity through all the district which owed allegiance to the chief, and also among his allies and neighbours, if the danger was common to them. At sight of the Fiery Cross, every man, from sixteen years old to sixty, capable of bearing arms, was obliged instantly to repair, in his best arms and accoutrements, to the place of rendezvous. He who failed to appear suffered the extremities of fire and sword, which were emblematically denounced to the disobedient by the bloody and burnt marks upon this warlike signal. During the civil war of 1745-6, the Fiery Cross often made its circuit; and upon one occasion it passed through the whole district of Breadalbane, a tract of thirty-two miles, in three hours. The late Alexander Stewart, Esq., of Invernahyle, described to me his having sent round the Fiery Cross through the district of Appine, during the same commotion. The coast was threatened by a descent from two English frigates, and the flower of the young men were with the army of Prince Charles Edward, then in England; yet the summons was so effectual that even old age and childhood obeyed it; and a force was collected in a few hours, so numerous and so enthusiastic, that all attempt at the intended diversion upon the country of the absent warriors was in prudence abandoned, as desperate."

Die Szene, in der dann aber Benledi das 'cross of fire' erblickt, kommentierte Scott selbst folgendermaßen:
"Inspection of the provincial map of Perthshire, or any large map of Scotland, will trace the progress of the signal through the small district of lakes and mountains, which, in exercise of my imaginary chieftain, and which, at the period of my romance, was really occupied by a clan who claimed a descent from Alpine,-a clan the most unfortunate and most persecuted, but neither the least distinguished, least powerful, nor least brave of the tribes of the Gael."

Es ist ein Stoff, aus dem Legenden gemacht werden: Scott selbst kennt nur einen Gewährsmann für eine - historisch betrachtet - Nebenhandlung, schreibt sie einem imaginären Clanchief zu, den er zudem regional sehr begrenzt agieren läßt. Dieser Gewährsmann ist auch noch ein Angehöriger der Stewart of Appin, also eines jener Clans, unter denen Mac Colla rund 200 Jahre zuvor werbend aktiv war - hier könnte sich der Kreis missverständlicher Überlieferungen und Interpretationen schließen.

Den Rest besorgt der Zeitgeist. Was passt schöner in eine romantische Grundstimmung als ein wenig "Geheimbündelei"? Was auch immer die Tradition des 'fiery cross' im historischen Sinne war, Scott macht durch seine ramantisierende Dichtung aus ihr etwas, was sie jedenfalls in den Augen ernstzunehmender Historiker nie war: Aus dem 'fiery cross' als vermeintlich geheimes Notsignal wird das 'cross of fire', das als "Flammendes Kreuz" die schottischen Hügel krönt und zum Zeichen des Widerstands schlechterdings wird.


(tsp/ws/th)
Suche
News
US ambassador hits back at cardinal over Megrahi release
ONE of America's most senior diplomats ... [more]
Ugliest place in Scotland is . . . John o' Groatesque
THE name is known around the world, ... [more]
Concern for Scots jobs as BAe wields axe
FEARS about the safety of thousands ... [more]
Wetter
mehr Schottlandwetter

Werbung

Thistle of Argyll

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung
Impressum | Kontakt | Hinweis
© 2003 - 2009 by webdesign by s@ndkes & Team SchottlandPortal - All rights reserved