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Kultur Volkskunde |
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| Mac vs Mc ... |
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... oder der dauernde Streit um die Herkunft der Familiennamen.
Schottisch oder irisch oder englisch - das ist keine Frage! Daran ändert auch die Tatsache nichts, dass auf sehr vielen Websites und in anderen Publikationen immer wieder behauptet wird der Mac sei Schotte, der Mc sei Ire bzw. eine englische Verstümmelung eines ursprünglich schottischen Namens. Dies alles ist kompletter Unsinn, der sich weder sprachwissenschaftlich noch historisch belegen läßt.
Mac und Mc haben eine absolut deckungsgleiche, inhaltliche Bedeutung. Mc ist nichts anderes als eine Abkürzung von Mac (oder auch meic), nichts anderes als eine von mehreren Schreibweisen als da sind: Mac, M'c, Mc, M', Mc (mit zwei Punkten unter dem c) und andere mehr.
Hinsichtlich der Frage nach der irischen und/oder schottischen Herkunft der Familiennamen, gibt es lediglich eine historische wie sprachwissenschaftliche Gewissheit: Familiennamen mit dem O' (das inhaltlich dem Mac entspricht) wie im Namen O'Sullivan sind ausschließlich irischer Herkunft. Familiennamen mit Mac können unbeschadet der verschiedenen Schreibweisen irischen und/oder schottischen Ursprungs sein.
Der Sachverhalt läßt sich relativ problemlos lösen, wenn man die Entwicklung der altirischen Sprache und der Bildung von Familiennamen dort parallelisiert mit der Machtentfaltung und regionalen Verbreitung der führenden irischen Familien (insbesondere der O'Neill) bis hin zur Bildung des irischen Reiches Dalriada auf schottischem Boden und des sich danach einstellenden anderen Sprachgebrauchs im schottischen Gälisch.
Der irische Hintergrund: Könige und ihre Gefolgschaften
Bevor man sich mit den schottischen Familiennamen auseinandersetzt, sollte man einen Blick auf den Nachbarn Irland werfen, woher die in Schottland siedelnden Skoten der Westküste stammten.
Frühe irische Urkunden und rechtshistorische Texte kennen drei verschiedene hierarchische Ebenen der "Königs"herrschaft:
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den König einer einzelnen Gefolgschaft (rí túathe) |
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den König als Herrscher über mehrere Gefolgschaften (rí túath oder |
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auch ruire (ro aire)) |
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eine Art Großkönig als Herrscher über ein größeres Territorium (rí |
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ruirech oder auch rí cóicid, also den König über ein Fünftel, d.h. über eine der klassischen 5 Königsprovinzen Irlands wie Munster oder Leinster etc). |
Die ältesten irischen Familiennamen - und in ihrer Tradition stehend auch die ältesten schottischen Familiennamen - drücken immer ein Gefolgschaftsverhältnis zu einer herrschenden Person aus. Dazu muss man wissen, dass diese verschiedenen Stufen oder Grade der Königswürde rein rechtssystematischer Natur sind, auf deren Gehalt die Urkunden und Annale im Einzelfall nicht eingehen; sie sprechen immer nur vom rí, setzen beim Leser voraus, dass er die jeweils namentlich genannte Person in ihrer rechtlichen und politischen Stellung als Stammesfürst und/oder Territorialfürst richtig einordnen kann. Ein "Reichsamt" in Form eines Hochkönigs als Fürst aller Fürsten gab es zu dieser Zeit noch nicht. Diese politische Konzeption bildet sich erst unter dem Einfluss von Historikern aus dem 10. und 11. Jahrhundert, die auf diese Weise versuchten, den Anspruch der Úi Néill auf die Hochkönigswürde über ganz Irland zu begründen.
Der rí als Herrscher über nur eine Gefolgschaft, herrschte im Zweifel nur über eine einzige Großfamilie. Herrscher über mehrere Gefolgschaften herrschten über mehrere Großfamilien. Sehr große Familienverbände wie die irischen O'Néill konnten sich teilen (nördliche und südliche Familienlinie) und konnten so große Landstriche beherrschen. Je weiter sie ihren Machtbereich ausdehnten, desto mehr verdrängten sie die Namen der Ursprungsbevölkerung, an deren Stelle Familiennamen traten, die das neue Gefolgschaftsverhältnis ausdrückten.
Die Namensbestandteile irischer und schottischer Familiennamen
Die gängigen Familiennamen in der frühen historischen Zeit bestanden aus einem Teil, der ein Gefolgschaftsverhältnis ausdrückte. Ursprünglich war dies immer der König (rí), einerlei ob Stammes- oder Territorialfürst, in späterer Zeit dann auch nachrangige Oberherren neben den nachgeborenen Söhnen, Enkeln und Urenkeln der ursprünglichen Namensgeber.
Irische Gefolgschaftsbezeichnungen im Namensbestandteil:
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Dàl (vor 400), |
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Ùi (ab 400), |
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Cenél (etwa ab 500), |
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Clann (ab 10.Jh.), |
Schottische Gefolgschaftsbezeichnungen im Namensbestandteil:
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Cenél (ab 500) - genauer gesagt handelt es sich um die drei Cenél |
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nGabrain (Gabrain + 558), Cenél Loairn, Cenél nOengusa des irischen Königreiches Dalriada auf schottischem Boden |
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Clann (ab 11.Jh.) |
Auf schottischem Boden entstanden also keine Úi-Namen mehr, weil Schottland von Irland aus besiedelt wurde, als das Cenél-Regime bereits in Kraft war. Mit dem Aufkommen der Clann-Namensmuster entstehen dann in Schottland etwa zeitgleich die ersten Mac-Namen - mit den MacDuff als ersten.
Ursächlich dafür war der in beiden Ländern unterschiedliche Gebrauch der Ansprache des Königsnamens. Im alten Irland folgte sie dem Muster "Namen Sohn von X Sohn von X" etwa in der Form "Donald ua Donald", aus der dann der Familienname O'Donald entstand. Auf schottischem Boden folgte sie dem alternativen Muster der Namensbildung in der Form "Namen Sohn des Sohnes von X", also "Donald mac meic Donald", woraus dann aus der verkürzten Form der Königsansprache "Meic Donald" der Familienname MacDonald wurde. Diese Form gab es zwar auch in Irland, bildete dort aber im Gegensatz zu Schottland die Ausnahme, nicht den Regelfall.
Im 16. Jh. entsteht dann in Schottland und Irland wiederum etwa zeitgleich der Gefolgschaftsbegriff 'cinneadh', der in beiden Ländern die Phase der Bildung von Familiennamen als Ausdruck eines Gefolgschaftsverhältnisses mit einer Vielzahl von Mac-Mc-Namensvarianten abschließt.
Der zweite Namensbestandteil war immer ein Eigenname. In der Regel war dies eine historische Person (fast ausschließlich männlich und aus dem Mannesstamm), auf den sich der jeweilige Gefolgschaftsverband als "Stammvater" berief. Allein wenn man die Häufigkeit des Vorkommens einzelner Cenél aus dem 5. oder 6. Jahrhundert nimmt, wird schnell deutlich, dass es sich weder bei den Cenél Conaill aus dem nordirischen Zweig der Úi Néill noch bei den Cenél nOengusa aus dem schottischen Dalriada um allesamt leibliche Nachkommen der beiden Namensstifter handeln kann. Der Namen erstreckte sich zweifelsohne auch auf Gesinde und andere Abhängige.
Fazit
Trifft man heute in Schottland auf einen Namen mit dem Bestandteil O' so kann man sicher sein, dass die Familie der Person von irischer Abstammung ist. Mehr noch: Man kann nahezu sicher sein, dass die Familie im Zuge der Einwanderungswellen des 19. Jahrhunderts nach Schottland kam. Nur eine verschwindende Minderheit geht auf frühere Einwanderungen zurück.
Die Macs andererseits können schottischen oder irischen Ursprungs sein. Eine exakte Abgrenzung nur über den Namen ist nicht möglich. Lediglich für die Macs in der irischen Provinz Ulster gilt, dass sie mit relativ hoher Wahrscheinlichkeit schottischer Abstammung sind (Ulster-Scots), während ein alteingesessener Mac im Süden der Republik Irland wahrscheinlich originär irischer Abstammung ist. Rein zahlenmäßig ist ihr Vorkommen allerdings so gering, dass sie wohl kaum unter den irischen Einwanderern in Schottland nennenswerte Kontingente gestellt haben können. Von daher ist ein in Schottland lebender Mac mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch schottischer Abstammung.
Zwei Anmerkungen zum Schluss:
Die Bildung von Familiennamen mit dem Namensbestandteil Mac ist unbeschadet der Schreibweise allein auf Irland und Schottland begrenzt, im letzteren Fall auch nur auf den von der schottisch-gälischen Sprache geprägten Kulturraum. Deneben finden sich immer wieder einmal Hinweise darauf, dass der schottische Mac auch im piktischen Umfeld begründet sein kann. Als Beleg dafür wird auf die Ogham-Inschriften verwiesen, derer sich die Pikten in Anlehnung an skotische Formen bedienten. Von daher bleibt es bis heute offen, ob die gefundenen Schreibweisen MQ bzw. MQQ für das schottische Mac tatsächlich original piktischen Ursprungs sind oder durch die Vermittlung des "Schriftlieferanten", der Skoten Dalriadas entstanden.
(tsp/ws)
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