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Riding the Marches
Vielfach wird die Tradition der 'common ridings' als einzigartig für die Region der Scottish Borders beschrieben. Die Tatsache, dass diese Tradition außerhalb der Borders heute weitgehend aus den Veranstaltungskalender verschwunden ist, hat neben der andersartigen historischen Bedeutung einen ganz banalen Grund. Mit dem Verschwinden der Pferde aus der landwirtschaftlichen Produktion gab es vielerorts nicht mehr genügend Reittiere, um diese Grenzumritte aufrechterhalten zu können. So musste man sich in Langholm/Dumfriesshire, dem Ort mit der wohl längsten Tradition, Ende der 60er-Jahre des letzten Jahrhunderts die Pferde aus den Nachbargemeinden ausleihen. Auf Orkney (Kirkwall Ridings of the Marches) wurde der Grenzumritt Mitte der 80er-Jahre des letzten Jahrhunderts nach einigen Jahrzehnten Abstinenz von den mittlerweile überwiegend von Zuwanderern gegründeten und getragenen Reitervereinen wiederbelebt.

Historische Wurzeln
Die 'Riding the Marches', wörtlich das "Abreiten der Grenzgebiete", geht zurück auf Traditionen des 13. und 14. Jahrhunderts. Sie wurden insbesondere in den 'royal burghs', den königlich priviligierten Stadtgemeinschaften, zelebriert. Zu diesen Zeiten, in denen es weder Karten, noch Grenzbeschreibungen oder Grenzmarkierungen gab, verdeutlichte man der Bevölkerung einer Stadt die Grenzen des Gemeinwesens ganz einfach dadurch, dass alle Bewohner einmal jährlich gemeinsam die Grenzen abschritten. So machte man den eigenen Leuten wie auch den unter Umständen begierig auf das Land schauenden Nachbarn im positiven wie im negativen Sinne klar: "Bis hierhin und nicht weiter!" Überschritt man diese Grenze nach außen, verließ man den Schutzbereich der eigenen Gemeinschaft, drang man von außen über diese Linie vor, wurde dies als Angriff gewertet.

copyright Scottish Borders Tourist Office

Vor diesem Hintergrund wird auch schnell klar, warum sich diese Tradition in den Scottish Borders in besonderer Weise verfestigte. Zum einen war da der immer presente äußere Feind, der Nachbar England, zum anderen gab es in diesem oftmals von Kriegen heimgesuchten Grenzgebiet genügend innere Feinde: Ernteraub, Plünderungen und Viehdiebstahl standen unter den Nachbarn der Lowland Familien in diesen wirren und manchmal gesetzlosen Zeiten auf der Tagesordnung.

Als 'Common Ridings', wörtlich das "Abreiten der Gemeinbesitzflächen" (= Allmende), erfüllten sie daneben eine weitere Funktion, die wichtig für das geordnete Zusammenleben in einer mittelalterlichen Stadt- oder Dorfgemeinschaft war: Den Bewohnern wurde bei dieser Flächenbegehung veranschaulicht, was innerhalb der Gemeindefläche Privatbesitz war, was Gemeinbedarfsfläche, an der alle gleich Mitnutzungsrechte hatten (z.B. common grazing).

copyright Scottish Borders Tourist Office

In diesem Sinne waren die 'ridings' ganz pragmatische Instrumente mittelalterlicher Rechtspflege, die in hohem Maße die Identifikation der Bürger mit ihrem Gemeinwesen förderten. Schon in früher Zeit schloss sich dem förmlichen Rechtsakt darum ein "gemütliches Beisammensein" an, aus dem sich dann die Volksfeste späterer Tage entwickelten.

Common Ridings heute
Die Veranstaltungen finden durchweg im Zeitraum von Anfang Juni bis Ende Juli statt. Wichtigste Veranstaltungsorte sind neben den bereits genannten Langholm und Kirkwall die Borderstädte Selkirk, Hawick, Jedburgh, Melrose, Kelso, Duns, West Linton und Coldstream. In den kleineren Orten sind sie auf ein- oder zweitägige Veranstaltungen des eigentlichen Grenzumrittes beschränkt, namentlich in Selkirk und Hawick haben sie sich zu regelrechten Volksfestwochen entwickelt.

copyright Scottish Borders Tourist Office

copyright Scottish Borders Tourist Office

Allen gemeinsam ist der Grenzumritt, bei dem ein 'principal lass', ein ehrbarer Bürger aus dem Kreis der unverheirateten Männer, die Gemeindefahne auf traditionellen Wegen entlang der Gemeindegrenze umherträgt. Die Gemeindefahne wird dazu in einer eigenen Schau dem staunenden Volk präsentiert (Casting Colours) und in einer eigenen Zeremonie mit bunten Bändern geschmückt: Eine Tradition, die an die Hingabe eines bunten Tuches durch eine mittelalterliche Dame an ihren auserwählten Ritter erinnern soll. Beim Umritt wird dieser "Ehrenbürger" von unterschiedlich großen Gruppen zu Fuß und zu Pferde begleitet. Selkirk reklamiert dabei für sich, die größte berittene Versammlung der Britischen Inseln, wenn nicht gar Europas, auf die Beine zu stellen.

An den Tagen drumherum herrscht Jahrmarktsstimmung mit einem bunten Programm, bei dem in zunehmenden Maße auch andere Kulturtraditionen gepflegt werden: Konzertveranstaltungen mit klassischer Volksmusik neben weiteren Ausritten und Vorführungen traditioneller Sportarten ... in dieser Form den bekannteren Highland Games nicht unähnlich.


(tsp/ws)
Das Team Schottlandportal dankt dem Scottish Borders Tourist Office für die freundliche Bereitstellung der Fotos.
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