|
|
|
 |
Geschichte |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Landeskunde |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Regionen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Reise |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Impressionen |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Kultur |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
SchottlandCommunity |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Allgemein |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Newsletter |
|
|
|
|
|
 |
Sie möchten über Aktuali- |
|
sierungen informiert wer- |
|
den? Tragen Sie hier ihre |
|
Emailadresse ein. |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Kultur Volkskunde |
[ zurück ] |
|
| South Ronaldsay Boys' Ploughing Match and the ancient Festival of the Horse |
|
Einmal im Jahr gerät eine ansonsten eher verträumte Inselgemeinde - um nicht zu sagen eine der hintersten Ecken dieser Welt - in helle Aufregung. Väter tauchen ab in allerlei Schuppen und Kellerwerkstätten, Mütter in Schränke und Schubladen. Sie bereiten sich vor auf ein Fest, dass in dieser Form einmalig auf der Welt ist.
So wie das Fest heute jeweils am dritten Samstag im August auf der Orkney-Insel South Ronaldsay gefeiert wird, geht es zurück auf eine Tradition, die auf die Zeit um 1800 und die Jahre davor weist. Das genaue Datum der ersten Veranstaltung ist jedoch nicht überliefert. Doch die Ursprünge gehen wohl noch weiter zurück, wie der ursprüngliche Veranstaltungstermin zum Osterfest vermuten lässt.
Bis es soweit ist, haben die Jungen unzählige Trainigsstunden begleitet von den klugen Ratschlägen der Väter, Großväter und Onkel geleistet, wurden den Mädchen dutzende Male von Großmüttern, Müttern und Tanten Maß genommen und immer wieder probeweise in die Kostüme gesteckt. Der Trost für die Kinder: Die Schule spielt in den letzten zwei, drei Wochen vor dem großen Tag nur eine untergeordnete Rolle - zumindest in St Margaret's Hope und Umgebung.
Stattdessen werden Miniatur-Metallpflüge geschliffen und neu gestrichen, Metallknöpfe werden poliert, bunte Bänder aufgebügelt und wenn nötig neu befestigt, bis die Kinder und Jugendlichen bereit sind, zum Wettbewerb anzutreten. Vor ihnen liegt der vielleicht wichtigste Tag im ansonsten nicht sehr aufregenden Veranstaltungskalender von South Ronaldsay. Wir reden vom 'South Ronaldsay Boys' Ploughing Match and the ancient Festival of the Horse'. Für einige wenige wird es zum wichtigsten Tag im Leben, andere machen zum ersten Mal ernsthaft Erfahrungen mit dem Gefühl einer "vernichtenden Niederlage" und werden lernen, damit zu leben.
In den Wirren Zeiten des 2. Weltkrieges wäre das Fest beinahe in Vergessenheit geraten, hätte nicht 1949 der Bank Manager Norman Williamson beschlossen, eine Wiederbelebung der Tradition zu wagen. Bis zu diesem Zeitpunkt war es ein reines Jungenfest: Die jüngeren gestalteten zumeist den Kostümwettbewerb "der Pferde" (herausgeputzt mit Staffagen, die den Festschmuck der Clydesdale Pferde bei den großen Landwirtschaftsschauen nachempfanden), während sich ihre größeren Brüder der Meisterschaft im Pflügen widmeten. Seit dem Jahr der Erneuerung des Wettbewerbs dürfen auch Mädchen teilnehmen - allerdings nur am Kostümwettbewerb.
Ansonsten blieben die Regeln unverändert: Teilnehmen darf jedes Kind, das auf der einstigen Insel South Ronaldsay lebt, außerdem unabhängig vom Wohnort jedes andere Kind, das einen Verwandten vorweisen kann, der in früheren Jahren schon einmal an dem Wettbewerb teilgenommen hat. Das hält einerseits den potentiellen Teilnehmerkreis überschaubar, forciert andererseits den Wettbewerb: Die Familienehre steht im wahrsten Sinne des Wortes auf dem Spiel - denn das ist es für die Kinder in letzter Konsequenz immer noch, währen bei zuschauenden Eltern und Großeltern, Onkeln und Tanten manchmal schon bedrohliche Spitzenwerte erreicht.
In den Anfangstagen wurde der Wettbewerb noch mit richtigen Pflügen auf einem richtigen Acker ausgetragen, und die "Pferde" mussten - dazu gibt es Hinweise zu ähnlichen Veranstaltungen in anderen Orkney-Gemeinden - die Pflüge auch noch selber ziehen. Die Pflüge waren einfache Konstruktionen aus ein oder zwei Stöcken mit einer Ochsenklaue oder einem Pferdehuf als Pflug. 1920 fertigte der Dorfschmied Bill Hourston erstmals eine exakte Kopie eines handelsüblichen metallenen Pfluges und fand rasch Nachahmer. In diesen Tagen wurde auch der Veranstaltungsort auf den gerade bei Ebbe trocken gefallenen Strand der Sands o'Wright verlegt - nicht unbedingt zum Vorteil der Wettstreiter, denn der feuchte Sand erfordert ein Höchstmaß an Präzision und Konzentration, wenn das Werk vor den Augen der kritischen Juroren Bestand haben soll.
 |
| Die jüngsten Meister des Pfluges warten auf die Preisrichter. |
Diese Miniaturpflüge gehören ebenso zum "Familienschatz" wie die Kostüme, die von Generation zu Generation weitergegeben werden. Die Pflugschare werden jährlich nachgeschliffen und poliert, die Gestänge Farbschicht um Farbschicht neu gestrichen. Die Kostüme bestehend aus einer Jacke mit breitem Kragen (der die Krumme vertritt), mit Hut, Gürtel (Geschirr) und Beindekoration werden Jahr für Jahr ergänzt und modifiziert und haben in ihrer Farbenpracht heute nichts mehr gemein mit den durch Bänder und blanken Köpfen verzierten Sonntagsanzügen der Jungen von vor 100 Jahren.
Die Veranstaltung beginnt damit, dass sich die "Pferde" auf einem kleinen Platz zwischen der Gemeindeverwaltung und der ehemaligen Dorfschmiede den Juroren präsentieren: Dies ist das 'Festival of the Horses'.
 |
| Stolze Mutter, stolzer großer Bruder und zwei etwas mürrische kleine Pferde ... |
Vor dem eigentlichen 'Ploughing Match' hat die (nennen wir sie einmal so) technische Kommission das Sagen. Sie bewertet den technischen Zustand der Pflüge, die zum Einsatz kommen sollen, in zwei Kategorien je nachdem ob es sich um Holzrahmen- oder Eisenrahmen-Konstruktionen handelt.
Dann begibt sich der ganze Festzug hinaus zu den Sands o'Wright, wo kurz nach Eintritt der Ebbe im feuchten Sand der eigentliche pflugtechnische Wettbewerb stattfindet. Hier wählt jeder Teilnehmer in einem fest abgesteckten Areal seinen Platz (flat) von 4 x 5 Fuß, den er dann mit seinem ganzen Geschick bearbeiten muss. Fängt er zu früh an, ist der Sand vielleicht noch zu feucht, er kommt ins Stocken, die Furche wird nicht exakt; fängt er zu spät an, ist der Sand durch den Wind unter Umständen zu stark abgetrocknet und die Furchen bröseln dahin ...
Insgesamt bleiben den Teilnehmer 45 Minuten, um eine ebenmäßige Furche nach der anderen zu ziehen, solange bis das "Feld" bestellt ist. Hilfen sind nicht erlaubt, Großvätern, Vätern und Onkeln bleibt nur der oftmals verzweifelte Blick auf das Werk der Sprößlinge ... oder mit etwas Glück der Blick auf die keineswegs bessere Leistung des Nachbarsohnes ...
Zum Ende haben wieder die Juroren das Sagen. Zum Schluss des Tages erfolgt dann die große Preisverleihung: Für die drei schönsten Pferde, die Besitzer der besten Holzpflüge, die Besitzer der besten Metallpflüge, die besten Furchenzieher ... alles in drei Leistungsklassen, die 'under 8s', die 'ordinaries' und die 'Champions' und die jeweils absolut jüngsten Teilnehmer in beiden Wettbewerben bekommen eh einen Sonderpreis. Bei rund 20 Teilnehmern und Teilnehmerinnen pro Jahr bekommt also fast jeder etwas und alle sind zufrieden und freuen sich auf die Chance zur Verbesserung oder die Chance zur Revanche im nächsten Jahr.
(tsp/ws)
|
|
|
|
|
 |
Suche |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
News |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
 |
Wetter |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Werbung
Werbung
Werbung
|