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Scottish Sheepdog
Scottish Sheepdog oder Border Collie? - Umgangssprachlich stehen die beiden Begriffe nahezu synomyn nebeneinander. In der Tat ist es so, dass unter den Scottish Sheepdog collieartige Hunde den weitaus größten Anteil haben.

Wie bei vielen Zuchtrassen, die noch entsprechend ihrer ursprünglichen Zweckbestimmung eingesetzt werden, variieren die Zuchtstandards je nachdem, welcher bei den Züchtern und ihren Verbänden im Vordergrund steht. Bezüglich der hier zu diskutierenden Hunderasse lauten dementsprechend die Fragen: Soll der Hund seine Aufgaben als Gebrauchshund, als Hütehund, bestmöglich erfüllen können oder soll er losgelöst von der ursprünglichen Verwendung einem vorgegebenen "Schönheitsideal" möglichst perfekt entsprechen?

In letzterem Sinne wurden aus den Scottish Sheepdog im Laufe der letzten Jahre die verschiedenen Zuchtlinien der Border Collies entwickelt. In diesem Sinne ist der Border Collie eine von der Fédération Cynologique Internationale (FCI) anerkannte Rasse (FCI Nr. 297, Gr. 1, Sek. 1) von Arbeits- und Hütehunden aus Schottland.

copyright tsp/ws
Sheepdog im Training

Dabei gibt es zwei verschiedene Tests (oder 'Standards'), um die Zuchtqualität eines Scottish Sheepdog/Border Collies zu bewerten. Die ursprünglichen Tests waren die Hütehundeprüfungen (sheepdog trials) der International Sheep Dog Society (ISDS), die mit gewissen regionalen (landschaftstypischen) Unterschieden insgesamt doch auf die Abarbeitung eines "standardisierten Katalogs" von Arbeitsaufgaben hinauslaufen: Zusammentreiben der Tiere, Marschtrieb, Isolierung von einzelnen Tieren, Umgehung von Hindernissen, Einbringen in den Stall/Pferch u.ä., wobei der Hundeführer nur aus der Distanz und im Notfall lenkend eingreifen soll/darf.

Die damit unter Beweis gestellte "Arbeitsfähigkeit" als Sheepdog war bis vor gar nicht einmal langer Zeit das einzige Qualitätskriterium in der Zucht. Im Ergebnis zeigte sie einen Hund sehr vielseitigen Aussehens, durchweg aber mit unglaublichen Eigenschaften und Fähigkeiten hinsichtlich Athletik, Ausdauer, Konzentriertheit, Lernwillig- und Lernfähigkeit.

Fast in der ganzen Welt wird der Border Collie heute aber auch als Rassehund gezüchtet, dessen Erscheinung sich allein daran orientiert, wie der Hund als Border Collie typischerweise aussehen sollte. Die längste Tradition mit solchen "confirmation-bred dogs" haben Neuseeland und Australien, zugleich die Länder, in denen der Border Collie in recht ursprünglicher Form gezüchtet wird. Ursprünglich heißt hier etwa hinsichtlich des Felles: Mit deutlicher Mähne und "double coated", d.h. ein langes, eher glattes Oberfell mit einer sehr dichten Unterwolle, wodurch der Hund einerseits wetterfester und insgesamt weniger anfällig wird, dafür gelegentlich etwas struppig aussieht. In fast allen anderen Zuchtgebieten einschließlich Großbritannien wurde der "double coat" dagegen zugunsten eines einfachen, langhaarigen und glatten Felles weggezüchtet. Ansonsten wurden die Merkmale des ozeanischen Typs für die Anfänge der systematischen Zucht ab den 1970er-Jahren zu Erfolgsgaranten bei den "ring and bench shows" weltweit: Weiche, dunkle Augen, überwiegend schwarz-weiß geschecktes Fell (wobei heute bei Augen- und Fellfarben fast alle Varianten möglich sind), der Rumpf etwas länger als hoch, einen ausgesprägten "Hab-Acht-Stand" sowie ein wacher, zugleich freundlicher Gesichtsausdruck. Über die Einhaltung dieser Standards wachen die sogenannten "Kennel Clubs" (KC), bei denen die entsprechenden Zuchtregister geführt werden.

copyright Martina Cross
Ein geradezu "klassischer" Scottisch Sheepdog: Hellwach und mit schöner Mähne

Grunsätzlich ist es möglich, dass ein Hund beiden Standards genügen kann. In der Praxis wird man jedoch selten einen Arbeitshund finden, der zugleich ein Show-Champion ist, weil er in der Regel keine Abstammung nachweisen kann, die den Ansprüchen der Kennel Clubs genügt. Umgekehrt hat ein nach diesen Standards gezüchteter Border Collie kaum Chancen, sich bei einer umfassenden Leistungsprüfung als Arbeitstier erfolgreich durchzusetzen. Ungeachtet dessen sieht man aber Border Collies verschiedenster Abstammung sehr oft und sehr erfolgreich bei Vorführungen wie Geschicklickkeits- und Beweglichkeitswettbewerben (Agilities), bei denen es allein auf die Fähigkeiten der Tieren aber nicht zwingend auf ihre Abstammung ankommt.

Den unterschiedlichen Anforderungsprofilen entsprechend gibt es im Vereinigten Königreich zwei verschiedene Möglichkeiten der Registrierung von Zuchttieren. Die weitaus ältere, allein nach Leistung gehende Registrierung bei der ISDS, die ausdrücklich keine Vorgaben nach den üblichen Rassemerkmalen macht und die an eben solchen Rassemerkmalen orientierte Registrierung des Kennel Club. Ein ISDS registriertes Tier kann zugleich in den Zuchtregistern der KCs verzeichnet sein. Umgekehrt ist ein als Rassehund registrierter Border Collie nicht automatisch bei der ISDS registrierungsfähig. Die einzige Chance, doch als Zuchttier der ISDS registriert werden zu können, liegt für ein solches Tier (wie übrigens für jeden anderen Hund ungeachtet seiner Rasse und Abstammung auch) in der "Registrierung ehrenhalber", der 'registry of merit' (ROM) - d.h., er muss einmal als Champion aus einem 'Sheepdog trial' auf höchstem (nationalen oder internationalen) Niveau hervorgegangen sein.

Worüber sich aber alle im Klaren sein sollten, die sich mit dem Gedanken tragen, einen Border Collie zu halten: Die Tiere sind noch so von den Merkmalen eines Arbeitstieres geprägt, so voller Bewegungsdrang, dass sie täglich "ausgearbeitet" werden sollten. Täglich längere Spaziergänge, bei denen der Hund möglichst frei laufen können muss, sind eine Mindestanforderung. Voraussetzung dafür wiederum ist ein erfolgreiches Gehorsamstraining. Ansonsten wird auch der friedfertigste Border Collie schon einmal "zickig", nicht zwingend "bissig", aber ungehorsam und zum Streuner, der auf der Suche nach Beschäftigung Nachbars Hund oder Katze durch die Gegend scheucht. Bei der artgerechten Haltung eines nicht rassereinen Sheepdog ist dies Risiko übrigens geringer als bei einem Rassehund - ganz einfach aufgrund der Tatsache, dass Tiere, die zu einem deratigen Verhalten neigen, etwa von der Farm flüchten und im Gelände Schafe jagen, von den Farmern selbst aussortiert werden. Im Klartext: Sie werden erschossen, so dass sich solche unerwünschten Verhaltensweisen nicht weiter über die Zucht verbreiten können.


(tsp/ws)
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