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 Landeskunde Flora [ zurück ]
Die Flora Schottlands - Vegetation
Auf der Suche nach den Faktoren, die das natürliche Vegetationskleid Schottlands bestimmen, muss man folgende Aspekte berücksichtigen:

Windexposition,
Relief,
Niederschlag,
Klimaveränderungen,
Landschaftsgebrauch,

wobei den Faktoren zu unterschiedlichen Zeiten wechselnde Bedeutung zukam.

Starke Winde hat es in Schottland und zu allen Zeiten gegeben. Auf den Western und Northern Isles waren die Verhältnisse wohl immer so, dass ein Heranwachsen größerer Bäume oder gar Wälder unmöglich war. Ähnliches gilt wohl auch für die Luv-Seiten (die dem Wind zugewandte Seiten) der nordschottischen Gebirge.

Bei kühlgemäßigten Verhältnissen mit geringen jahreszeitlichen Temperaturunterschieden wirkt sich die Topographie, insbesondere die Höhenstufung besonders deutlich aus. Dies führt z.B. dazu, dass wir auf Orkney und Shetland in 200 bis 300 Metern Höhe eine fast schon subalpine, subarktische Vegetation finden, für die man auf gleicher geohraphischer Breite (etwa in Norwegen) gut und gerne 1000 Meter höher klettern muss. Auf dem Festlandsteil Schottland zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Luv- und Leelagen der Gebirge und ein rascher Vegetationswechsel von kleinräumig geschützten Tallagen und Hochflächen.

Hohe Niederschläge erschweren einerseits den Pollenflug und damit die natürliche Ausbreitung von Vegetation. Andererseits führen sie zur Vernässung der Böden, wodurch das Pflanzenwachstum vieler Arten, die aufgrund der anderen Faktoren noch gut wachsen würden, beeinträchtigt wird. Gefördert wird das Wachstum feuchtigkeitsliebender Pflanzen, wodurch sich der Flechtenreichtum schottischer Wälder ebenso erklärt wie die Verbreitung von Moosen aller Art. Diese wiederum bilden die Grundlage der zahlreichen Moore in den Highlands.

Natürliche Klimaveränderungen beeinflussen die Vegetationsbildung ganz nachhaltig. So erreichte in der nacheiszeitlichen Warmzeit des Boreals, der natürliche Wald seine größte Verbreitung, Eichen-Mischwälder reichten bis nach Sutherland hinauf. Der Waldanteil war um ein Vielfaches höher als heute. Schottland war bis in die Höhenlagen von über 500 m relativ dicht bewaldet. Manche rechnen sogar bis in Höhen von rund 600m, was einem Waldanteil von bis zu 70% entsprechen würde.

Größter Veränderer der natürlichen Vegetation und des Landschaftsbildes war allerdings auch hier in Schottland der Mensch. Das fängt mit den Brandrodungen früher Bauerngesellschaften an, setzt sich über Bauholz- und Brennholzeinschläge des Mittelalters fort. Es folgten die Highland Clearances mit Rodungen, die aber insgesamt gesehen weniger entscheidend waren als die nachfolgenden Veränderungen durch Viehverbiss - Schafe aber auch Rotwild, das zu Jagdzwecken in großen Highland-Revieren gehegt wurde. Die für den Touristen sichtbarsten Eingriffe erfolgten aber durch die Aufforstungsprogramme der letzten Jahrzehnte. Der Waldanteil etwa war seit dem Boreal auf weniger als 5% Anteil an der Fläche gesunken. Durch gezielte Anpflanzungen in den letzten 50 Jahren stieg er dann wieder auf annähernd 25%.

Durch all diese Einflüße wurde die natürliche Vegetation auf ganz wenige Restflächen zurückgedrängt. Die größten zusammenhängenden Areale finden sich heute im Glen More, in den Küstenebenen von Caithness, in Höhenlagen über 800 Meter, auf den Inseln des Nordens und Westens sowie - allerdings stark durch menschliches Einwirken überformt - in einigen Eichen-Mischwaldkomplexes im Süden und Südwesten: Versteckt im Galloway Forest Park, der zusammen mit dem Border Forst Park die größten zusammenhängenden Waldgebiete darstellt.

Verlassen wir die Waldgebiete, namentlich die Südschottlands, läßt sich die derzeitige Vegetation Schottlands am besten parallel zur Höhenschichtung darstellen. Die gängige Literatur unterscheidet dabei fünf typische Höhenstufen:

Eichen- bzw. Eichenmischwaldstufe
Großflächig in den Lowlands sowie in den westlichen und östlichen Küstenbereichen anschließend an die Uplands; kleinere Vorkommen in den östlichen Highlands.
Kleinräumige Einsprengsel von Naturwaldresten. Intensive Aufforstungen.
Landwirtschaftliche Intensivnutzung in den Küstengebieten, Viehwirtschaft (Milchrinder und Schafe) auf Dauergrünland in den Uplands und östlichen Grampians.
Kiefern-Birkenwaldstufe
Unter extrem günstigen Standortbedingungen bis auf 600m Höhe vordringend.
Kerngebiet in den mittleren Höhenlagen der Grampians. Der ehemalige Naturwald ist fast vollständig von Heide (Zwergstrauchheide) verdrängt.
Im Wechsel mit "Rough Grazing Land" auf Naturgraslandschaften mit Schafzucht und sog. Heidemooren auf recht sauren Böden.
Zwergstrauch-Heiden- und Moorstufe
Typisch für die Northern Highlands und viele Inseln, vor allem der Western Isles, wo diese Formationen bis auf Meereshöhe hinabreichen können.
An die Stelle ehemaliger Kiefern- und Birkenwälder sind feuchte Heiden, teils großflächig Hoch- und in geeigneten Lagen kleinräumig Niederungsmoore getreten. Vermehrtes Vorkommen von Sauergräsern, Wollgras und Binsen; extensive Beweidung mit Schafen.
Arktisch-alpine Graslandstufe
Vorwiegend in den höheren Lagen der Grampians und im Nordwesten der Highlands; näherungsweise den Mattenregionen der Alpen vergleichbar.
Karges, kaum noch wirtschaftlich nutzbares Grasland.
Auf feuchteren Standorten Seggen und Binsen; polsterbildende Pflanzen auf Schotterfluren.
Obere Arktisch-Alpine Stufe
Hochlagen aller festländischen Gebirge, auf den Höhen aller vorgelagerten Inseln aber ungewöhnlich tief hinabreichend (im Bereich Ronas Hill, Shetland, bis deutlich unter 400m ü.NN.; in den Keen of Hamars, Shetland, fast bis auf Meereshöhe)
Entspricht weitgehend der Polsterpflanzenstufe der Hochalpen; teilweise von fjellartigem Charakter. Vermehrt Moose und Flechten auf Schotterfluren und anstehendem Gestein. Eine weitestgehend ungenutzte zeitgenössische Naturlandschaft.

(Wichtige Vorkommen, Referenzgebiete auf dem Festland und Nutzflächenformen soweit sie das Landschaftsbild mitprägen.)

copyright tsp/ws


(tsp/ws)
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