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Landeskunde Flora |
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| Die Flora Schottlands - Wald in Schottland |
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Schottlands Wälder haben eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Das Ausmaß der Waldbedeckung und die Zusammensetzung der Wälder nach dominanten Baumarten wechselten dabei dramatisch. Ein Teil der Entwicklungen hat natürliche Ursachen, entscheidende Veränderungen hat aber auch der Mensch eingeleitet.
Unmittelbar nach der letzten Eiszeit war Schottland lange Zeit vegetationslos. Es dauerte bis die ersten Pionierpflanzen genügend Humus hinterlassen hatten, so dass auch erste Büsche und Bäume gedeihen konnten. Extrem kleinwüchsige Kriechweiden, wie wir sie heute in den hochgelegenen Fjellregionen Norwegens finden, tauchten auf und bildeten zusammen mit Moosen und verschiedenen Erikazäen (Heidekraut und dergl.) eine erste geschlossene Vegetationsdecke. Zu den ersten gehölzen zählten die Birken. Selbst relativ anspruchslos bildeten sie einen lichten Wald, den wir uns etwa wie die heutigen Birkenwälder der nördlichen Taiga vorstellen müssen.
In ihrem Schutz siedelten dann andere Gehölze wie Hasel, Eiche und Kiefern, die allmählich die für sie geeignetsten Gunsträume besetzten und eine Differenzierung des Waldbestandes bewirkten. Die Entwicklung bis zu diesem Punkt war vor gut 6000 Jahren abgeschlossen.
Zu diesem Zeitpunkt war Schottland zu gut 80 Prozent bewaldet, d.h. großflächig mit einer geschlossenen Waldbedeckung versehen. Falsch ist allerdings die noch bis vor wenigen Jahren gültige Aussage, dass es sich dabei überwiegend um einen "borealen (nördlichen) Nadelwald" gehandelt hat, wie er heute noch riesige Flächen in Sibirien und Kanada bedeckt. Der schottische Nadelwald mit der "Scots Pine" (der schottischen Form der 'Pinus sylvestris', Kiefer) als dominanter Pflanze war von Grundtypus her gesehen ein Gebirgswald, der sich keilförmig von den Höhen der Grampians nach Nordosten erstreckte, bis er die Küsten von Moray, Banff und Nairn erreichte. Eine zweite, wesentlich kleinere Nadelwaldzelle existierte im Nordwesten, westlich von Ben Wyvis entlang des Black Water bis Loch Broom.
Ansonsten waren zwei andere Waldtypen charakteristisch. Südlich des Nadelwaldkeiles lagen ausgedehnte Eichen-Hasel-Mischwälder. In den klimatisch begünstigten Gebieten des Südwestens lag der Eichenanteil etwas höher, in den rauheren Höhenlagen dominierte der Hasel. Darin eingestreut waren vor allem parallel zu den Flusstälern und entlang einzelner Seeufer kleinere Auewälder mit höheren Anteilen von Erlen und Weiden. Nördlich (vereinfacht gesagt: nördlich der Great Glen Fault) lag ein riesiges Birkenmischwaldgebiet. Im Südwesten des Gebietes war es ein Birken-Eichen-Mischwald, während weiter nördlich und dort vor allem in den Tallagen verstärkt Nadelhölzer hinzukamen.
Die Nordküste des Festlands, Orkney, Shetland und die Western Isles waren weitgehend waldfrei, zumindest gab es keinen wesentlichen Baumbestand in dem Sinne, so wie wir uns heute einen Wald vorstellen. Busch- und Strauchwald gab es schon: So konnte man gerade unlängst auf der Orkney-Insel Sanday die Reste eines ehemaligen Hasel-Strauchwaldes nachweisen.
In Ermangelung anderer Brennstoffe - die Torfbildung setzte in vielen Landesteilen erst viel später ein - begannen allerdings schon die ersten Siedler im Mesolithikum mit umfangreichen Rodungen. In der Jungsteinzeit waren die Heideflächen des Nordens und im Westen praktisch vollkommen gerodet. Im frühen Mittelalter war der Brennstoff Holz im Norden so knapp, dass die Wikinger damit begannen Torf vom schottischen Festland als Brennstoff zu importieren, was einem ihrer Earls den Beinamen 'Turf Einar' einbrachte.
Im Hochmittelalter war Qualitätsholz als Baumaterial so knapp, dass etwa William Wallace Bauholz zur Erweiterung von Stirling Castle durch die Hanse aus dem Baltikum importierte. Aus dieser Zeit stammen auch die ersten Maßnahmen zur planvollen Bewirtschaftung der letzten Waldreserven: Eichen wurden nicht mehr geschlagen, sondern nur noch gekappt, um aus dem schneller nachwachsenden Astholz einen wenigsten halbwegs brauchbaren Rohstoff zu gewinnen. So entstanden die für die restlich erhaltenen Altwaldbestände typischen Wuchsformen ('pollards'), kurzstämmige Bäume mit einer Stammhöhe von etwa 3m mit mehreren gleichstark hochwachsenden Ästen. Diese Äste waren gemessen an der Lebenszeit sonst schlagreifer Bäume nach etwa einem Drittel bis der Hälfte der Zeit erntereif und lieferten das Ausgangsmaterial für leicht zu gewinnende Balken, weniger für Bohlen und Bretter.
Wenig später gab es die ersten Neuanlagen von Wäldern: Für sie stehen etwa einige der Eibenpflanzungen auf den Inseln im Loch Lomond, aus deren Holz man waffenfähiges Material zur Herstellung von Langbögen gewann.
Was nicht schon im Mittelalter abgeholzt worden war, verbrauchte dann der wirtschaftliche Aufschwung zu Beginn der Neuzeit und die einsetzende Industrialisierung - im Schiffbau, als Grubenholz und im Hausbau der rasch wachsenden Industriestädte. Was von Schottlands 'ancient woods' (entsprechend der englischen Terminologie zählen dazu alle Waldgebiete, die seit rund 1600 Jahren mehr oder weniger unverändert bestehen) übrig blieb sind zudem stark degenerierte Sekundärwälder, auch wenn sie noch so natürlich aussehen mögen wie z.B. Cawdor Wood mit seinem Bestand an Traubeneichen oder die alten Waldreste im Glen Affric mit ihrem Scots-Pine-Bestand. Ende des 19., anfangs des 20. Jahrhunderts waren von den einst rund 80% Waldbedeckung gerade einmal ca. 4% übriggeblieben - einer der niedrigsten Werte in ganz Europa. Wirklich naturbelassen waren davon nur noch minimalste Buschwaldreste von einigen Haselmischwaldbeständen wie etwa Berriedale auf Orkney, das nördlichste Vorkommen natürlichen Waldes in Schottland.
Dabei hatten umsichtige Grundbesitzer bereits Jahrzehnte zuvor versucht, dem Niedergang des Waldes Einhalt zu gebieten, in dem sie größere Pflanzungen angelegt hatten. Insbesondere an der Westküste experimentierten sie dabei mit nord- und südamerikanischen Gehölzen, denen man eine größere wetterfestigkeit zuschrieb. Zeugnisse derartiger Versuchspflanzungen finden sich etwa rund um Gairloch und Inverewe, aber auch in den nicht zu übersehenden 'Red Woods' am oberen Loch Broom.
Ab etwa 1920 begann man mit systematischen Aufforstungen im großen Stile und der Waldanteil nahm rasch zu:
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1924: 435000 ha, entsprechend 5,5% |
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1947: 514000 ha, entsprechend 6,5% |
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1965: 656000 ha, entsprechend 8,3% |
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1980: 920000 ha, entsprechend 11,7% |
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1995: 1282000 ha, entsprechend 16,3% |
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2004: 1330000 ha, entsprechend 16,9% |
Dabei gab es man kuriose Entwicklungen. Ein nicht unerheblicher Anteil der bis 1947 hinzugekommenen Waldflächen ging auf das Konto der Militärs, die mittels Forsten ihre Anlagen zu tarnen gedachten: Tankanlagen der Marine etwa an der schottischen Westküste oder auf Flotta im ansonsten baum- und strauchlosen Orkney.
Aber wie auch andernorts kam es zu ausgesprochene Fehlplanungen. So basiert etwa der rasante Flächenzuwachs von 1980 bis 1995 fast ausnahmslos auf der Anlage großer Kiefern- und Fichten-Monokulturen. 'Scots pine' schien der einzige Ansatzpunkt zu sein. Man versuchte sie überall zu kultivieren, nur nicht dort, wo sie unter heutigen Wachstumsbedingungen ideale Standorte finden würde.

Man pflanzte über Quadratkilometer reine Nadelwaldkulturen selbst im hohen Norden von Caithness und Sutherland nur wenig südlich des heute letzten Vorkommens natürlichen Waldes (Berriedale/Hoy). Man setzte auf Gebiete weit südlich in Kintyre und in Nachbarschaft zu englischen Forsten (Kielder Forest) in den Borders. Die Gebiete optimaler Standortgunst blieben jedoch weitgehend ausgespart.

Die in Schottland heimischen Gehölze spielten dabei so gut wie keine Rolle. Insbesondere Laubgehölze aller Art blieben unbeachtet, zumal nur wenige Arten kommerziell forstwirtschaftlich nutzbar sind.
| Alder |
Alnus glutinosa |
Erle |
| Ash |
Fraxinus excelsior |
Esche |
| Aspen |
Populus tremula |
Espe |
| Downy birch |
Betula pubescens |
Moorbirke |
| Silver birch |
Betula pendula |
Weißbirke |
| Broom |
Cytisus scoparius |
(Besen-)Ginster |
| Bird cherry |
Prunus padus |
Traubenkirsche |
| Wild cherry |
Prunus avium |
Vogelkirsche |
| Blackthorn |
Prunus spinosa |
Schlehen |
| Dog Rose |
Rosa canina |
Hundsrose |
| Elder |
Sambucus nigra |
(schw.) Holunder |
| Wych elm |
Ulmus glabra |
Bergulme |
| Gorse |
Ulex europaeus |
Stechginster |
| Guelder rose |
Viburnum opulus |
Gemeiner Schneeball |
| Hawthorn |
Crataegus monogyna |
Weißdorn |
| Hazel |
Corylus avellana |
Hasel |
| Holly |
Ilex aquifolium |
Stechpalme |
| Juniper |
Juniperus communis |
Wacholder |
| Penduculate oak |
Quercus robur |
Stieleiche |
| Sessile oak |
Quercus petraea |
Traubeneiche |
| Scots pine |
Pinus sylvestris |
Kiefer |
| Rowan |
Sorbus aucuparia |
Eberesche |
| Whitebeam |
Sorbus pseudofennica Sorbus arranensis Sorbus rupicola |
Mehlbeere |
Willows (Goat, Grey etc.) |
Salix spp. (Salix caprea, Salix cinerea etc.) |
Weiden (Sal-, Aschweide) |
| Yew |
Taxus baccata |
Eibe |
Die wenig anspruchsvollen Birken- und Ginsterarten behaupteten sich durch ihre natürliche Verbreitung und bedecken wie der Stechginster wieder ganze Landstriche insbesondere im südlichen Landesteil Schottlands. Die natürlichen Restbestände anderer Gehölze kann man fast nur im Frühjahr oder Herbst entdecken, wenn sie Schlehen und Weißdorn an den Hängen von Glen Shiel blühen oder wie die Vogelbeeren im mittleren Osten ihre roten Früchte tragen.
Unter ökologischen wie wirtschaftlichen Gesichtspunkten bahnte sich ein mehr als nur mittelprächtiges Desaster an. Kaum einer der Forsten zeigte die erhofften Erträge. Die Forestry Commission als treibende Kraft der letzten Jahrzehnte blieb in immer stärkerem Maße auf minderwertigen Beständen sitzen, die sich entgegen der ursprünglichen Hoffnung nur in Ausnahmefällen zur Bewirtschaftung privatisieren ließen. Ganz ähnlich erging es privaten Investoren insbesondere aus Skandinavien, die in Erwartung ähnlicher kommerzieller Erfolge wie in Dänemark und Schweden in die schottischen Forsten investiert hatten.
Hinter dem vergleichsweise geringen Flächenzuwachs der letzten Jahre (angesichts des ehemals ehrgeizigen Zieles von 25% Waldbestand bis zum Jahr 2015) steht denn auch eine Politik radikaler Umkehr. Heute steht nicht mehr das Mengenziel im Vordergrund, das Stichwort heißt 'Diversifizierung'. Man setzt nicht mehr auf Nadelhölzer in großflächigen Kulturen, sondern auf Misch- und Laubwälder auf kleinen Ergänzungsfächen unter Verwendung heimischer Gehölze. Was heute unter den Stichworten 'biodiversity' und 'natural woods' mit starkem Einsatz von Mitteln zur Öffentlichkeitsarbeit betrieben wird, sind bei genauer Betrachtung weniger naturschutzorientierte Maßnahmen, sondern Aktionen zur Korrektur der durch Monokulturen zerstörten Landschaftsbilder und Maßnahmen zur Schädlingsbekämpfung mit natürlichen Mitteln.
(tsp/ws)
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