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Landeskunde Geografie |
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| Lage, Grösse, Ausdehnung |
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Eigentlich ist Schottland überwiegend noch ein typisches Mittelgebirgsland. Sein höchster Berg, der Ben Nevis, reicht gerade einmal 1343 Meter über den Meeresspiegel. Das sind immerhin 200 Meter mehr, als der Brocken im Harz aufzuweisen hat, aber mehr als 110 Meter bzw. 140 Meter weniger als der Große Arber im Bayerischen Wald (1456m) bzw. der Feldberg im Schwarzwald (1483m).
Dennoch erleben wir weite Teile Schottlands - vor allem der Highlands und die Gebirgszüge entlang der Nordwestküste - als "viel gebirgiger" als den Harz oder den Bayerischen Wald. Einen Grund dafür offenbart bereits ein erster Blick auf eine Karte oder das Satellitenbild.
Der Grund ist die nahezu überall gegenwärtige Nähe des Meeres. Schottlands Berge steigen, um es einmal so zu sagen, direkt aus dem Meer: So liegt der Gipfel des Ben Nevis mit seinen 1343m nur eine Winzigkeit mehr als 7,5 Kilometer vom nächstgelegenen Punkt auf Höhe des Meeresspiegels mit 0 Metern über NN. Gehen wir vom Brocken aus 7,5 Kilometer ins Harzvorland, haben wir nur rund 800 Meter Höhenunterschied überwunden, ebenso verhält es sich beim Feldberg im Schwarzwald. Um solche Höhenunterschiede auf solch kurzen Distanzen wie in Schottland beobachten zu können, müssen wir in Deutschland schon tief ins Voralpenland reisen: Wenn wir auf der Anfahrt ins Kleinwalsertal kurz hinter Oberstorf zum Hohen Ifen schauen, oder von Garmisch-Partenkirchen in Richtung Zugspitze, erleben wir ähnliche Höhendifferenzen auf vergleichbar engen Räumen.
Unter Schottlands Bergen trifft der Reisende immer wieder auf eine besonders oft genannte Gruppe: die Munros, die höchsten Berge, jene über 3000 Fuß Gipfelhöhe (rd. 914 Meter). Aber längst nicht alle so hohen Berge werden Muro genannt, wie sich bei genauerer Betrachtung ergibt. Die Abgrenzung erfolgt nicht nach geographischen, schon gar nicht nach exakt messbaren Kriterien. A Munro is ... what Mr Munro (und seine Nachfolger unter den Wanderjüngern) defined as such!
Art und Alter der Gesteine bedingen in Verbindung mit der starken eiszeitlichen Überformung, dass das Bild der schottischen Gebirge eher ruhig, "ausgeglichen" ist. Es erinnert in weiten Teilen stark an die Landschaft Mittelnorwegens, kennt nicht in dem Maße die wilden Formen der Kalkalpen, wie sie uns z.B. in den Dolomiten begegnen.
Wo ein Berg - da auch ein Tal! So verlangt es das "geowissenschaftliche Kontinuitätsprinzip" und Schottland macht dabei keine Ausnahme. Im Gegenteil, Schottland ist berühmt für seine Täler. Ganz grob betrachtet, gilt es dabei zwischen drei Grundformen zu unterscheiden. Im Süden, Südwesten und Westen finden wir die Täler der überwiegend in die Nordsee entwässernden Flüsse und Bäche. An den Ober- und Mittelläufen der Flüßen entsprechen sie am ehesten noch dem Bild, das von den Mittelgebirgstälern des europäischen Festlandes kennen. Die Unterläufe bilden dagegen oftmals weite Talauen und küstennahe Ebenen, wie sie am Tweed, Forth, Earn oder Don zu finden sind.
Spektakulär sind die schottischen Glens. Sie folgen meist tektonischen Bruchlinien und wurden in der letzten Eiszeit von mächtigen Gletschern ausgeräumt und überformt. Sie zeigen die Merkmale aller Gletschertäler: Flache, oftmals weit ausladende Talböden mit steil aufsteigenden Berghängen an den Seiten, typische U-Täler eben. In ihre Böden haben sich nach der Eiszeit oftmals Bäche "schluchtartig" eingeschnitten - oder sie werden an natürlichen Hindernissen (häufig eiszeitlichen Gletscherschwellen im Untergrund) gestaut. Dann zeigen sich die typischen schmalen, langgestreckten Seen, die Lochs. Ihre Uferterrassen dienten immer schon als Verkehrswege und so kommt es, dass wir noch heute auf schönsten Panoramastraßen durch weite Teile der Highlands reisen, manches Loch dabei umrunden können, fast immer einen Fluss oder Bach zur Seite haben.
Dort, wo diese Glens auf die Küsten stoßen, finden sich dann die weit ins Landesinnere reichenden Sea Lochs und Firths. Ob es sich im konkreten Einzelfall dabei tatsächlich (wie der Begriff Firth andeutet) um echte Fjorde, geflutete Gletschtäler handelt, oder nur um geflutete Flusstäler (also dann eine Art Riasküste wie in Südwest-Irland), darüber mögen die Gelehrten streiten. Wir finden eh beide Formen, namentlich an der schottischen Westküste, und der optische Eindruck ist nahezu gleich. In jedem Falle sind es Meeresarme (wie man am Salzwasser schmecken und Tidenhub beobachten kann), die dafür sorgen, dass kein Punkt des schottischen Festlandes mehr als rund 8o Kilometer von einer Küste entfernt ist.
Noch weiter im Norden, vor allem in Sutherland und Caithness finden sich dann die schottischen Dales. Auch sie entstanden in ihrer heutigen Form während der letzten Eiszeit, allerdings auf andere Art und Weise. Nicht einzelne, vorstoßende Gletscherzungen haben sie ausgeräumt, sondern unter dem plateauartigen Eispanzer, der hinter ihnen lag, wurden gewaltige Täler der Vereisungen des Tertiär einserseits aufgefüllt, andererseits wurden die Steilhänge der Seiten und die alles überragenden Höhen von den Eismassen regelrecht planiert. Es entstanden die weitausladenden, flachen Täler, die kilometerweite Blicke ins Hinterland bzw. zu den Küsten erlauben.
Zum Schluss noch mal ein kurzer Blick auf Schottlands Seen, die überall das Landschaftsbild so nachdrücklich gestalten. 1732 Seen weist die Statistik aus, schweigt aber zu den Kriterien, ab wann ein See denn ein See ist. Und so ist diese Zahl eines der größten Geheimnisse der schottischen Geographie. Zählt man nämlich alle "blauen Flecken" auf den Ordnance Survey Karten aus, kommt man allein für Mainland-Shetland auf über 400 "Seen". Sicher ist nur eines: Der größte See - nach Fläche, Tiefe, Inhalt - ist Loch Ness. Zugleich ist er Dank seines Bewohners/seiner Bewohnerin Nessie einer der berühmtesten Seen der Welt - und mit Sicherheit einer der schönsten Europas, wenn man abseits der Touristenstrecke auf den alten Militärstraßen auf seinem (Süd-)West-Ufer entlangreist.
Zwei weitere Anmerkungen müssen noch zu den Seen gemacht werden: Weil die Wege der sie speisenden Flüsse und Bäche von den Quellen bis zu den Mündungen in die Seen meist recht kurz, die Seen selbst recht tief sind, ist das Wasser in der Regel zu kalt, um mit Genuss darin zu baden. Fische, die sich in diesem frischen Wasser wohl fühlen könnten, finden - zum Leid der Angler - durch die nährstoffarmen Quellgewässer meist nicht genügend Nahrung, um in großen Schwärmen existieren zu können.
(tsp/ws)
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