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Ariundle National Nature Reserve
Der Ariundle Oakwood ist Teil eines natürlichen Eichenwaldgürtels, der sich einst entlang der europäischen Westküste von Portugal bis hoch nach Norwegen erstreckte. Der Ariundle Oakwood ist klassifiziert als 'ancient semi-natural woodland' und zählt damit zu den geringen, weitgehend naturbelassenen Landschaftsresten, die auf den Britischen Inseln heute deutliche weniger als 2 Prozent der Gesamtfläche ausmachen.

Das dominante, namengebende Gehölz ist die Traubeneiche, die in dem feuchten Klima und auf den sauren Böden, wie sie auch im diesem Gebiet nördlich des Loch Sunart als Folge der Granitverwitterung zu finden sind, besonders gut gedeihen. In dem natürlichen Laub-Mischwald sind die Eichen vergesellschaftet mit Birken, Espen, Eschen, Ebereschen, Hasel und Weiden. Die heute gleichfalls zu findenden Lärchen und Scots Pine sind dagegen ebenso wie die Buchen (Fagus sylvatica) erst durch den Menschen eingetragen worden.

copyright Kirsten Kremers-Wünsch
Nature Trail im Ariundle NNR

Solange Menschen in diesem Gebiet siedelten, war dieser Eichenmischwald immer ein vergleichsweise intensiv genutzter Wirtschaftsraum. Dies zeigt sich auch im Namen Ariundle, der sich von (gäl.) Airigh Fhionndail - 'the shieling of the white meadow' ableitet: etwa der Weidegrund auf der weißen Wiese. Ariundle war also ein Hudewald, wie die großen Eichenwälder auf dem Kontinent auch. Insbesondere im Herbst wurde das Vieh in die Wälder getrieben, um sich durch die reiche Eichelernte das nötige Fettpolster für die harten Winter anzufressen.

Sein heutiges Erscheinungsbild verdankt der Wald aber der späteren "industriellen" Nutzung. Die großen Eichenwälder rund um Loch Sunart bildeten eines der wichtigsten Zentren für die Gewinnung hochwertiger Holzkohle, die in den Eisenhütten des schottischen Südens dringend gebraucht wurde. Dazu wurden viele Eichen radikal zurückgestutzt ('coppiced'), damit die verbliebenen Kurzstämme neue Kronenäste trieben, die dann ihrerseits in relativ rascher Folge wieder als Stangenholz für die Köhlereien geerntet werden konnten. Für Ariundle ist diese Art der Waldwirtschaft bis etwa 1876 belegt.

Danach dienten die Wälder wieder als Rinder- und Schafweide, wurden von der modernen Landwirtschaft aber nur noch extensiv genutzt. Dadurch entstand der weitgehend naturnahe Laubmischwald, den wir heute vorfinden.

Das Nature Reserve ist relativ klein. Die bedeutenden Reste des natürlichen Eichenwaldes sind aber immer noch so groß, dass der Eichenwald natürlich regenerieren kann. Dies war mit ein entscheidender Grund, warum das Areal insgesamt unter Schutz gestellt wurde. Wichtiger sind heute aber beinahe die Begleiterscheinungen, die sich in dem gelichteten Wald entwickelt haben: die unscheinbaren, wenig spektakulären Gesellschaften niederer Pflanzen.

copyright Kirsten Kremers-Wünsch
Auf dem Zugang zum Ariundle NNR

Dicke Moospolster überziehen die Steine und Stümpfe abgestorbener Bäume. Darunter sind die großflächigen Vorkommen von 'liverwort', Lebermoos, von besonderer Bedeutung. Neben den im Frühjahr reich blühenden, weißen Waldanemonen dürften die weißen Sporenkapseln der weiblichen Lebermoospflanzen, die wie kleine weiße Blüten aussehen, für den Namensbestanteil "weiße Wiese" verantwortlich sein.

Auf den Stämmen und Ästen vieler Bäume siedeln verschiedene Flechten, die in dem feuchten Küstenwaldmilieu besonders gut gedeihen. Selbst auf vergleichsweise kurze Distanz kann es dadurch manchmal recht schwierig werden, die genau Baumart richtig zu erkennen.

copyright Kirsten Kremers-Wünsch
Im Ariundle NNR

Moose, Flechten und Farne finden ihr Gegenstück in einer ausgesprochen vielfältigen Insektenwelt, die ihrerseits wieder als Nahrungsgrundlage für eine besonders artenreiche Vogelwelt dient. Bei Insekten wie bei den Vögeln zählt Ariundle zu den artenreichsten Gebieten in Schottland überhaupt. Dennoch kommen viele Naturfreunde wegen einer ganz anderen Attraktion: Ariundle ist eines der wenigen Naturschutzgebiete Schottlands mit einem gesicherten Wildkatzen-Vorkommen.

Das Ariundle National Nature Reserve erreicht man ab Fort William über die A861. Bald nach Erreichen von Loch Sunart zweigt eine nicht klassifizierte Nebenstrecke in Richtung Strontian und Polloch nach Norden ab.

copyright tsp/ws
Übersichtsskizze

Nordöstlich von Strontian befindet sich ein ausgeschildeter kleiner Parkplatz. Von hier aus gelangt man über einen gut begehbaren Wirtschaftsweg der Forestry Commisson in das Naturschutzgebiet, das heute fast vollständig von Nutzforsten (Ariundle Forest) als Pufferzonen umgeben ist. Der Ariundle Nature Trail (gelb gepunktete Linie) nördlich des Strontian River verläuft überwiegend durch einen relativ lichten Laubmischwald.

Bald nach Eintritt in das Nature Reserve zweigt bei einer Informationstafel der eigentliche Woodland Walk ab (orange gepunktete Strecke). Dieser gut 1 Kilometer lange Umweg führt relativ steil den Hang hinauf, vorbei an einem alten Croft und über einen kurzen Stichweg zu einem Cairn, unter dem eine Siedlungsstelle der frühen Eisenzeit vermutet wird. Von hier aus führt die Nebenstrecke zurück zum Nature Trail, der überwiegend hangparallel und weit weniger steil oberhalb des Strontian River durch das Reserve verläuft.

Wenige Meter nach dem Zusammenschluss der beiden Wege führt der Nature Trail hinunter zum Strontian River und wieder aus dem Nature Reserve hinaus. Durch den rückwärtigen Teil des Reserves führt zwar ein Wirtschaftsweg der Forestry Commission, der aber nur nach Voranmeldung und Genehmigung begangen werden darf. Dieser Teil ist Schutz- und Ruhezone.

Nach Querung des Flusses führt der Nature Trail für einen knappen Kilometer am Südufer des Strontian River durch den hier überwiegend vorhandenen Nadelmischwald, bevor es nach erneuter Flussquerung wieder zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung geht.

copyright Kirsten Kremers-Wünsch
Gebahnte Wege im Bereich der Niederung des Strontian Rivers

Je nachdem, wohin man seine Schritte lenkt, kommt man auf 5 bis 6 Kilometer überwiegend leicht begehbarer Wander- bzw. Spazierstrecke. Wegen des unsicheren Geländes rechts und links der Wege sollte man diese aber auf keinen Fall verlassen. Die gilt insbesondere auch für jene Abschnitte durch extremes Feuchtgelände, auf denen der Weg über Holzstege geführt wird.


(tsp/ws)
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