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Landeskunde Geografie |
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| Noss National Nature Reserve |
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Die Insel Noss ist der Insel Bressay östlich vorgelagert und liegt etwa auf halber Höhe von Shetland Mainland vor der Inselhauptstadt Lerwick. Das National Nature Reserve umfasst die ganze Insel Noss einschließlich der Küstenbereiche, die bei Normal-Niedrigwasser trockenfallen, das heißt einschließlich der Sandstrände in Osten der Insel und der "Klifffüße" im Westen (hellviolette Grenzmarkierung in der Übersichtskarte).
Die Insel Noss ist genaugenommen Privatbesitz und gehört zum Garth Estate. 1955 wurden die 313 Hektar aber als Naturschutzgebiet der Obhut der Vorläuferorganisation von Scottish Natural Heritage übertragen, die heute das gesamte Areal als National Nature Reserve betreibt und verwaltet.
Die Insel war rund 4000 Jahre lang besiedelt, woran bis heute ein bronzezeitlicher 'burnt mound' bei Hellia Cluve sowie eine mmittelalterliche Kapellenruine mit Friedhof bei der Gungstie Farm erinnern. Im Gegensatz zu früheren Zeiten, da die Insel u.a. als "Verwahrstation" für die Zuchttiere von Shetland Ponies des Earls of Londonderry genutzt wurde (Noss Pony Pund), wird die Insel heute nur noch extensiv landwirtschaftlich genutzt; rund 350 Mutterschafe bevölkern die Insel. Sie machen sich allerdings nur bemerkbar, wenn sie zur 'lambing season' westlich des Hill Dyke zusammengetrieben werden, wo sie mit den Lämmern einigermaßen vor den räuberischen Skuas der Moorgebiete sicher sind.
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| Blick vom Parkplatz auf Bressay über den Nordwesten der Insel Noss mit Gungstie Farm und Noss Pony Pund |
Seabird City lautet ein gängiger Name für die Insel und in der Tat ist es einer der relativ wenigen Plätze in Schottland, wo man im Rahmen eines Tagesausflugs die wichtigsten Seevogelarten Schottlands versammelt findet. Ursächlich hierfür ist der Fischreichtum der küstennahen Gewässer um Noss mit seinen reichen Vorkommen an 'sandeels' (Kleiner Sandaal), deren industrielle Befischung um Noss seit 1991 stark limitiert ist.
Nachstehend werden nur die wichtigsten Stationen mit ihren Hauptvorkommen nach Arten beschrieben:
Folgt man dem Inselrundweg im Uhrzeigersinn, trifft man im Bereich der Papil Geo zuerst auf Puffins (Tamie Norie, Papageientaucher), die den Sommer über die Geo mit einer größeren Kolonie besiedeln.
Etwa einen dreiviertel Kilometer westlich stößt man auf das Hauptvorkommen an Black Guillemots (Gryllteiste), die im Volksmund Tysties genannt werden. Gut 100 Paare brüten auf Noss und bilden damit eine der größten britischen Kolonien. Sie hausen in kleinen Höhlen und unter Steinblöcken besonders an der Nordküste.
Die höchsten Kliffs der Insel sind von Gannets (Baastölpeln) besiedelt. Sie stürzen sich insbesondere von The Noup in die Tiefe, um dann auf Fischfang zu gehen.
Bei Charlie's Holm an der Südostküste trifft man auf eine weitere Kolonie von Puffins. Sie ist größer als die Kolonie an der Nordküste, wegen der schwierigeren topographischen Verhältnisse aber schlechter zu beobachten.
Cradle Holm ist die Heimat der Great black-back gulls, der Mantelmöwen. In früheren Zeiten wurden die Möwenkolonien des Holms systematisch "bewirtschaftet", d.h. die Einheimischen hatten sogar eine gewagte Konstruktion errichtet, um mittels eine auf Seilen rutschenden "Kiste" (cradle) auf den Felsen zu gelangen. Im Visitor Centre, dem ehemaligen Noss Pony Pund wird über diese Tradition detaillierter informiert.
Die Südwestspitze der Insel wird wieder von Gryllteisten beherrscht, die hier in einer großen Kolonie vermischt mit Razorbills (sea craws, Tordalk) leben.
Die höhergelegenen Moorgebiete im Inselzentrum sind das Reich der Skuas (Raubmöwen), die auf Noss mit zwei Arten als Brutvögel vertreten sind:
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| zum Vergrößern auf das Bild klicken |
Der Artic Skua (shetl. Skooty aalin, Schmarotzerraubmöwe) ist die kleinere Art, die leicht an der vorstehenden Schwanzspitze zu erkennen ist. Der Artic Skua ist ein reiner Beutejäger, d.h. er fischt und jagd nicht selbst, sondern hat sich darauf spezialisiert, allen fliegenden Genossen von der kleinen Seeschwalbe bis zu deutlich größeren Mantelmöwe die Beute abzujagen. Dabei kommt es oftmals zu dramatischen "Luftkämpfen".
Der Great Skua (shetl. Bonxie, Große Raubmöwe) ist mit einer Flügelspannweite von bis zu 1,70 Meter deutlich größer. Er ist ein gnadenloser Fischer und Jäger, der selbst vor jungen Lämmern keinen Halt macht. Kommt man seinen Horsten zu nahe, greift er auch Menschen an. Dabei gehen der eigentlichen Attacke immer ein bis zwei Scheinangriffe voraus. Da er immer nur den höchsten Punkt angreift, ist ein über dem Kopf in die Höhe gehaltener Stock ein relativ sicherer Schutz.
Weiterhin verweisen einige topographische Namen auf das Vorkommen bestimmter Arten: Die im äußersten Nordosten vorgelagerten Scrafie Skerries haben ihren Namen von den Krähenschaben (shetl. Skarf), einer kleinen Kormoranart.
Das Noss NNR bietet aber auch hinsichtlich der Flora einige Besonderheiten. Zum einen ist da die Inselfläche selbst, die je nach Jahreszeit in sattem Grün erstrahlt, einen leichten Rosaschimmer von Abertausenden von Sea pinks (Meernelken) zeigt, oder besonders in den Mooren der mittleren Höhen von einem silberweißen Schleier überzogen ist, wenn das Wollgras in voller Blüte steht. Je nach Jahreszeit sind größere Areale von Mayflower (Primel), Marshmarygolds (Dotterblume) und Orchideen (Knabenkräuter) eingestreut.
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| Kliffs der Ostküste im Bereich The Noup |
Zum anderen sind da die Kliffs der Ostküste. Hier wächst und gedeiht alles, was zwischen der norwegischen West- und der isländischen Ostküste beheimatet ist. Es sind die hinsichtlich des Bewuchses artenreichsten Kliffs der Britischen Inseln überhaupt. Vor allem im Frühsommer, wenn großflächig die rosa Meernelken blühen, zeigt der Garden on the Cliffs ein buntes Kleid mit gelben, rot-violetten, weißen und blauen Tupfen, die von verschiedenen Lichtnelken, Scabiosen und Gräsern stammen.
Wer zudem etwas Glück hat, kann auf der Überfahrt nach Noss einigen Harbour Porpoises (Schweinswaalen) begegnen oder einen spielenden Otter an einem der kleinen Inselbäche ausmachen.
Touristische Hinweise
Das Reservat ist von Mitte Mai bis September außer an Montagen und Donnerstagen zugänglich. Man erreicht es ab Lerwick mit der Bressay-Fähre. Nach der Querung von Bressay (knapp 3 Meilen) führt vom Parkplatz ein Fußweg hinab zur Anlegestelle der Schlauchbootfähre (!) nach Noss. Die Fähren sind gebührenpflichtig.
Es ist in jedem Falle ratsam, sich vorher in der Touristinformation in Lerwick zu erkundigen, ob eine Passage möglich ist. Sollten plötzliche Wetterwechsel ungeachtet der positiven Auskunft die Überfahrt unmöglich machen, weht über der Gungstie Farm auf Noss eine rote Fahne.
Es gibt keine Übernachtungsmöglichkeiten auf Noss.
Die besonders sensiblen Brutgebiete im Westen der Insel sollten zu keiner Zeit betreten, sondern immer auf dem Pfad umgangen werden. Der in der Karte ausgewiesene Pfad um die Insel ist nur "ungefähr" angegeben. Er ist nicht ausgeschildert, aber als Trittspur im Gelände deutlich auszumachen. Aus Sicherheitgründen sollte man seewärts nicht über ihn hinausgehen.
Für den Abschnitt entlang der Ostkliffs ist zu beachten: Westliche Winde sind vorherrschend, d.h. die Winde sind überwiegend ablandig! Keinesfalls in aufrechter Position zu nahe an die (oftmals überhängenden!) Kliffkanten treten!
Wer etwas ins "Hinterland" der Insel möchte, kann dies entlang der "Setter Road", einer alten Piste zu einem ruinösen Croft tun. Das Gebiet ist weitgehend frei von Skuas.
(tsp/ws)
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