VisitScotland
Geschichte
Zeittafel
Geschichte in Themen
Berühmtheiten
Landeskunde
Allgemeines
Geologie
Geografie
Klima
Flora
Fauna
Bevölkerung
Wirtschaft
Soziales
Regionen
Allgemein
Süden
Inseln
Städte
Reise
Allgemeine Infos
An- und Einreise
Verkehrsmittel
Reise-ABC
Sehenswürdigkeiten
Touren
Impressionen
Fotografien
Reiseberichte
Letters from Scotland
Bild des Monats
Desktopbilder
Webcams
Kultur
Volkskunde
Sprache
Literatur & Dichtung
Musik
Architektur & Kunst
Sport
Kulinarisches
Touristisches
SchottlandCommunity
zum Forum
zum Fotoalbum
zum Chat
Shop
Allgemein
aktuelle Fernsehtipps
Veranstaltungskalender
Linkliste
News
Postkarten
Gästebuch
Partner
Statistik
Teach Scotland
Werbung
Newsletter
Sie möchten über Aktuali-
sierungen informiert wer-
den? Tragen Sie hier ihre
Emailadresse ein.
 Landeskunde Geografie [ zurück ]
Schottische Ortsnamen
Hinsichtlich historischer Ortsnamen finden wir für Schottland eine Ausgangslage vor, wie sie in dieser Form und für ein solch frühes Datum kein zweites Mal in Europa anzutreffen ist: Die Rede ist von den Ortsnamen in den Karten von Timothy Pont (* vor 1574, + nach 1611/vor 1614) und den zugehörigen Textregistern. Beide Quellen - Timothy Ponts Karten und Texte - sind nicht nur eine unschätzbare Informationsquelle über schottische Ortsnamen, sondern zählen als topographische Landesaufnahmen zu den kulturhistorisch wertvollsten Schätzen, die in der National Library of Scotland verwahrt werden. Sie sind vergleichbaren Ansätzen im übrigen Großbritannien und auf dem Kontinent um 150 Jahre und mehr voraus.

Ponts Karten und Texte sind heute nur noch unvollständig erhalten. Sie lagen aber, wie man gesichert weiß, dem congenialen Kartenstecher Joan Blaeu aus Amsterdam vor, der sie als Vorlage seiner weltberühmten Schottlandkarten nahm, die er in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts herstellte. Pont selbst hat diese kartographischen Meisterwerke nicht mehr gesehen. Im Abgleich von Blaeus Karten mit den erhaltenen Manuscripten erhält man aber eine sehr sichere Basis, die eine gute Abschätzung hinsichtlich der Werktreue Blaeus als Stecher erlaubt. Im Umkehrschluss lassen sich dadurch allerdings dann auch wieder Ponts graphische Vorlagen und vor allem seine Ortsnamenregister und die Schreibweise von Ortsnamen für die nicht erhaltenen Manuscripte vergleichsweise sicher rekonstruieren.

Ihr augenscheinlichstes Merkmal: Sie enthalten eine sehr große Zahl von Ortnamen, hier immer verstanden als Namen bestehender Siedlungen (nicht aber Flurnamen innerhalb der Siedlungen) sowie der wichtigsten natürlichen topographischen Elemente: Berge, Flüsse, Seen und Küstengewässer. Hinzu kommen - dem Zeitgeist entsprechend - die Standorte und Namen etlicher kirchlicher Infrastruktureinrichtungen wie Kirchen und Klöster, unabhängig von der Frage, ob sie im Zusammenhang mit weltlichen Siedlungen bestehen oder nicht. Die handschriftlichen Aufzeichnungen Ponts und die darauf basierenden frühen Drucke weisen zusammen mehr als 20.000 Ortsnamen aus. Allein damit verzeichnen sie mehr Ortsnamen, als heute in Schottland gebräuchlich sind, obwohl, wie bereits angemerkt, das Gesamtwerk nur noch in Teilen erhalten ist.

Der zweite und viel wichtigere Punkt ist: Die Karten stellen nicht nur die früheste 'kartographische' Informationsquelle zu diesen Orten dar (und liefern damit zugleich die ältesten graphischen Informationen zur Lage des Standort überhaupt), sondern sie sind die ältesten Quellen jedweder Art - graphischer wie textlicher Natur. Besonders bedeutsam ist dies insbesondere für den gälischen Sprachraum. Während wir nämlich im skandinavisch geprägten Kulturraum von Orkney, Shetland sowie teilweise Caithness und den Western Isles von der Entstehung der ältesten Ortsnamen über das ganze Mittelalter hinweg eine nahezu ungebrochen Überlieferung einer Vielzahl von Ortsnamen auf der Basis unterschiedlichster Quellen haben (Sagaliteratur, skandinavische Besitz-Urkunden und skandinavische wie 'schottische' Steuerlisten als Basis des skandinavischen Steuerrechts vom Hochmittelalter bis zur Neuzeit), sind im gälischsprachigen Kulturraum nur wenige Ortsnamen in originaler, kaum mehr in latinisierter Schreibweise erhalten. In der Natur von Sache und Zeit liegt es, dass es sich dabei fast ausnahmslos um die immer wiederkehrenden wichtigen Standorte des Reiches bzw. um kirchlichen Besitz handelt - die einzigen Orte, zu denen im Rahmen von Schenkungen und etwa Lehensvergaben überhaupt etwas beurkundet wurde.

Drittens gilt anzumerken: Pont war ein sehr eifriger und sehr penibler "Empiriker". Er weist nicht nur mehr Ortsnamen aus als alle nachfolgenden topographischen Landesaufnahmen sondern auch etliche Namen die in keiner anderen Quelle vor oder nach ihm aufgeführt werden. So kennt er z.B. eine "ylen Gewish" oder "Eilean Giuthais" (Insel der Scots pine) im Loch Maree, Wester Ross, oder einen Ort "Cunningholes" in Fife, der gleichfalls nur in seinen Karten zu finden ist. Gerade diese Namen sind es, die in den jüngsten Jahren wieder verstärkt die Aufmerksamkeit auf Ponts Arbeiten lenkten, weil sie heute z.B. im Fall der Insel im Loch Maree heute als Hinweis auf längerfristige geoökologische Veränderungen gesehen werden (Dürreperioden zum Ende des 16. Jahrhunderts/1. Hälfte des 17. Jahrhunderts) bzw. im Fall Cunningsholes als Hinweis auf naturbedingte Wüstungsperioden im Vorfeld der Clearances interpretiert werden. Ganz allgemein gilt: Ponts Informationen über Ortsnamen waren bis zum Royal Military Survey sowie den county und military maps des 18. Jahrhunderts nicht nur in der Vielzahl unübertroffen sondern auch im Detail unerreicht.

An vierter Stelle ist von Ponts Fähigkeit zu nennen, Ortsnamen so zu notieren, wie er sie hörte - und die Konsequenz, dieses Prinzip über die gesamten rund 18 Jahre seiner Feldforschung beizubehalten. Damit bieten seine Register wertvolle Hinweise auf die Aussprache der individuellen Ortsnamen zum Ende des 16. Jahrhunderts. So notierte er z.B. Ballinbreich als 'Bambryich' - also so, wie es noch heute richtig ausgesprochen wird. Die Schwierigkeit die dabei besteht: Er verzeichnet die gälischen Namen der Highlands aus der Perspektive des Hörverstehens eines Lowlanders, der er nun einmal war (z.B. ylen, Stra etc.).

Einige der so entstehenden Probleme werden letztlich jedoch dadurch relativiert, dass er die Bedeutung etlicher gälischer Ortsnamen gleich mitliefert, so z.B. wenn er notiert: "Bhellachmaddy or Woolfs Way" - abgeleitet wahrscheinlich von gälisch 'Bealach Madaidh' oder 'Wolf's Pass', weniger wahrscheinlich von 'Bealach nam Madadh' oder 'Pass of the Wolves' - oder wenn er Alternativnamen, die heute in Vergessenheit geraten sind, anmerkt 'Aalach is the yrish na[me] of atholl'. Mangels anderer Traditionen und Quellen müssen wir also gerade bei gälischen Ortsnamen mit gewissen Unsicherheiten bei der Ableitung ihrer Bedeutung rechnen, wobei es in einem Falle wie Bheallachmaddy durch simple Ortsbegehung abgesichert werden kann, ob es sich um einen 'Wolfswechsel' in der Ebene, an einem Waldrand o.ä. handelt oder um eine Wolfshöhe oder Wolfspass'. Pont's Beschreibung von Cunningham, 'Cunninghame Topographized', enthält gleichfalls etymologische Information, die oftmals in Form sehr exakter zugleich aber auch sehr bildhafter Beschreibungen geliefert wird: "Achindarroch nether, vich Irisch or ancient Scotts vord signifies a fold or cast of manured soyle amongest oake trees, or vithin ane ocke voode". 'Achindarroch' leitet sich in der Tat ab von gälisch 'achadh an daraich', d.h. 'field of the oak', oder 'achadh nan darach' für 'field of the oaks'.

Natürlich gibt es einige 'Stolpersteine' in Ponts Werk, was angesichts der Laufzeit des Projektes von rund 18 Jahren auch nicht weiter verwunderlich ist. So fehlen in einigen der erhaltenen Karten Namen von Orten, von denen man heute aufgrund anderer Quellen (Stiftungsurkunden u.ä.) genau weiß, dass sie in der jeweiligen Region zur Zeit von Ponts Landesaufnahme existiert haben müssen. Warum sie fehlen, bleibt im Einzelfall unklar. Auch fällt im Abgleich von Ponts Manuskriptkarten und den Stichen von Joan Blaeu auf, dass in Blaeus Karten, die er für seinen großen Schottlandatlas von 1654 auf der Basis der Manuskripte von Ponts stach, einige Blätter für Teile des nördlichen Schottlands und der Highlands nur vergleichsweise wenige der bekannten Ortsnamen enthalten und in der Darstellung der Topographie deutlich weniger differenziert sind. Auch diese Diskrepanzen geben bis heute Rätsel auf. Insbesondere bleibt unklar, ob sie das Ergebnis eines in Folge von Ponts Tod abgebrochenen Arbeits- und Abstimmungsprozesses sind, oder ob sich hier politische Interessen von Blaeus Auftraggebern und Kunden niederschlagen.

Hinzu kommt, dass trotz der im Allgemeinen gut leserlichen Handschrift von Ponts nicht alle Ortsnamen zweifelsfrei entziffert werden können. Außerdem muss man beachten, dass es zu Ponts Zeit noch keine irgendwie standardisierte Schreibweise von Ortsnamen gab, was dazu führt, dass der Name eines Ortes auf verschiedenen Kartenblättern, die zu unterschiedlichen Zeiten entstanden, in wechselnden Formen auftauchen kann. So ist Tongue überliefert als 'Tung' und 'Tunk', Weems als 'Weemh' und 'Weemb'.

All dessen ungeachtet gilt Ponts Gesamtwerk heute als die unumstritten wichtigste Quelle zur historischen Ortsnamenkunde Schottlands - so wichtig, dass die nationalen und internationalen Forschungsarbeiten zu seinem Werk im Auftrag der National Library of Scotland zentral von der University of St Andrews koordiniert werden, um nur ja keine Forschungsressourcen durch vermeidbare Doppelarbeit zu verschwenden.

Ponts Verdienste liegen, wie man heute weiß, nicht nur in der Bewahrung und Erklärung alter schottischer Ortsnamen. Mindestens ebenso wichtig ist sein Beitrag - sicherlich auf dem Umweg über die Publikation der Karten in Form von Blaeus Schottlandatlas - zur Standardisierung der bis heute gebräuchlichen Schreibweisen der schottischen Ortsnamen. Auch bestimmte Eigenheiten der regionalen Verteilung von bestimmten Namensbestandteilen für einzelne topographische Features gehen auf Ponts zurück: 'Ben' (bei ihm zumeist noch geschrieben als 'Benn') im Wechsel mit dem Zusatz 'Meill-' für die Berge, oder noch deutlicher die Unterscheidung zwischen 'Firth' für Meeresarme an der Nordseeküste und 'Loch' für Meeresarme an der Irischen See. Allerdings machen gerade auch diese Beispiele deutlich, dass sich Pont viel stärker an lokalen Traditionen orientierte als seine modernen Nachfolger in Diensten des Ordnance Survey, die in geradezu inflationärer Weise jede markantere Bucht an der Westküste zu einem ('sea-)loch' machten.

Dies mag man noch als Standardisierungsversuche sehen und werten. Trotzdem muss festgehalten werden, dass darin auch ganz erhebliche Risiken für das gesamtkulturelle Erbe der Region liegen. Es mutet schon befremdlich an, wenn beispielsweise ein Küstengewässer, dass Generationen von Seefahrern als 'Dunuagan Haven' bekannt war - und so auch noch auf Seekarten des 19. Jahrhunderts ausgewiesen wird, später als 'Loch Dunvagan' erscheint. Von Tautologien und Stilblüten wie 'Loch Laxford' oder 'Loch Snizort' für die aus dem Old Norse stammenden 'Laxafort'/Sutherland und 'Synfort'/Skye einmal abgesehen ... Deutlich wird dies auch, wenn für das anglisierte 'Callanish' im Zuge des 'Gaelic Revival' seit der Mitte des 19. Jahrhunderts und unter dem heutigen Druck zur Zweisprachigkeit in den gälisch sprechenden Regionen neben 'Callanish' die gälische Schreibweise 'Callanaish' auftaucht, wodurch jeglicher Bezug zum Old Norse Ursprung des Namens 'Kali's Ness' weiter verschleiert wird.

Dabei gibt es gerade auf den Äußeren Hebriden und auf Skye eine Fülle von Orts- und Gemarkungsnamen, die auf einen Ursprung im Old Norse zurückgehen, auch wenn sie heute durch den gälischen und/oder englischen Spracheinfluss manchmal bis zur Unkenntlichkeit korrumpiert sind. Im engeren Bereich von Lewis sind es sogar mehr als rein gälischen Ursprungs.

Das Problem ist aber erkannt. So haben gerade anfangs des Jahres 2004 führende Organisationen und Institutionen wie Historic Scotland und Ordnance Survey einvernehmlich erklärt, zur Wahrung des kulturellen Erbes (zumindest in den durch Einflüsse des Old Norse stärker geprägten Regionen) wieder zu den regional tradierten Schreibweisen von Ortsnamen zurückzukehren: Aus 'Brogar' und dem 'Ring of Brogar' wird wieder 'Brodgar' und 'Ring of Brodgar', aus 'Maes Howe' wieder 'Maeshowe', aus dem anglisiert-korrumpierten 'Gurness' wieder das dem Original nahekommende 'Aikerness' ...


(tsp/rebel)

Zur weiteren Lektüre:
Taylor, Simon und Roy Wentworth: 'Pont and Place-Names' in Ian C. Cunningham (ed.): The Nation Survey'd, Edinburgh

Suche
News
Wetter
mehr Schottlandwetter

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung

Werbung
Impressum | Kontakt | Hinweis
© 2003 - 2009 by webdesign by s@ndkes & Team SchottlandPortal - All rights reserved