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Einige Ortsnamen und ihre Aussprache
Die Aussprache von Ortsnamen folgt mitunter vollkommen eigenen Gesetzmäßigkeiten, die von den normalerweise geltenden Sprechregeln erheblich abweichen können. Vor allem Erstbesucher, die die Ortsnamen bisher nur in der gedruckten Form aus Reiseführern und Prospekten kennen, geraten dabei häufiger mal in Schwierigkeiten. So werden Fragen nach dem Weg oftmals als Folge falscher Aussprache nicht verstanden, geben die gutgemeinten Antworten der Einheimischen manchmal mehr Rätsel auf, als sie Lösungen bieten.

Bei Reisen in ganz andere Kulturräume stellt man sich auf das Problem ein; dass das Verwirrspiel beim Nachbarn Schottland solche Ausmaße annehmen kann, damit rechnet man erst gar nicht. Die Ursache liegt in den verschiedenen Sprachen, die am Zustandekommen der Ortsnamen beteiligt waren, sie liegt aber auch in den zeitlich unterschiedlichen Einflüssen, die die wichtigsten Sprachen auf die Ausformung der heutigen Aussprache der jeweiligen Ortsnamen ausübten.

Einige wenige Kombinationsmöglichkeiten sollen dies veranschaulichen. So finden wir Ortsnamen rein altnordischen Ursprungs, die in Gebieten einer starken Tradition der gälischen Sprache heute "gälisch" ausgesprochen werden (Islay), altnordische Ortsnamen, deren heute übliche anglisierte Schriftform die gälische Aussprache nachempfindet (Callanish). Wir kennen Ortsnamen aus dem Scots, die heute allgemein üblich englisch ausgesprochen werden (Aberdour), haben aber auch englische Namensbestandteile die typisch scots gesprochen werden (Edinburgh).

Nachstehend wird versucht, die korrekte Aussprache auf zwei Weisen zu beschreiben: Einmal wird, wo immer es möglich ist, ausgewiesen, welchen deutschen Laut man sich näherungsweise vorzustellen hat, daneben werden gängige englische Vokabeln ausgewiesen, der Aussprache gleichfalls dem jeweiligen Lautbild entspricht. Auf eine Wiedergabe in Lautschrift wird dagegen an dieser Stelle ebenso verzichtet, wie auf Wiederholungen begrifflicher Klärungen.

Aberdour
Während "dour" (obstinate and humourless) im Scots gewöhnlich mit einem gedehnten "uu" ähnlich wie in "moor" gesprochen wird, folgt es im Ortsnamen einer englischen Aussprache ähnlich wie in "Aber-dower", vergleichbar dem deutschen "Dauer"..

Auchtermuchty
"Wenn sie es schaffen, den "ch-Laut" im hinteren Teil ihres Rachens zu bilden, ohne sich dabei zu strangulieren ..." - Der Hinweis wendet sich an englische Leser. Wir Deutschen sprechen ein ganz normales "ch" und den Rest so wie er da geschrieben steht, mit einem leicht abgeschliffenen "i" am Ende.

Avoch
siehe unter Loch

Balerno
Bei dieser Schlafstadt außerhalb von Edinburgh liegt die Betonung auf der mittleren Silbe.

Balluchilish
Dieses Dorf in Lochaber wird gesprochen wie "ball-a-hoollish", mit einem leicht gedehnten "u-Laut".

Beauly
Dieser von französisch "beau lieu" (schöner Ort/Platz) abgeleitete Ortsnamen spricht sich "beoollie" - mit einer deutlichen Betonung auf der ersten Silbe.

Braemar
Vom Lautbild her wird der Ortsname so gesprochen, wie er da geschrieben steht. Wie bei so vielen aus dem Gälischen abgeleiteten Ortsnamen, liegt die richtige Betonung aber auf der zweiten Silbe, auch wenn heutzutage (selbst bei Nachrichtensprechern) die falsche Betonung der ersten Silbe immer häufiger zu beobachten ist.

Broughty Ferry
Der Nobelwohnort der Dundonian Jute Fabrikanten, im dem es bis zum Bau der Tay Road Bridge tatsächlich eine Fähre gab, spricht sich "Brottie" Ferry aus, mit einem kurzen offenen "o".

Carnoustie
Golfreporter passen sich in der Regel dem überdurchschnittlichen Bildungsstand ihrer Zielgruppe an und sprechen den Namen richtig aus "Carnoostie" - mit einem gedehnten und betonten "uuh"-Laut in der zweiten Silbe.

Comrie
Dass der Ort meist richtig "Cumry" mit betonter erster Silbe ausgesprochen wird, verdankt er seiner zweifelhaften Bekannheit als eines der größten Erdbebenzentren Schottlands. Regelmäßiges Erscheinen in den Nachrichten sichert auch in diesem Fall die korrekte Aussprache.

Culross
Abgesehen von der Aussprache als "Cooross" mit betonter, erster Silbe ist der hübsche Badeort nicht wirklich zur Verwirrung der Touristen gegründet worden.

Culter
Mit einer betonten ersten Silbe wird der Ort "Coolter" ausgesprochen; ebenso das benachbarte Peterculter, gleichfalls im Hinterland von Aberdeen in Royal Deeside gelegen.

Drymen
So schön englisch der Name auch aussieht, wird er dennoch nicht "Dry-men" sondern schlicht "Drmn" gesprochen: "y" und "e" sind still, die Konsonanten werden mit einem leicht rollenden "r" einfach aneinandergehängt.

Eaglesham
Das wörtlich "Kirchdorf" heißende Örtchen wird wie "eagle-sam" mit einem stummen "h" ausgesprochen, vollkommen unbeschadet der Tatsache, dass der zweite Namensbestandteil sich von "ham" (Dorf) ableitet.

Edinburgh
Eigentlich sollte es bekannt sein, doch immer wieder hört man Touristen, die "Edinburg" mit einem harten "g" wie im amerikanischen "Pittsburgh" aussprechen. Die Einheimischen sprechen es "Edinburrah" wie alle anderen "burghs" (Fraserburgh, Musselburgh etc.) auch. Die Ausnahme mit einem harten "g" hört man allerdings regelmäßig, wenn ein Glaswegian von einem Bewohner der Hauptstadt als einem "Edinburger" spricht ...

Ecclefechan
Engländer, die sich gerade mit dem für sie ungewohnten "ch"-Laut vertraut gemacht haben, fallen häufig mal darauf rein und wenden ihn auch für den schottischen "cc"-Laut an. Dabei wird er in "St Fechan"s Kirche" ganz ähnlich wie das deutsche "ck" gesprochen.

Eilean Donan
Das vielleicht meistfotografierte Schloss Schottlands spricht sich ganz einfach "Elen donan".

Findochty
Das Fischerdorf in Morray präsentiert einen weiteren Stolperstein, wird es doch "Finechty" gesprochen, wobei die Betonung auf der ersten Silbe liegt, nicht, wie man es oftmals falsch hört auf der zweiten.

Forfar
Gesprochen wie geschrieben, allerdings mit der Betonung auf der ersten Silbe. Im Übrigen ist es zweifelhaft, ob es jemals den Zug gegeben hat, der um "four-four for Forfar" fuhr.

Garioch
Dies Dorf in Aberdeenshire treibt den Touristen wieder zur Verzweifelung, wird es doch "Geerie" ausgesprochen - mit einem leicht zum "i" modulierenden, gedehnte "e" in der ersten Silbe.

Glasgow
Glasgow sollte sich nicht auf "how" sondern auf "go" reimen. Viele Einheimische sprechen aber den Namen ihrer Stadt "Glazgo" oder sogar "Glesca" aus, während die BBC Scotland Ansager ein weiches "s" in "Glasgo" sprechen. "Edinburgers" sprechen von den Glaswegians, den Einwohnern der Stadt, als den "Weedgies"....

Holm
Der auf den ersten Blick unscheinbare Name bzw. Namensbestandteil schillert in den verschiedensten Lautfarben - je nach Region und Objekt, das bezeichnet wird. Als Namensbestandteil von Inseln schwankt die Aussprache zwischen vergleichbar dem englischen "home" und dem skandinavischen "holm", so wie wir ihn deutsch etwa in "Stockholm" aussprechen. Als Ortsname schwankt die Aussprache zwischen gleichfalls "home" und einem kurzen "ham" wie im deutschen Stadtnamen "Hamburg". Kurioser Weise hat sich diese vom englischen "ham" (Ort) beeinflusste Aussprache ausgerechnet im ansonsten skandinavisch geprägten Orkney durchgesetzt (für Holm/Ostmainland).

Holyrood
Zusammengesetzt aus "holy" (heilig) und "rood" (Kreuz) wird vielfach argumentiert, dass der erste Namensbestandteil "Holy" wie der religiöse Begriff ausgesprochen werden sollte. Vor allem durch die Praxis der BBC hat es sich aber durchgesetzt, den Namen wie das kalifornische Hollywood auszusprechen - nur halt in der Mitte mit einem "r" statt des "w".

Inveraray
Beide "a"-Laute im Ortsnamen werden wie in "hay" oder "say" gesprochen, wobei das erste "a" die Betonung trägt. Der Ortnamen bietet zudem eine schöne Gelegenheit das rollende schottische "R" mit viel Gefühl und Hingabe zu sprechen.

Islay
Die Hebrideninsel Islay wird "I-lah" ausgesprochen, wobei sowohl das "s" wie das "y" still sind. Die Parallele zum identisch gesprochenen Glen Isla/Angus macht dabei deutlich, dass auf den Namen von rein altnordischer Entstehung (Ile's ay = die Insel des Ile) gälische Ausspracheregeln Anwendung finden. Läge die Insel inmitten der Northern Isles wäre sie heute mit deutscher Intonierung etwa "Islaei" oder "Islie" auszusprechen.

Kilconquhar
Wieder eine kleine Touristenfalle: Sprechregeln des Scots angewandt auf einen gälischen Wortstamm - heraus kommt: "Kinnuchar", mit kurzem betonten "u" und richtig schönem schottischen "ch" und rollendem "R".

Kilmacolm
Ausgesprochen als "Kil-ma-comb" erinnert das mitgesprochene "b" in "colm" an das "b" im Eigennamen "St Columba", von dem es sich ableitet.

Kingussie
Es gab zu keiner Zeit einen "King Ussie" - und folglich wird der Ort auch nicht sogesprochen - sondern herrührend vom gälischen Wortstamm "kin-yoosie": mit einem gedehnten "u"-Laut, auf dem auch die Betonung liegt.

Kirkcudbright
Erneut ein Ortsnamen, bei dem sich die Spreu vom Weizen unter den sprachgewandten Touristen trennt. Man ist auf Anhieb geneigt eine Aussprache zu wählen, die dem doch sehr "englisch" aussehenden Schriftbild entspricht. Doch weit gefehlt; gesprochen wird der Ortsnamen "Kirkcoobray" mit einer betonten zweiten Silbe.

Kirkcaldy
Ganz ähnlich wie Kirkcudbright, ergeht es auch Kircaldy, dass richtig "Kircawdie" ausgesprochen wird - wobei die deutsche Zunge immer hinreichend richtig liegt, wenn sie den aus dem altnordisch kommenden Namensbestandteil "Kirk" immer schön "deutsch" spricht.

Lairig Grhu
Der gern gewanderte Pass durch die wilden Cairngorm Mountains spricht sich "lah-rig grew". Die Betonung liegt auf der zweiten Silbe des ersten Wortes.

Lesmahagow
Gesprochen mit einem weichen "s"-Laut und der Betonung auf der vorletzten Silbe wie "Lez-ma-hay-go".

Loch
Obwohl es immer wieder mal falsch als "lock" ausgesprochen wird, haben wir Deutschen es in diesem Falle relativ einfach. Wich sagen schlicht "Loch" wie beim deutschen "Loch". Schotten treiben manchmal mit Engländern ein Späßchen und geben folgende Aussprache-Hilfe: Vergesst beim Ortsnamen "Avoch" einfach die ersten beiden Buchstaben, sprecht ihn richtig "Och!" ... dann sollte es auch mit Rannoch, Kinloch klappen!

Milngavie
Wieder ein Ortsname, der Einheimische von Besuchern trennt. "Gavin's Mühle" (nach anderer Deutung auch die "Wind-Mühle") wird kurz "Mill-guy" gesprochen, wobei die zweite Silbe betont wird.

Oban
Gesprochen wie geschrieben, allerdings mit eine Betonung des "O", nicht des "ban".

Penicuik
Gesprochen "penny cook". Die Aussprache reflektiert dabei stärker als das Schriftbild den gälischen Stamm "gog" (cuckoo, Kuckuck).

Papay (Papa Westray)
Der aus dem altnordischen stammende Namensbestandteil "ay" (Insel) wird je nach Region und Wortstellung sehr unterschiedlich gesprochen. Vornehmlich an der Westküste wird er zu einem "a"-Laut reduziert (vorangestellt auch auf den Northern Isles in Wort und Schrift wie in Papa Westray, Papa Stronsay). Durchgängig zu finden ist die Aussprache ähnlich wie in "hay" oder "say" mit einem gelegentlich etwas helleren "aei"-Ton, während es namentlich im orcadischen Dialekt zu einem langezogenen "i" reduziert wird: Papay gesprochen wie "paapie" mit Betonung des gedehnten "a".

Poolewe
Gesprochen "pool-you", ebenso "you" in "Loch Ewe" und River "Ewe".

Sauchiehall Street
Während die berühmte Einkausstraße in Glasgow korrekt "Saughiehall" Street gesprochen wird, hört man bei vielen Einheimischen eher ein kürzeres, härteres "Suckiehall" Street.

Wemyss
Egal, ob eigenständiger Ortsnamen oder Namensbestandteil: Gesprochen wird es immer "weems" - in Perthshire, in Ayrshire und in Fife.


(tsp/ws)

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