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Die größten Seen Schottlands
Die mit Abstand größten See Schottlands sind Loch Lomond, Loch Ness und Loch Awe. Welcher davon nun der größte ist, hängt vom Blickwinkel des Betrachters ab. In der Länge schenken sie sich jedenfalls nicht viel: Alle drei liegen um die 37 Kilometer, Loch Lomond etwas mehr (ca. 39), Loch Ness etwas weniger (ca.36) zumal wenn man den umittelbar im Norden anschließenden Loch Dochfour außer Betracht läßt - was aber nicht alle Quellen machen.

Will man sie entlang der Uferlinie umwandern, sind schon wesentlich größere Unterschiede zu beachten. So ist der Weg um Loch Lomond stolze 153,5 Kilometer lang (Uferlinie), währen Loch Awe und Loch Ness nur auf 113,5 bzw. 86 Kilometer kommen. Noch stärker werden die Unterschiede in der Länge der Uferlinie, wenn man die Fluktuation des Wasserspiegels im Jahresverlauf betrachtet. Obwohl alle drei Seen reguliert sind, schwankt der Wasserstand des Loch Lomond um nur +/- 2,0m, zeigt damit aber die größten Auswirkungen als Folge überfluteteter Uferzonen. Loch Awe mit Schwankungen um die 2,70m bleibt da deutlich zurück, während die Auswirkungen auf die Länge der Uferlinie bei Loch Ness aufgrund der Lage in einem extrem engen und steilen Tal unbeschadet der größten Schwankungen (2,8m) praktisch keine Auswirkungen zeigen.

Das Verhältnis von Länge des Sees zur Länge der Uferlinie gibt einen ersten Hinweis auf die Fläche, die der jeweilige See bedeckt. Gemessen in Quadratkilometern ist Loch Lomond mit rund 71 km2 der mit Abstand größte See, gefolgt von Loch Ness (56km2) und Loch Awe (39km2). Daran ändert sich auch nichts, wenn man die zahlreichen kleinen Inseln im Südteil von Loch Lomond herausrechnet, also allein die Wasseroberfläche betrachtet.

Was man den Seen nicht ansehen kann, was aber berücksichtigt werden muss, wenn man die Frage nach der jeweiligen Größe umfassend diskutieren will, das sind die drei Größenfaktoren Wassertiefe, Volumen und Einzugsbereich. Unter allen drei Gesichtspunkten sieht man Loch Ness an erster Stelle stehen - und zwar mit weitem Abstand. Nur Loch Ness erreicht Wassertiefen von deutlich über 200m (max. rund 230m), während Loch Lomond mit der Maximaltiefe deutlich unter 200m (max. rund 190m) bleibt, Loch Awe nicht einmal die 100m an der tiefsten Stelle erreicht (max. knapp 94m). Noch einmal sehr deutlich zeigen sich die Unterschiede bei der durchschnittlichen Wassertiefe der drei Seen: Mit etwa 132m im Durchschnitt ist Loch Ness annähernd viermal so tief wie Loch Lomond (37m) und Loch Awe (32m).

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Interessant ist hierbei auch ein Vergleich zwischen Loch Lomond und Loch Awe: Loch Awe erreicht zwar bei Weitem nicht die absoluten Tiefen von Loch Lomond, nähert sich aber mit der durchschnittlichen Tiefe Loch Lomond überraschend stark an. Ursächlich dafür ist die Tatsache, dass sich Loch Lomond im Gegensatz zu den beiden anderen Seen in zwei Teile grundsätzlich unterschiedlicher Natur gliedert. Der nördliche Teil von Loch Lomond hat eine ähnliche Charakteristik wie Loch Ness und Loch Awe. Eingezwängt in ein enges Tal erreich Loch Lomond hier sehr große Tiefen. In diesem Teil hat er auch eine vergleichbare Enstehungsgeschichte wie Loch Ness und Loch Awe: Der See füllt hier ein tiefgründig ausgeräumtes Gletschertal. Typisch dafür sind die strken Übertiefungen mit einer deutlich sichtbaren Schwelle zwischen den tiefsten Stellen, wie sie sowohl bei der Darstellung von Loch Ness als auch von Loch Lomond deutlich werden - wenngleich in unterschiedlichen Tiefenniveaus.

Der gesamte südliche Teil des Loch Lomond ist dagegen im Vergleich ein ausgesprochen flaches Gewässer. Ursächlich dafür sind zum einem flächig ausgedehnte marine Ablagerungen aus der Zeit, als der See noch eine offene Verbindung zur Clyde-Mündung hatte und nachfolgende Hebungen der Meeresküste, durch die der keine acht Meter über dem Meeresspiegel liegende See letztlich von der Clydemündung abgeschnitten wurde.

Die Tiefe der Seen ist das entscheidende Kriterium für die Berechnung des Volumens. Mit einem Volumen von 7,45 km3 (und damit eine der größten Süßwasserreserven auf den Britischen Inseln) belegt Loch Ness eindeutig den ersten Platz vor Loch Lomond (rund 2,6 km3) und Loch Awe mit nur 1,2 km3. Gespeist wird Loch Ness aus einem Einzugsgebiet, das mit 1775 km2 fast 32 mal größer ist als der See selbst. Dagegen fallen die Einzugsbereiche von Loch Lomond mit 969 km2 (gut das 9-fache der Fläche) und Loch Awe mit 780 km2 (das 20-fache der Fläche) vergleichsweise bescheiden aus.

Betrachtet man die drei Seen über diese rein technischen Daten hinaus, muss in aller Kürze folgendes angemerkt werden:
Loch Ness war einst als integrierter Bestandteil des Caledonian Canals eine vielbefahrene wichtige Wasserstraße, die die West- mit der Ostküste verband. Heute ist er in erster Linie Touristenattraktion, sowohl als Wasserstraße für zahlreiche Hausboottouristen, vor allem aber in Folge der aggressiven Vermarktung seines bekanntesten Bewohners - Nessie - und Attraktionen wie die einmalige Ruine von Urquhart Castle. Als Fischereigewässer hat der See dagegen wegen des extrem nährstoffarmen Wassers nie eine Bedeutung gespielt. Die ganze landschaftliche Schönheit der Region erschließt sich aber erst, wenn man den See abseits vom Touristentrubel entlang der alten Miltärstraßen auf seinem Süd-/Ostufer bereist.
Das Gebiet um Loch Lomond gilt spätestens seit der Mitte des 19. Jahrhunderts als eine der landschaftlichen Hauptattraktionen des schottischen Tourismus. Entsprechend stark ausgebaut ist die Touristik-Infrastruktur, insbesondere am Süd- und Westufer. Als Teil des Nationalparks Loch Lomond und Trossachs hat er eine weitere Aufwertung erfahren. Als einziger der Seen hatte Loch Lomond zumindest regional eine gewisse Bedeutung als Fischereirevier zur Versorgung der Anwohner. Wer die landschaftliche Schönheit voll auskosten will, ist gut beraten, als Wanderer das Ostufer rund um Rowandenna Lodge zu erkunden.
Loch Awe liegt dagegen - fast möchte man sagen: Gott sei Dank! - etwas stärker abseits der Haupttouristenströme in einem der öklogisch wertvollsten Gebiete Westschottlands. Egal, ob man auf der schmalen Nebenstrecke entlang des Südufers mit dem Auto fährt oder sich das Nordufer erwandert: Überall trifft man auf Reste alter, natürlicher Waldbestände durch die hindurch sich immer wieder reizvolle Blicke auf den See ergeben.


(tsp/ws)
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