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Die Geologie der Northern Isles - Storm Coasts in Shetland
Die Stürme der frühen 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts haben erneut das Interesse der Wissenschaftler geweckt, zeigten sie doch, wie gewaltig sich Sturm und Wellen auswirken können. An etlichen Stellen überspülten die Wellen 20 Meter hohe Kliffs, in Eshaness erreichten sie sogar Kliffkanten in 35 Meter Höhe und hinterließen dabei teils sehr große Felsblöcke. Die größte Wirkung entfalteten die Wellen offensichtlich an solchen Stellen, wo die Kliffkanten direkt über Tiefwasserzonen stehen, dort also, wo die Wellen nicht durch das Auflaufen in Flachwasserzonen gebrochen werden, so dass sie dabei ihre Energie langsam bei der Annäherung an die Küste verlieren.

Die Shetlander haben immer schon mit dem gebührenden Respekt die Macht der See an ihren Küsten beobachtet und die Ergebnisse solcher Ereignisse genau verzeichnet. David Stevenson beobachtete beim Bau des Leuchtturms von Muckle Flugga, dass im Jahr 1842 ein 6 Tonnen schwerer Block auf eine Höhe von 25 Metern über NN geschleudert wurde. 1970 stellte der Geolocical Survey fest, dass der Blockwall beim Grind of the Navir nichts anderes als die extreme Form eines Strandwalles darstellt, der bisher von den Geologen übersehen worden war: Statt wie üblich im seichten Wasser vor der Uferlinie zu liegen, liegt er in 18 Metern Höhe auf einer Kliffkante.

In den jüngsten Jahren bestätigten Berichte von Bohrinseln gleich mehrfach altes "Seemannsgarn" von besonders hohen und steilen Wellen, sogenannten "rogues" oder Killerwellen. Aus den Gewässern westlich von Shetland weiß man von einer gut 24 Meter hohen Welle aus dem Jahr 1961. Lasermessungen von den Plattformen des norwegischen Draupner Feldes der Statoil bestätigten am Neujahrstag 1995 eine 26 Meter hohe Welle in der Nordsee.

Nach der gängigen Lehrmeinung haben diese Wellen, die entstehen, wenn bei sehr starken Stürmen sogenannte Wellenzüge sich im Nordatlantik vereinen, allerdings nur eine recht kurze Lebenserwartung. Die Küste von Eshaness - eine der wenigen Stellen entlang der britischen Küste, wo solche Beobachtungen möglich sind - berichtet jedoch von der Ankunft mehrerer solcher Wellen in historischer Zeit.

Die Kliffs am Grind of the Navir und bei den Villians of Hamnavoe zeigen die Ablagerungen von solchen Vorgängen besonders deutlich. Zum Teil handelt es sich dabei um ganze Felder, die mit solchem Transportschutt bedeckt sind, zum Teil liegt das Material in Form von Wällen fein säuberlich sortiert. Als Faustregel kann man davon ausgehen, dass eine Sortierung in Wällen stärker durch die Einwirkung einer oder mehrerer Wellen entstand, während die flächenhaften Formen deutlicher durch längere Phasen unter stärkerer Windbeeinflussung gebildet wurden. Da die Blöcke in der Regel auf weichem Torfuntergrund landen, bieten sich hervorragende Möglichkeiten zur Datierung auch älterer Naturereignisse: Unter den Blöcken kommt es nämlich zu keiner Neubildung pflanzlichen Materials, der Zustand bei Einschlag wird so zu sagen versiegelt. So konnte man klar nachweisen, dass die Ablagerungen der Stürme der 90er-Jahre mit Windgeschwindigkeiten bis 200 mph noch weit von älteren Ereignissen übertroffen wurden.

Nicht immer fliegen große Brocken umher, aber Wanderer in diesen Gebieten sind gut beraten, angemessene Vorsichtsmaßnahmen zu treffen. Im Frühjahr und im Herbst können aus dem Nichts Windstärkern von 5 bis 6 im Mittel mit Böen in Sturmstärke auftreten - und dann setzten sich erste, Steine in Bewegung ...

copyright tsp/ws

Zieht überraschend ein Sturm auf, verwandelt sich die Küste in einen Hexenkessel, schleudert die Brandung je nach Sturmstärke vom Hühnerei großen Stein bis zum zig-kilo-schweren Felsklotz alles die gut 20 bis 40 Meter hohe Kliffkante hinauf (rot umrandet = anstehender Fels; gelb eingekreist = hochgeschleudertes Gesteinsmaterial der storm coast).


(tsp/ws)
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