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Die Geologie der Western Isles
Die Region besteht aus den Äußeren Hebriden und den nördlichen Inseln der Inneren Hebriden, also im wesentlichen der Insel Skye und ihren kleineren Nachbarn der sog. Small Isles Region.

Die Äußeren Hebriden sind fast ausnahmslos aus den sogenannten Lewis Gneisen aufgebaut. Bei diesem über 3 Mrd Jahre alten Gesteinen handelte es sich ursprünglich um grantitartiges Material, das zigmal unter Druck geraten und metamorphorisiert worden ist. Im Zuge der verschiedenen Gebirgsbildungsprozesse kam es schließlich an die Erdoberfläche. Kleinere Vorkommen finden sich aber auch auf Raasay, Skye, Rum, Coll und Tiree.

Die nächstältesten Gesteine, hier rote Torridon Sandsteine (1 Mrd Jahre alt), finden wir auf Skye, Rum und Raasay. Auf allen drei Inseln sind auch das Kambrium und das Ordovicium mit verschiedenen Materialien vertreten: Die Pallette der 550 bis 450 Mio Jahre alten Formationen reicht von weißlichen, marinen Sandsteinen bis zu hellen marinen Kalksteinen.

Rund um Stornoway/Lewis, auf Raasay, Skye Eigg und Rum liegen Sedimente aus allen drei Epochen des Erdmittelalters: Trias, Kreide und Jura. Die 245 bis 90 Mio Jahre alten Gesteine - ursprünglich von Flüßen bzw. einem flachen Randmeer abgelagert - sind aber derart miteinander vermengt, dass sie vor Ort nur noch der Fachmann auseinanderhalten kann.

Namentlich auf Rum und Skye haben sich große Komplexe der jüngsten Gesteine erhalten: Nur knapp 60 Mio Jahre alte Zeugnisse vulkanischer Aktivitäten, die von der beginnenden Öffnung des Atlantiks künden.

copyright tsp/ws

Die ganze Region ist bekannt für ihre vielfältigen glazialmorphologischen Formen. Die Äußeren Hebriden und unter ihnen namentlich St Kilda sind typisch für die Vorgänge an den Rändern der ehemaligen Eislagen, insbesondere für die Ablagerungen und Geschiebe, die bei rasch aufeinander folgenden Vorstößen einzelner Gletscherzungen entstanden.

In den Bergen und Tälern von Harris lassen sich die Spuren der Inlandvereisungen außergewöhnlich gut beobachten. Das Problem hier wie an anderen Orten der Region ist allerdings: Die glazialen Ablagerungen sind außergewöhnlich gering an Masse und nur "in dünnen Schichten" aufgetragen, wodurch die Zuordnung zu einzelnen Phasen der letzten Eiszeit erschwert wird.

Von den gewaltigen Kliffs auf St Kilda (den höchsten Kliffs auf den britischen Inseln und in Nord-Westeuropa überhaupt) über unzähligen kleinen stacks und skerries rund um Lewis und Skye bis hin zu kleinräumigen Anlandungen und Erosionen vor allem am Butt of Lewis ist die gesamte Pallette von Formen gegenwärtiger Küstenbildung und -gestaltung als Folge jüngster Meeresspiegelschwankungen zu beobachten.

copyright tsp/ws

Stornoway
Vorkommen aus dem Erdmittelalter sind in Schottland vergleichsweise dünn gestreut. Um so bedeutender sind die Vorkommen rund um die Stadt Stornoway, die zumindest teilweise auch ihre Existenz an dieser Stelle diesen Gesteinen verdankt. Sie ließen sich leichter als Baumaterial gewinnen und verarbeiten als die Lewis Gneise im Rest der Insel.

Wer also nicht im Gelände nach den typischen Gesteinen suchen will, der ist gut beraten, offenen Auges durch die Stadt zu gehen. Als Verblendmaterial an Fassaden, als Tür- und Fensterstürze findet er immer wieder die teilweise fossilienführenden, kalkhaltigen Gesteine aus Trias, Jura und Kreidezeit verbaut.

Uists
Die beiden Uists stehen stellvertretend für die Äußeren Hebriden insgesamt, hier insbesondere wegen dem Reichtum an geomorpholigischen Formen als Spuren der letzten Eiszeiten. Ihre Moränenstaffeln markieren die Grenzlagen der letzten schottischen Vereisung, das Material, das mit ihnen vom schottischen Festland über 200 km und mehr hierher verfrachtet wurde, erlaubte die entscheidenden Schlüsse auf Stoßrichtung und -intensität der letzten Gletschervorstöße zum Ende der dauerhaften Vereisung vor etwa 20000 bis 18000 Jahren.

Isle of Skye - The Cuillin Hills
Es gibt die Black Cuillin und die Red Cuillin und es ist nicht nur die "Farbe", an der selbst der Laie die beiden Höhenzüge auseinander halten kann. Auf den wesentlichen Unterschied weist schon der deutsche Geologe Alfred Harker hin, der anfangs des 20. Jh. als erster die Cuillins im Detail studierte und wissenschaftlich beschrieb: Beide Höhenzüge gehören zu einem tertiären Zentrum vulkanischer Aktivität, markieren aber mit ihren unterschiedlichen Gesteinen verschiedene Aktionsphasen.

Die heute stärker erodierten, zerklüffteten Black Cuillins - vom Gesamteindruck her verkörpern sie am stärksten ein "alpines" Landschaftsbild in Schottland - bestehen überwiegend aus Gabbro und zeugen von einer ersten Vulkanphase. Die jüngeren Red Cuillins verdanken ihre ausgeglicheneren Formen den roten Graniten, aus denen sie weit überwiegend aufgebaut sind.

Beide Höhenzüge sind eingebettet in mächtige Basaltlagen, die nicht aus diesen Aktivitätszentren stammen, sondern ihrerseits eine nochmals etwas ältere Phase vulkanischer Aktivitäten markieren, in der sich diese Skye Main Lava Series aus gewaltigen Spalten im Grundgebirge ergossen. Die Magmaschlote der Cuillins haben später dann diese Deckschichte durchstoßen, so dass die verwitterten Schloreste sich heute als die optisch sichtbaren Berge über das eingetalte Basaltplateau erheben.

Isle of Skye - Trotternish
Die Gesteine der Totternish Halbinsel bestehen im Wesentlichen aus Jura-Sedimenten (die vollständigste Serie in Schottland überhaupt), die teilweise von mächtigen tertiären Lavaströmen überlagert sind. Bis zu 24 Lavaschichten mit einer Gesamtmächtigkeit von mehr als 300 Metern hat man inzwischen unterschieden.

Diese Materialvielfalt ist mit ursächlich für das beeindruckende Landschaftsbild der Halbinsel Totternish, erklärt aber nicht alles.

Gerade dort, wo etwa mit den Quirang und der Felsnadel The Storr die Landschaft besonders imposant gestaltet ist, kommt ein weiteres und in dieser Form in Schottland einmaliges Phänomen hinzu: Die Wirkung eines gewaltigen Erdrutsches. Auf einer Braite von mehr als 2 Kilometern - dem größten nacheiszeitlichen Erdrutsch in Schottland überhaupt - sind einige hundert Meter mächtige Deckschichten auf einer noch nicht endgültig ermittelten Länge von gleichfalls mehreren Kilometern verrutscht.

Dabei kam es einerseits zu einer starken Materialdurchmischung und zahlreichen neuen Angriffspunkten für die nachfolgende Erosion durch Wind und Wasser, die die derzeit sichtbaren Formen gestalteten.

Rum
Bei der kleinen, in Reilen stark zerklüffteten Insel handelt es sich um den stark erodierten Kern eines tertiären Vulkanzentrums. Auffallend ist der hohe Anteil sogenannten ultramafic rocks, magnetischer Gesteine mit einem sehr hohen Eisen- und Mangnesium-Anteil bei gleichzeitig nur geringen Silikatbeimischungen. Dies Material markiert den Boden der ehemaligen Magmakammer, deren Inhalt sich ansonsten über die ganze Insel und ihre Umgebung ergossen hat. (Hinweis: Es besteht zwar keine Gefahr, sich großartig zu verlaufen, aber wer die Verhältnisse vor Ort genauer studieren will, muss mit deutlichen Missweisungen handelsüblicher Kompasse rechnen).

Insgesamt sind zwei große Phasen vulkanischer Aktivität unterscheidbar, wodurch sich auch die Vielfallt nachweisbarer Gesteine erklärt. Sie reicht von Tuffen über vulkanische Breccien bis hin zu verschiedenen Basalt- und Gabbro-Formationen, die sich zumeist durch ihren unterschiedlichen Feldspatanteil unterscheiden lassen.


(tsp/ws)
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