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Schottland im Regen ...
Sicher, jeder Reisende hat es einmal erlebt.

Doch so schlimm, wie es aus manchen Berichten klingt, ist es um das Wetter - hier: die Niederschlagsmengen - gar nicht bestellt. Man muss sich nur einmal die Niederschlagsverteilung im langjährigen Mittel einmal genau ansehen. Im Detail erhält man dann einige recht überraschende Einsichten.

Vorweg: Immer, wenn Meteorologen von Niederschlag reden, dann sprechen sie vom gesamten Niederschlag, keinesfalls nur von Regen. Auch Nebel bringt Niederschlag, auch die tiefliegenden Wolken, die sich an den Küstengebirgen festsetzen bringen Niederschlag - und zwar zu ganz erheblichen Teilen und ohne, dass wir sie als Regen wahrnehmen. Ja selbst geringste Temperaturschwankungen führen kleinräumig dazu, dass sich das in großen Mengen gasförmig in der Luft gelöste Wasser sofort im Gras und auf den Blättern der Bäume und Büsche niederschlägt - und so nah, wie die meisten Teile Schottlands am Meer liegen, so hoch ist die relative Luftfeuchtigkeit.

copyright tsp/ws

Beim Blick auf die Karte stellt man folgendes fest:

Der Osten Schottlands weist wesentlich geringere Niederschläge auf
als der Westen.
Im Windschatten fernab der westlichen Gebirge gibt es an den Küsten
von Nairn, Banff und im Nordosten von Aberdeenshire zwar schmale, aber ausgesprochen niederschlagsarme Küstenstreifen.
Selbst die Inseln vor der Westküste, stärker noch die Northern Isles,
zeigen genau genommen noch recht moderate Niederschlagswerte, obwohl sie zu den Gebieten gehören, die von Touristen mit als erste genannt werden, wenn vom reregnreichen Schottland die Rede ist. Vor allem die flacheren Inseln und tiefgelegenen Küstenbereiche, die den Atlantikwolken keine Hindernisse in den Weg stellen, zeigen deutlich niedrigere Niederschlagswerte.
Auf dem schottischen Festland entspricht die Verteilung der Nieder-
schlagsmengen einem Spiegelbild des Reliefs. Deutlich heben sich im Süden auf moderatem Niveau die Gipfellagen der Southern Uplands hervor. Auf deutlich höherem Niveau zeichnen sich dagegen die Küstengebirge Westschottlands ab.

Deutlich wird aber auch, dass keinesfalls die ganze Westküste Schottlands ein einziges Regenloch ist. Im Gegenteil: Im Windschatten von Skye etwa gibt es größere Küstenstreifen, die durchschnittlich nur minimal höhere Niederschlagsmengen aufweisen als Zentralschottland und weite Teile Ostschottlands.

copyright tsp/ws

Was aber nützt die ganze Darstellung, ohne entsprechende Vergleichswerte? … Zumal dann, wenn dieser Vergleich doch recht verblüffend ausfällt! Ganz grob gesagt, muss der deutsche Tourist nur auf gut einem Drittel der Fläche Schottlands mit deutlich höheren durchschnittlichen Niederschlagswerten als in Deutschland selbst rechnen. Diese Regionen liegen durchweg in den höheren Lagen des schottischen Westens.

Noch verblüffender ist das Ergebnis, wenn man etwa auf Höhe Inverness einmal Vergleichswerte für süddeutsche und angrenzende Regionen einträgt, die selbst nicht gerade im Verdacht stehen, zu den europäischen Schlechtwettergebieten zu zählen. Rein "niederschlagstechnisch" bewegt sich der Tourist nämlich "in Baden-Württemberg", im Oberrheintal, im Schwarzwald, auf der Schwäbischen Alb und angrenzenden Gebieten des südlichen Rheinland-Pfalz, des Elsass und Vorarlbergs.

Was dennoch die ganz unterschiedliche Wahrnehmung ausmacht, sind nicht die Niederschläge selbst, sondern die Art der Niederschläge (etwa häufiger aufziehende Seenebel, bis auf den Boden mittlerer Höhen reichende Wolkenuntergrenzen) und vor allem das Zusammenwirken von Niederschlag und Temperatur.


(tsp/ws)
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