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Benachteiligte Gebiete Schottlands
In der Fördergebietslandschaft der EU muss man genau genommen zwei prioritäre Fördergebietstypen unterscheinden: 'Less Favoured Areas (LFA)' und 'Disadvantaged Areas (DA)'. Im deutschen Sprachgebrauch wurde allgemein zwischen "benachteiligten" und "strukturschwachen" Gebieten unterschieden.

"Benachteiligungen" ergaben sich aufgrund der physischen Ausstattung der Regionen (geringe Bodenqualität, schlechte Klimaverhältnisse) und der Lage (abgeschieden, marktfern, 'periphär'). Das Lagekriterium bildete zudem das definitorische Bindeglied zur "Strukturschwäche", die sich in der Regel über eine mangelhafte Verkehrs- und Kommunikationsinfastruktur und eine wenig oder einseitig entwickelte gewerbliche Wirtschaft definierte. Benachteiligungen wurden über die Agrarförderung, Strukturschwächen über die allgemeine Regionalförderung kompensiert, wobei im Falle einer "Mehrfach-Benachteiligung" komplementär gefördert werden konnte.

Im Europa der 15 war praktisch ganz Schottland Fördergebiet höchster Prioritätsstufe. Genaugenommen galten 84 Prozent der landwirtschaftlichen Gebiete als "benachteiligte Gebiete", davon wiederum 98 Prozent als "stark benachteiligte Gebiete" im Sinne der EU-Förderkriterien.

copyright tsp/ws

Ausgenommen der Großraum Glasgow und Teile von Ayrshire liegen alle nicht benachteiligten Gebiete in den küstennahen Landstrichen im Osten von Schottland.

Nun ist es aber keinesfalls so, dass man alle benachteiligten Gebiete Schottlands über einen Kamm scheren kann. Deutlich wird dies, wenn man extreme Verhältnisse innerhab der benachteiligten Gebiete einander gegenüber stellt. So gehört zum Beispiel die Grünlandwirtschaft auf Orkney mit ihrem deutlichen Schwerpunkt in den Bereichen Bullenmast und Milcherzeugung zum Produktivsten, was dieser Sektor eu-weit zu bieten hat, während sich die meisten Schafzuchtbetriebe in Shetland und auf den Western Isles am Rande des Existenzminimums bewegen. Die Benachteiligung der orkadischen Landwirtschaft ergibt sich einzig und allein aus der Marktferne und der Insellage, die derart hohe Vermarktungskosten mit sich bringt, das jedwede landwirtschaftliche Produktion ohne entsprechende Förderung wirtschaftlich zum Scheitern verurteilt wäre. Ähnliche Unterschiede - wenngleich auf deutlich geringerem Niveau - tun sich auf, wenn man Teile von Dumfries & Galloway vergleicht mit dem Nordwesten der Highlands.

Genau in diesen Unterschieden liegen die Zukunftsrisiken für die benachteiligten Gebiete Schottlands angesichts der für 2006 anstehenden Überarbeitung der Förderkriterien und des Neuzuschnitts der Fördergebiete.

Dabei wird sich das obige Kartenbild wahrscheinlich nicht einmal wesentlich ändern, auch wenn einige Teile im Süden Schottlands hinsichtlich der Förderpriorität herabgestuft werden sollten bzw. ganz aus den Fördergebieten rausfallen. Drastisch ändern werden sich allerdings die Inhalte, die dann hinter dem Kartenbild stehen. Die Kriterien rein physischer Benachteiligung sind kaum anders zu definieren, allenfalls in einigen Grenzwerten zu korrigieren. Viel stärker "manipulierbar" sind Kriterien zur Definition allgemeiner Strukturschwächen und dabei werden weite Teile des schottischen Festlandes im Wettbewerb mit infrastrukturell schlechter gestellten und marktferner gelegenen Regionen der EU aus der Förderung rausfallen.


(tsp/ws)
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