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Eine kleine schottische Warenkunde - Harris Tweed
Seit Jahrhunderten haben die Bewohner von Lewis, Harris, Uist und Barra das "sagenhafte Tuch" hergestellt, dass die Welt unter dem Namen Harris Tweed kennt, das in der Originalsprache aber nur Clo Mhor - das große Tuch - heißt. Ursprünglich wurde der schwere und strapazierfähige Wollstoff in rein häuslicher Handarbeit und nur für den Eigenbedarf produziert. Mit der industriellen Revolution wurde die Fertigung auf dem Festland schnell mechanisiert, während an der Westküste und den Äußeren Hebriden weiterhin die kleinteilige Fertigung von Hand fortbestand.

1846 beauftragte Lady Dunmore, die Witwe des Earl of Dunmore, Weber aus Harris, den Murray Tartan als leichteren Tweed zu produzieren. Dieser Auftrag markiert die Geburtsstunde der modernen Harris Tweed Produktion.

copyright tsp/ws 1909 wurde das bis heute gültige Gütesiegel "The Orb" verliehen, dass 1910 als Warenzeichen registriert wurde. Ab 1911 wurden damit alle Stoffe gekennzeichnet, für die folgender Ursprungsnachweis geltend gemacht werden konnte: Harris Tweed means a tweed made from pure virgin wool produced in Scotland, spun, dyed and finished

in Outer Hebrides and hand-woven by the islanders at their own homes in the Islands of Lewis , Harris, Uist, Barra and their several purtenances and all known as the Outer Hebrides. Dem Gütesiegel konnten außerdem die Herkunftsbezeichnungen "Woven in Lewis", "Woven in Harris", "Woven in Uist" oder "Woven in Barra" in leicht lesbarem Schriftzug hinzugefügt werden.

Die Einführung des "Hattersley single width loom" durch Lord Leverhulme in den 1920er Jahren erlaubte die Produktion größerer Mengen und Muster. 1934 wurde die Trademark-Beschreibung erweitert: Ab sofort durften auch Garne verarbeitet werden, die in industriellen Spinnereien hergestellt worden waren. Dies war die produktionstechnische Basis, die unverändert bis 1996 galt und die auch die Grundlage war, auf der 1964 - in dem bis dahin längsten Wirtschaftsprozess der britischen Geschichte - das Warenzeichen gesetzlich geschützt wurde.

Per Gesetz von 1993 wurde die Erzeugergemeinschaft Harris Tweed Association in eine öffentlich-rechtliche Aufsichtbehörde die Harris Tweed Authority umgewandelt, die seitdem den Schutz des Gütesiegels und die Vermarktung der Produkte weltweit sichert. Um die steigende Nachfrage der Textilindustrie nach ökonomisch besser zu verarbeitenden Stoffbreiten zu decken, wurde als letzter Schritt 1996 die Benutzung der sogenannten "Bonas-Griffith double width" Webstühle genehmigt.

Ansonsten blieben die Vorschriften von 1934 unverändert. Harris Tweed ist bis heute ein Produkt, das ausschließlich in kleingewerblicher Heimarbeit von den Kleinbauern der Äußeren Hebriden aus rein heimischen Rohstoffen erzeugt wird - auch wenn die Weber heute durchweg im Lohnauftrag von Großwebereien arbeiten, die die einzuhaltenden Qualitätsstandards vorgeben und die Erzeugerprise bestimmen.

copyright tsp/ws
Weber aus Lewis mit seinem traditionellen "Single width"-Webstuhl


(tsp/ws)

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