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Regionen Inseln |
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| Northern Isles - Shetland |
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Einwohner insgesamt: 21.988
davon
in Lerwick: 7.500
in Scalloway: 1.250
Fläche insgesamt: 1468 km2
In Shetland bewegen uns noch einmal rund einen Breitengrad weiter nördlich als in Orkney, sind jetzt auf der geographischen Breite von Süd-Grönland angekommen. Die nächstgelegene Großstadt: das norwegische Bergen. Verlegen wir den Leuchtturm von Muckle Flugga gedanklich an die Nordküste der Ostseeinsel Poel, dann liegt Fair Isle, Shetlands südlichste Insel, ungefähr bei Havelberg.
Shetland, das sind 100+ Inseln, wobei das "+"-Zeichen von größerer Bedeutung ist, als beim Nachbarn Orkney. Nur 15 Inseln sind bewohnt, die aber allesamt Dank der gut ausgebauten Straßen und Brücken (südwestliche Inseln jenseits Scalloway und Muckle Roe) und des akzeptablen Nahverkehrssystems bequem mit Fähren und ÖPNV erreichbar sind (nördliche Inseln einschließlich Out Skerries). Nur der Besuch von Fair Isle und Foula erfordert wegen der abseitigen Lage etwas Vorbereitungsaufwand, ein Abstecher nach Papa Stour kann an den im Papposunt herrschenden Strömungsverhältnisssen scheitern. Doch es gibt ja noch die Flieger von LoganAir.
Shetlands höchsten Berg bildet das gewaltige Granitmassiv des Ronas Hill (450m) im nördlichen Teil Mainlands. Für den "normalen Touristen" interessanter sind aber die mittleren Lagen, die das Zentrum Mainlands gliedern. Entlang der Straßen öffnen sich immer wieder weite Blicke ins Umland, was das Landschaftserlebnis Shetland insgesamt etwas abwechslungsreicher als in Orkney macht.
Ein weiteres, das insgesamt eher rauhe Landschaftsbild prägende Element bilden die Hunderte von Seen, Teichen und Tümpeln. Dass ein großer Teil davon im wahrsten Sinne handgemacht ist (ehemalige Torfstiche, also eigentlich "Umweltsünden"), tut dem landschaftlichen Reiz keinen Abbruch, im Gegenteil.
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| Blick über Weisdale Voe nach Westen |
Von den rund 24000 Shetländern lebt rund 1/3 in der Inselhauptstadt Lerwick (7500). Zweitgrößter Ort ist die ehemalige Hauptstadt Scalloway mit rund 1250 Einwohnern. Alle übrigen Siedlungszentren (Hamnavoe, Walls, Brae, Voe, Aith oder Haroldswick auf Unst) sind deutlich kleiner, als Zentren meist nur an den Straßenschildern zu identifizieren.
Daran scheitert letztlich auch jeder Versuch, die 18 amtlichen Gemeinden des seit der letzten Gebietsreform selbständigen Shetland Islands Council einigermaßen nachvollziehbar, räumlich zu definieren. Stärker noch als die Einwohner von Orkney orientieren sich die Shetländer an den traditionellen Gebietsnamen, die häufig keinen Niederschlag in amtlichen Ausweisungen und Schildern finden. Doch problematisch wird dies nur in Ausnahmefällen, etwa dann, wenn eine vorgelagerte Insel wie Fetlar von zwei Fährpiers aus bedient wird, für die in den Fähr-Fahrplänen die amtlichen Namen ausgewiesen sind, für die aber Einwohner von Lerwick bzw. Northmavine unterschiedliche Gebietsnamen verwenden: Dann muss man beim Bier schon einmal vier bis sechs Namen hin und her sortieren, um zur rechten Zeit am rechten Ort zu sein.
Wen trifft man dort?
Im Wesentlichen handelt es sich um eine Mischung von Touristen wie in Orkney. Mit zwei Ausnahmen vielleicht: Der Anteil skandinavischer Besucher ist etwas höher als auf Orkney, ebenso wie der Anteil von durchreisenden Gästen, die auf Fähranschlüsse von bzw. nach Island, den Färöer bzw. Norwegen warten.
Und dann sind da noch die zahlreichen Freunde der Shetland Ponies aus aller Welt, große und kleine, allesamt auf der Suche nach einer noch wildlebenden Herde. Stolz lassen sie sich dann mit solchen Gesellen vor einem der besonderen Straßenschilder fotografieren, nicht ahnend, dass die Tiere von einem nahen Reiterhof stammen, während die "wahren Wilden" 500 Meter jenseits des nächsten Hügels und dankbar für diese Ablenkungsmanöver ihrer Artgenossen grasen.
So stiftet man Verwirrung
Wenn man allzu leichtgläubig den Sprachgebrauch deutscher Fernsehproduktionen übernimmt und von den kleinen Pferden als "Shelties" redet. Zwar machten dies bis ins letzte Jahrhundert hinein auch die Orkadier, aber für den Shetländer gilt: Ponies sind Ponies, Shelties sind Shelties, nämlich Shetlands Hütehunde, kleiner zwar als die "Lassies", die man vom Fernsehen und Kino kennt, aber eben auch "Colliartige", im Klartext: Hunde - für all diejenigen, die Lassie nicht mehr in 1000 Folgen genossen haben.
Oder: Man bricht eine Diskussion über die Benzinpreise vom Zaune nach dem Motto: Ihr habt doch hier auf den Inseln einen der größten Oil-Terminals auf der Welt - warum ist dann der Sprit so teuer? … Nicht wissend, dass in Sullom Voe zwar viel Öl aus den Pipelines getrennt und umgeschlagen, aber nicht ein Tropfen davon rafinniert (oder raffineriert?) wird.
Anmerkungen zu einzelnen Inseln
Mainland
Die Hauptinsel Shetlands muss man eigentlich in drei gesonderten Teilen betrachten. Da ist der "rauhe Norden" jenseits der schmalsten Stelle der Insel, der nur gut 150 Meter breiten Landbrücke von Mavis Grind. Ronas Hill, die höchste Erhebung Shetlands, ein gewaltiger Block aus rotem Granit fällt sofort ins Auge. Nackter Fels auf der einen Straßenseite, gepflegtes Crofterland auf der anderen. Im Kontrast dazu die Küsten der Halbinsel Eshaness, ein wild zerklüfteter Kraterrand aus Basalt mit bizarren Küstenformen - und nicht minder bizarren Menschen, deren stiller aber feinsinniger Humor selbst in den Grabsteinen seinen Niederschlag findet: "Er starb, weil ihm statt des gewünschten Abführmittels nichtsahnend ein Gift verabreicht wurde".
Die Mitte und der Westen der Insel sind weniger rauh. Weiseland ist in stärkerem Umfange vertreten. Von der relativen Standortgunst zeugen Hinterlassenschafften der verschiedensten Siedlungsperioden: Rätselhafte steinzeitliche Anlagen wie der "Stanydale Temple", kleine Mühlen im Stile der Wikinger wie die Huxter Clack Mills große "Estate Mills" und einige feine Herrenhäuser, die wie Busta House oder Burrastowe House mittlerweile zu Hotels umgestaltet wurden.
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| Verwilderter Garten bei Burrastowe House, West Mainland |
Der Süden, die Klinge des "Schwertes", wie der alte Name für Shetland (Hjaltland) sinngemäß lautet war wohl immer die Kornkammer, die kleine, bescheiden Kornkammer der Inselgruppe. Davon künden zahlreiche Relikte, wie die einmalen Brochs von Clickhimin, Scatness aber vor allem Mousa, große Siedlungen wie Jarlshof - von der Steinzeit über die Wikingerzeit bis in die Neuzeit besiedelt und durch Sir Walter Scott dem Vergessen entrissen - aber auch noch "modernere" Baudenkmäler wie die Wassermühle von Quendale.
Unst
Die ehemalige Landstation der Leuchtturmwärter von Muckle Flugga beherbergt heute das Visitor Centre zum Hermaness Bird Reserve. Hier beginnt der Aufstieg in das Naturschutzgebiet, von dessen höchstem Punkt Sie einen schönen Blick auf Schottlands nördlichsten Leuchtturm und zahlreiche Stacks haben. Doch Vorsicht: Sie bewegen sich wieder im Reiche der Skuas, die auf den Höhen nisten!
In der äußersten Norwestecke der Inseln liegt die Haa of Skaw. Zwar ist die Zufahrtstraße auf den letzten 2 Kilometern heute wegen Steinschlaggefahr gesperrt, aber ein Ausflug lohnt dennoch für alle, die ein typisches Shetland Gehöft sehen und studieren wollen: Langhaus, Stallkomplex, der typische Schuppen mit einer ausgedienten Yawl als Dach. Abwechselungsreiche Strände laden zudem zum Spaziergang ein.
Auf dem Weg in den Norden findet man manche Überraschung. Ponies gehören dazu, die sie an der Zufahrt zum Golfplatz in Burrafirth begrüßen - um nicht zu sagen: belagern - oder aber auch den einmaligen Unst Bus Shelter. Das gläserne Wartehäuschen des Shetland Island Council haben die Einheimischen liebevoll möbliert, um die ansonsten unerträglich langen Wartezeiten auf den nächsten Linienbus so angenehm wie möglich zu gestalten. Sofa, Fernseher, Snacks, neuerdings sogar ein Computer und eben ein Fahrrad für die ganz Ungeduldigen.
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| The Unst Bus Shelter – Die komfortabelste Bushaltestelle im UK |
Zwei Pflichtstationen gibt es noch im Norden von Unst: Für Philatelisten ist es das nördlichste Postamt auf den britischen Inseln in Haroldswick, um dort ihre Grußpost aufzugeben, versehen natürlich mit dem Sonderstempel des Postamtes.
Der Unst Boat Haven ist mehr als nur ein Museum. Es ist der letzte Ruheplatz für einige in langen Dienstjahren leck geschlagene Yawls, eine einmalige Schausammlung, um in aller Ruhe die Feinheiten der Kunst des traditionellen Bootsbaus zu studieren. Richtig spannend aber wird es, wenn einer der alten Fischer anwesend ist, die hier freieillig als "Museumswärter" Dienst tun. Ihre Geschichten machen Heimat-Geschichte lebendig und ehe man sich versieht, sind zwei, drei Stunden vergangen.
Zwischen Baltasound und Haroldswick fällt mehrfach der Blick auf ausgedehnte "Steinwüsten". Botaniker und Geomorphologen zieht es in die Keen of Hamar, wo sie nur wenige Meter über NN Pflanzengesellschaften und Formationen studieren können, die sonst nur in subarktischen bzw. subalpinen Regionen vorkommen. Bäuchlings, immer eine Lupe vor den Ausgen rutschen sie auf der Suche nach stecknadelkopfgroßen Pflänzchen über den Boden, legen sie mit Spatel und Pinsel Solifluktionsformen en miniature für ihre Fotosammlung frei.
Geologisch-mineralogisch interessierte Besucher bevorzugen die ehemaligen Serpentinbrüche und Kupferminen südöstlich von Haroldswick. In beiden Gebieten gibt es - sa man etwas Geduld mitbringt - noch das eine oder andere Mineral für die heimischen Sammlung zu finden, wenngleich die Fundstätten schon ziemlich abgesucht sind.
Im Süden der Insel lohnen noch zwei weitere Ziele die kurzen Abstecher von der Hauptstraße.
In der Ruine der Lund Kirk an der Westküste liegen geschützt unter großen Holzplatten die Grabsteine zweier hanseatischer Kaufleute. Beide waren hier auf Unst sesshaft geworden und haben den größten Teil ihres Erwachsenenlebens auf Unst verbracht. Ihre Niederlassung muss man in Uyeasound suchen, vielleicht in Greenwalls Booth und anderen Gebäudekomplexen.
Muness Castle - eine wehrhafte Anlage vergleichbar Noltland Castle/Orkney - bietet den lohnenden Abschluss der Tagestour. Die Ruine ist sicherlich das auffälligste Objekt in diesem Teil der Insel. Unter Archäologen gilt aber das ganze Revier als vielversprechend. Reste mittelalterlicher Steinbrüche weisen darauf hin, dass hier einmal der wirtschaftlich aktivsten Räume Shetlands zu vermuten ist. Besonders von dem nordwestlich anschießenden Gebiet bei Sandwick erhofft man sich eines Tages wichtige Hinweise auf das Leben in der Spät-Wikingerzeit.
Wer nicht auf den Spuren der Wikinger und frühen Schottenearls am Strand entlang wandeln, findet im nahegelegenen Nornova Knitwear Shop mit der angeschlossenen Kaffeestube Abwechslung anderer Art. Schauen sie sich was, was die Frauen von Unst in Heimarbeit gefertigt haben und lassen sie sich hier, abseits von der Hektik der Touristenläden Lerwicks in aller Ruhe erklären, woran sie auch als Laie Qualitätsware mit dem Gütesiegel der Shetland Lady erkennen.
Yell
Yell ist für viele Shetländer die Insel, die aus ihrer Sicht noch das typische (alte, traditionelle) Shetland repräsentiert.
Vom Fährpier in Ulsta fahre ich zuerst immer auf der gut ausgebauten Hauptstraße entlang nach Norden, am Hauptort Mid Yell und am nördlichen Fährort Gutcher vorbei zur Gloup of Yell. Rund um diese riesige Einsturzhöhle finden sich zahlreiche Wegstrecken zum Spazieren und Wandern, Farmen auf denen bis heute Treibholz wie in alten Zeiten gesammelt wird (man weiß nie, wozu man so einen Baumstamm noch gebrauchen kann) und eines der lokalen "Heiligtümer" der Shetländer, das Gloup Desaster Memorial: Eine trauernde Fischersfrau mit ihren Kindern krönt eine große Namenstafel. Im grauen Granit eingemeißelt die Namen der Opfer des Gloup Desaster, einer der großen Fischerei Tragödien des 19. Jahrhunderts. In einer gewaltigen Sturmnacht wurde fast die gesamte männliche Bevölkerung Nord Yells ein Opfer der See.
Erinnerungen an die Opfer der See leben in jedem Ort auf Yell und in jeder Familie. Für die Bewohner von Yell ist es selbverständlich, dass ihr Gedenken allen Opfern gilt - uns überrascht es nicht wenig, wenn wir fast am entgegengesetzten Ende der Insel ein Denkmal finden, das an den Tod einiger deutscher Seeleute erinnert. Hoch über dem Strand von Otterwick, steht die White Lady, die ehemalige Bugfigur der steelbark Bertha, die unter dem Namen Bohus und unter deutscher Flagge als Ausbildungsschiff der Adler-Reederei fahrend auf den vorgelagerten Klippen zerschellte. Die Bewohner von Otterwick haben alles getan, um die Opfer zu bergen, doch für vier Seeleute und Kadetten gab es in der sturmgepeitschten Nacht keine Hilfe mehr.
Aus der Vielzahl möglicher Stationen möchte ich noch zwei hervorheben: Die erste liegt unübersehbar mitten auf der Insel . Windhouse. Unmittelbar an der Straße befindet sich das ehemalige Pförtnerhaus, das heute als Camping Böd genutzt wird. Einen idealeren Standort für die Erkundung Mid Yells kann man sich nicht wünschen. Etwas zurück versetzt, hoch auf dem Hügel thront die Ruine des ehemaligen Herrensitzes Windhouse. Eine Vielzahl wilder Spuk- und Geistergeschichten rankt sich um die Ruine: Der große schwarze Hund, der die Besucher erschreckt, Seelen Verlorener, die durchs Haus geistern, ein "Glibbermonster", das regelmäßig an Weihnachten erschien und seine Opfer holte. Da nehmen sich die gelegentlich zu findenden toten Schafe am Fuß der Ruine vergleichweise harmlos aus.
Gleich nördlich der Ruine beginnt das Lumbister Reserve. Obwohl eigentlich ein Vogelschutzgebiet der RSPB ist es vielfach bekannter wegen seinem Otterbestand geworden. Wenn es realistische Chancen gibt, die Tiere in freier Wildbahn zu beobachten, dann findet man sie hier! Vorrausgesetzt, man scheut nicht den frühmorgendlichen Aufstieg von der Böd ins Naturschutzgebiet bzw. man ist gut genug zu Fuß, um im abendlichen Dämmerlicht über Stock und Stein den Weg zurück zur Böd zu finden.
Auch wenn die Chancen gut stehen: Zwei bis drei Tage muss man schon im offenen Gelände ausharren, bevor man solch ein Kerlchen fotogen vor die Linse bekommt.
Für die Rückfahrt aus dem Norden empfiehlt es sich, die sogenannte Ost-Straße zu fahren. Sie ist zwar weiger gut ausgebaut eröffnet dafür aber neue Aussichten. An ihrer südöstlichsten Ecke befindet sich die Old Ha of Burravoe. In dem einstigen Herrensitz befindet sich heute ein kleines aber sehr feines Inselmuseum und ein kleiner Coffee Shop, der ideale Ort, um sich nach einem stürmischen Tag in freier Natur aufzuwärmen und für die weitere Rückreise zu stärken.
Whalsay und die Out Skerries
Vergangenheit und Moderne begegnen einander in Symbister, dem Haupthafen der Insel Whalsay: Im Hintergrund liegt ein moderner Trawler: Whalsays kleine Fangflotte zählt zu den modernsten und leistungsfähigsten Fangflotten der EU. Im Vordergrund die Bremen Böd oder Hanseatic Booth, ein Speicher- und Kranhaus auf dem Pier des einzig komplett erhaltenen Hafenensembles aus der Hansezeit auf Shetland.
Fast man alles zusammen - wirtschaftliches und soziales Leben, Sport und Kunst, Vergangenheit und Gegenwart - dann ist Whalsay vielleicht eins der aktivsten und modernsten Gemeinwesen auf Shetland. Moderne Kunst, sonst nahezu unbekannt aus den öffentlichen Räumen, hier steht sie wie selbstverständlich vor dem wuchtigen Herrenhaus aus grauem Granit, der Hall of Symbister, die heute die Grundschule der Insel beherbergt.
Den Reichtum verdankt die moderne Inselgemeinde dem Fischfang und der in Symbister beheimateten Fischverarbeitungsindustrie, eine gewissen "Weltoffenheit" und Gelassenheit vielleicht hanseatischen Traditionen. Vielleicht zog es darum einen Freigeist wie Hugh MacDiarmid, den Schriftsteller und Mitbegründer der SNP auf die Insel. Sein ehemaliges Cottage dient heute als Camping Böd
Man ist unabhängig vom "Ölgeld", ohne das Shetland sonst kaum existieren könnte und gönnt sich was, z.B. einen Golfplatz ganz ohne Busch und Baum, auf dem verschiedenfarbige Stangen die Orientierung im Gelände ermöglichen.
Whalsays vor- und frühgeschichtliche Denkmale sind dagegen eher etwas für Spezialisten und eben all jene, die ohnehin einen Spaziergang entlang der Ostküste vorhatten. Man muss sie aber nicht gesehen haben.
Dies gilt auch für den Battle Pund, eine Steinsetzung unbekannter Zweckbestimmung auf Bruray, der größten der Out Skerries.
Mit dem Leuchtturm, der so majestätisch die Klippen überragt, endete das Mittelalter, d.h. die Zeit relativer Abgeschiedenheit auf den Out Skerries. Man lebte hier von dem, was das Meer zu bieten hatte, vom Fisch und vom Strandgut. Und das nicht schlecht: Vom Untergang der Kennermerland mit seiner wertvollen Ladung erfuhr man auf Mainland nur etwas, weil die Bewohner vergessen hattenihre monatliche Torfration abzuholen, so sehr waren sie tagelang dem kostbaren Brandy unter der Ladung zugetan. Etwas scheint man noch heute von dieser Eigenständigkeit zu spüren, wenn man von Lerwick oder Vidlin aus mit der Fähre übersetzt. Die Bewohner sind extrem bescheiden, alle haben aber irgendwie ein verschmitztes Lächeln im Gesicht.
Fetlar
Die kleine Insel südlich von Unst und westlich von Yell ist vergleichbar bequem zu erreichen, da sie in den Taktverkehr zwischen den größeren Nachbarinseln eingebunden ist; jede zweite Fähre nimmt den kleinen Umweg übder Fettlar.
Touristisch gesehen lebt die kleine Insel vom Naturschutzgebiet der Links, dass eigens zum Schutz der letzten Schnee-Eulen eingerichtet worden war. Doch kaum, dass es begründet war, verschwanden die letzten Eulen und seitdem hoffen Einheimische wie Touristen und hoffen und hoffen ... Doch regelmäßig wird das lange Hoffen durch das Auftauchen anderer Raritäten wie Odinshühnchen belohnt.
Wer sich nicht stunden- oder gar tagelang mit Fernglas und Foto auf die Lauer legen will, findet einige interessante vor- und frühgeschichtliche Denkmale wie den Ripple Stone oder die Hajaltadands, einem Steinring, der sehr unterschiedlich interpretiert wird: Für die einen ist es eine Gruppe verzauberter Fiddler und Tänzer, für andere ein Ort bronzezeitlicher Riten, Dritte sehen in ihm die Markierung der wikingerzeitlichen Tingstätte der Insel.
Oder man spaziert einfach entlang des Ufers des Wick of Tresta, wo es seltene Pflanzen oder einfach "schöne Winkel" zu entdecken gilt.
Das Fetlar aber auch ein recht modernes Gemeinwesen ist, zeigt spätestens das Fetlar Interpretative Centre. Es ist eines der jüngsten, zugleich aber auch eines der informativsten "Heimatmuseen", die in den letzten Jahren überall auf den Inseln auf- bzw. ausgebaut wurden.
Bressay & Noss
Bressay und Noss sind die Hausinseln der Lerwicker und bequem mehrmals täglich mit öffentlichen Fähren zu erreichen. Bressay lädt zuausgedehnten Spaziergängen zum Leuchtturm ein (schöne Aussicht auf das gegenüberliegende Festland und ein markantes Felsentor unmittelbar beim Leuchtturm).
Vorbei an fischreichen Gewässern führt ein gut begehbares Sträßchen quer über die Insel zum Anleger der Schlauchbootfähre nach Noss (Vorausbuchung durch SIT in der Saison wegen der begrenzten Platzzahl nötig). Die ganze Insel - geschützt als National Nature Reserve - bietet hervorragende Möglichkeiten zur Beobachtung der Vogelwelt, insbesondere der in den Steilküsten des Ostens hausenden Gesellschaften.
Von Ende Mai bis weit in den Juni hinein leuchtet die Insel zudem im zarten Rosa der "sea pinks", der Meernelken, die hier ein so dichtes Polster bilden wie sonst kaum noch ein Ort in Shetland. Dann erlebt man auf dieser kleinen Insel einen jener Tage, der einen glatt das einmalige Kulturdenkmal zur Wirtschaftsgeschichte Shetlands, das die Insel zu bieten hat, vergessen läßt: den Noss Pony Pund. Damit die Stuten der Shetland Ponies mitsamt ihren Fohlen unbehelligt auf seinen übrigen Besitzungen auf Bressay und ganz Mainland grasen konnten, zog der Marquis of Londonderry hier seine Zuchthengste zusammen.
Londonderry züchtete die Shetland Ponies, um die kleinen Pferde als Zugtiere in seinen Kohlegruben bei Durham einzusetzen. Doch seine Bemühungen schlugen fehl: Die Tiere, die auf ihrer Heimatinsel tagaus tagein Wind und Wetter Stand hielten, erwiesen sich als zu anfällig für den Untertagedienst. Nach knapp 30 Jahren stellte Londonderry seine Zucht ein und das wohl dunkelste Kapitel in der Geschichte der wohl bekanntesten Botschafter der Shetland Inseln ging zu Ende
Papa Stour
Die kleine, unscheinbare Insel liegt so dicht vor Shetland Mainland und ist doch so schwierig zu erreichen. Ursächlich sind die unkalkulierbaren Strömungsverhältnisse im 'Papposunt', wie er bei den Hanseaten hieß. Die Mönche, von denen sich der Namen ableitet, scheinen das gewusst zu haben, als sie die Insel für ihre Einsiedeleien wählten … und möglicherweise ist diese Abgeschiedenheit, die mangelnde Erreichbarkeit auch der Grund, warum sich auf der Insel teilweise "archaisch" anmutende Traditionen wie der Schwertertanz der jungen Männer erhalten haben.
Dabei war Papa Stour in der Vergangenheit eine "blühende Hochburg" im sonst doch recht kargen Shetland. Hier residierten die "Lords of Norroway", keinesfalls nur "Mannsbilder", sondern, wie man heute sagen würde, auch recht "gestandene Weibsbilder". Ihr Einfluss reichte weit über die kleine Insel hinaus und ihnen verdanken wir auch die ältesten erhaltenen Urkunden - Besitzurkunden und Beschwerdebriefe an den norwegischen Souverän - aus dem ehemalig norwegischen Reichsgebiet des "Herzogtums Orkney".
Foula
Auf Foula gehen die Uhren anders, so könnte man meinen. Tatsache ist, dass sich die Bevölkerung dieses Inselchens seit dem Mittelalter standhaft gegen die Umsetzung der Kalenderreform weigert - und so gelten sie halt nebeneinander, der julianische und der gregorianische Kalender.
... und da ansonsten nicht all zu viel Aufregendes auf der Insel passiert, feiert man wenigsten die großen Festtage doppelt ...
Doch nur selten verirrt sich ein Tourist auf die Insel, um in den Genuss dieser Freuden zu kommen. Obwohl die Insel regelmäßig von Walls aus angelaufen wird - weather permitting - gab es bis vor gar nicht langer Zeit keine Unterkunftsmöglichkeiten auf der Insel. Der Reisende war allein auf sein Zelt angewiesen, was angesichts der immer wehenden Winde oftmals eine recht ungemütliche Angelegenheit werden konnte. Auch musste er all seine Lebensmittel, Getränke und was er sonst noch benötigte, selber mitbringen. Das gilt auch heute noch, denn auf der Insel gibt es keinen Laden, die Bewohner sind weitestgehend Selbstversorger. Nur wer - im Voraus (!) - die B&B-Unterkunft, die heute angeboten wird, kann darauf zählen, dass der Vermieter entsprechend Vorsorge getroffen hat.
Bei aller Gastfreundschaft der Bewohner: Foula ist ein Ziel für Individualisten, die Einsamkeit in der Natur suchen und damit auch umgehen können, Tag für Tag auf sich alleine gestellt den Urlaub zu verleben. Dafür werden sie dann mit einigen ganz überraschenden Eindrücken belohnt. Foula ist nämlich nicht so karg wie z.B. weite Teile Nord-Mainland. Foula ist - fast über das ganze Jahr hindurch grün, satt grün. Vom gesamten Landschaftseindruck her gesehen steht es den benachbarten Färöer Inseln näher als Shetland
Beeindruckende Küstenformen finden sich überall: Sneck O`Da Smaillie etwa, eine schmale Kluftspalte an der Westküste, auf deren Grund man aber besser nur zu zweit hinabsteigt, nachdem man sich gründlich mit dem Gezeitenkalender und Wetterbedingungen vertraut gemacht hat, um nicht unvorhergesehen in Not oder gar Gefahr zu geraten. Oder etwa The Kame an der Nordwestküste, ein mächtiges Kliff, das nur noch mit den Klippen von St Johns Head auf Hoy zu vergleichen ist. Allerdings ist der Weg dorthin nocheinmal um einige Grade schwieriger, denn die Skua Population auf der Höhe ist um einiges größer. Es ist wohl die größte Skua-Kolonie in Schottland überhaupt und es empfiehlt sich dringend, schon andernorts erste Erfahrungen im Umgang mit den angriffslustigen Großvögeln gesammelt zu haben.
Fair Isle
Fara Il - id est insula pulchra. So notierte es schon Mercator am Rand der Inseldarstellung in seinem berühmten Atlas aus dem 16. Jh. Doch Mercator war nie da, kannte diese Aussage wohl nur vom Hörensagen aus den Berichten welterfahrener Seemänner und deren Maßstab zur Beschreibung von Schönheitsidealen hatte einen ganz anderen Ursprüng: Schön war die Insel in der Vorstellung der Seeleute, weil sie schön sicher war. Hatte man sich erst einmal auf diese Insel gerettet, waren die schlimmsten Übel überstanden, denn das Seegebiet rund um Fair Isle ist einer der größten Schiffsfriedhöfe der "christlichen" Seefahrt.
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| Fair Isle North Lighthouse im Morgennebel |
Es gibt wohl keine zweite Insel im Nordatlantik, die so viele Schiffbrüchige aufgenommen hat, wie Fair Isle - und oft genug sind diese dann doch umgekommen. Viele verhungerten in den langen Winternächten, weil die Insel es mehr als einmal nicht zuließ, dass die Herbsternten genügend Ertrag brachten, um alle Gestrandeten zu versorgen.
Als etwa der Gran Griffon, das aus Rostock stammende Flaggschiff der Versorgungsflotte der spanischen Armada nach wochenlangem hin und her und kreuz und quer im Nordatlantik auf den Klippen von Fair Isle strandete, spülte das Meer auf einen Schlag beinahe ebenso viele Schiffbrüchige an Land, wie die Insel Einwohner hatte. Zuerst starben die Kranken und Verletzten, dann die Schwachen aus der Schiffsbesatzung wie aus der Bevölkerung - zum Schluss schien eine offene Auseinandersetzung zwischen Besatzung und Bewohnern beinahe unvermeidbar, als eine kurzfristige Wetterverbesserung die Evakuierung der Spanier auf das shetländische Festland erlaubte.
Die Spanier sollen sich auf ihre Art revanchiert haben: Sie sollen die berühmten Muster für die Fair Isle Pillover und Schals - wenn nicht gar, wie manche Quellen behaupten, das Stricken selbst - auf die Insel gebracht haben. Ihr Kommandeur bedankte sich auf seine Art: Nachdem der kommandierende Admiral Spinosa auf Umwegen über Irland und Frankreich wieder den Weg nach Spanien gefunden hatte, soll er mit seiner Fürsprache dafür gesorgt haben, dass etliche Shetländer aus spanischer Kriegsgefangenschaft wieder in die Heimat entlassen wurden.
Eine Art Rettungsinsel - manche sagen scherzhaft auch Flugzeugträger - ist Fair Isle auch in den Augen vieler Vogelkundler. Aus allen Weltgegenden werden ihre gefiederten Freunde durch die Stürme hier auf diese Insel verblasen: Gäste aus dem fernen Sibirien erholen sich hier neben Verirrten aus Nordamerika, selbst Vögel, die eigentlich auf der Südhablkugel leben, veschlägt es ab und zu hierher. Man weiß das so genau, weil sich auf Fair Isle eines der wichtigsten Beobachtungsinstitute der Welt befindet.
Das Fair Isle Bird Observatory zählt zu den renomiertesten Einrichtungen dieser Art weltweit. Es bietet zudem günstigen Übernachtungsmöglichkeiten - nicht nur für Vogelfreunde. Daneben gibt es einige wenige (mit Hilfe des Trustes entwickelte) B&B-Unterkünfte. Alle gebotenen Übernachtungsmöglichkeiten (inkl. der gewünschten Verpflegungsart) müssen gemäß den Auflagen des Trustes im Voraus gebucht werden. Zelten - einerlei ob in der freien Natur oder auf den Höfen der Crofts - ist strikt verboten. Der Trust will einen "sanften" Tourismus auch als zusätzliche Einnahmequelle für die Bevölkerung durchaus fördern, gleichzeitig aber jedes Risiko von touristischem "Wildwuchs" unterbinden.
Die Arbeit des Trustes wirkt sich aber auch in anderer Form positiv auf das Touristendasein aus. Ich kenne kaum eine zweite Region in Schottland, in der die breite Bevölkerung so gut über ihr "Heimatrevier" informiert ist, wie hier auf Fair Isle. ... und (fast) alle haben (fast) immer Zeit, um mit ihnen den südlichen Leuchtturm zu besteigen und ihnen Fair Isle aus der Vogelperspektive zu zeigen, um sie ein Stück auf ihrem Weg zu begleiten und zu erläutern, welche Höhle oder welcher Kliffabschnitt unbedingt angesehen werden sollte, um ihnen anhand der (zwischenzeitlich etwas verfallenen) Reste einer alten Semaphore zu erklären, wie dereinst die Militärs von Shetland via Fair Isle mit ihren Kollegen auf Orkney kommunizierten. Fast jeder führt Buch über "seine" gefiederten Freunde in "seinem" Garten, hilft aus mit Ferngläsern oder fehlender wetterfester Kleidung, wenn es gilt irgendeinem besonderen Gast auf der Insel nachzustellen. Verdichten sich aber unverhofft die Seenebel zu undurchdringbaren Vorhängen für Schiff oder Flugzeug, dann entsteht sie sofort wieder zu neuem Leben: Die Solidargemeinschaft der Inselbevölkerung, die dann alle - auch die Tagesgäste - unterbringt und versorgt wie einst die Schiffbrüchigen.
(tsp/ws)
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