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Reisetipps Allgemeine Informationen |
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| Midges |
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Welcher Schottlandurlauber kennt sie nicht, diese kleinen, schwarzen, stechenden Fliegen? Midges (von altnordisch muggia), wie sie genannt werden.
Wir reden von Insekten aus der Familie der Ceratopogonidae, die weltweit verbreitet sind - und, um es gleich vorweg zu sagen: Trotz ihres millionenfachen Auftretens in Schottland eher selten sind (gemessen etwa am Vorkommen in nordamerikanischen, sibirischen oder malayischen Feuchtgebieten).
Aber sie sind lästig. Selbst wenn sie ausnahmsweise nicht stechen (was übrigens nur die Weibchen tun, während sich die Männchen artig von allerlei Pflanzensäften ernähren), nervt das ständige Kribbeln und Krabbeln, wenn sie einmal da sind. Zum unserem Glück sind sie das aber nicht immer, denn die zwischen ca. 1 und 2 ½ mm großen Fliegen haben schon bei einer leichten Brise kaum eine Chance, kontrolliert zu fliegen und bleiben folglich am Boden im feuchten Gras versteckt.
Wie kann man sich ihrer erwehren? Eigentlich gar nicht!
Dazu muss man wissen, dass es allein in Schottland 34 verschiedene Midges-Arten gibt, von denen aber nur fünf für den Menschen insofern relevant sind, als nur sie zur Ernährung während der Eierproduktion auch menschliches Blut verwenden können. Von der für Schottland wichtigsten Art (Culicoides impunctatus) gibt es wiederum mindestens 34, nach anderen Quellen mehr als 90 Spezies. Die Culicoides impunctatus leben überwiegend in den mittleren Höhenlagen und sind auch als 'Highland Midges' bekannt. Sie allein sind für mehr als 90% aller Attacken auf Menschen verantwortlich. Ihre 'biting season' hat ihren Höhepunkt in den Sommermonaten Juni bis Mitte August.
Bedeutung haben daneben die Culicoides halophilus. Sie bevorzugen die Küstenregionen und Salzwiesen als Habitat. Die Culicoides nubeculosis leben insbesondere auf Farmen und im Umfeld von Viehherden. Schließlich sind da noch die Culicoides obsoletus: Als 'Garden Midges' kommen sie selbst in städtischen Lebensräumen vor, haben aber den Vorteil, dass ihr Biss nicht ganz so "schmerzhaft" ist. Dafür stechen sie (wie auch die Küstenbewohner an geschützten Standorten) allerdings manchmal auch noch im Oktober.
Eines wird bei dieser Kurzdarstellung schon deutlich: Die für den Menschen relevanten Arten leben alle in verschiedenen Habitats/Ökosystemen und reagieren folglich unterschiedlich bis gar nicht auf die verschiedenen Schutzmittel. Um es ganz deutlich zu sagen: Es gibt kein "Allheil-oder-auch-nur-Abwehrmittel" - egal, was die Industrie verspricht!
Mit etwas Glück kann man ihnen in den Monaten des mengenmäßig größten Vorkommens, je nach Gebiet von etwa Ende Mai bis etwa Mitte August durch eigenes Verhalten ausweichen. Dazu muss man wissen, was sie evtl. selber zum Überleben brauchen. So leben die Larven aller Arten kurz unter der Erdoberfläche, die beständig feucht sein muss, damit sie überleben können. Feuchte, moorige Gebiete sind also ebenso Verdachtsgebiete wie die Uferzonen kleinerer Seen und feinsandige, schlammige Meeresküsten, insbesondere dann, wenn die Temperaturen kurzfristig mal über 20° Celsius steigen und die Larven massenhaft schlüpfen lassen: 24.000.000 kleine Fliegen pro Hektar in westschottischen Gebieten sind schon eine ganz stattliche Zahl. Ansonsten bewege man sich in einem ihnen feindlich gesonnenen Umfeld, d.h. in windigen Gegenden. Die unmittelbaren Küstenzonen und Höhen über etwa 500 Meter sind meist weniger "belastet", weil fast immer ausreichend Windstärken vorherrschen - zumindest theoretisch.
Camper, die nicht großräumig ausweichen können, behelfen sich beim abendlichen Lager auch schon einmal damit, dass sie ein zweites Feuerchen entfachen, mit dem dann möglichst viel Qualm erzeugt wird. Die Wirkung ist meist aber rein psychologisch: Man fühlt sich nicht so stark belästigt, die Biester schreckt es weniger, es sei denn, die Thermik des Feuers macht ihnen zu schaffen.
Anders als die normalen Stechmücken reagieren sie aber nicht auf elektronische Abwehrmittel, die etwa Töne einer bestimmten Frequenz ausstrahlen und so einen Umkreis von wenigen Metern "mückenfrei" halten können.
Ansonsten bleiben nur die chemischen Keulen: Autan, Dschungle Oil, Eureka, Zedan und was sich die Chemie so alles hat einfallen lassen und auf der Basis natürlicher oder synthetischer Stoffe zusammenrührt. Doch in Abhängigkeit von der Hautchemie der Benutzer und der i.d.R. unbekannten Art des Gegners wirken auch sie nur bedingt. Schlimmer noch: Beim Einsatz chemischer Keulen haben sensible Menschen oftmals nur die Alternative zwischen einer allergischen Reaktion auf die Stiche oder einer allergischen Reaktion auf das Abwehrmittel.
Bei leichten allergischen Reaktionen auf die Stiche helfen vor Ort erhältliche Mittel wie EURAX, um die Reaktionen und Hautirritationen zu mildern. Bei starken Hautallergien sollte man sich aber nicht scheuen, einen Arzt aufzusuchen und sich mit geeigneten Antihistaminen behandeln zu lassen.
Mangels geeigneter Fotos von schottischen Blutsaugern in vergleichbarer Qualität zeigen wir hier eine Aufnahme der finnischen Verwandtschaft. Unterschiede sind eh nur mit der Lupe auszumachen.
Foto Copyright Jarmo Holopainen.
(tsp/ws)
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