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 Reisetipps Allgemeine Informationen [ zurück ]
Mit dem Motorrad durch Schottland ...
Ich möchte zunächst voranstellen, dass ich mit diesem Beitrag nicht etwa Tourenvorschläge für eine Reise durch Schottland geben möchte. Ebenso wenig möchte ich an dieser Stelle allgemeine Reisehinweise zum Thema Schottland wiedergeben. Solche Hinweise findet der Leser an anderer Stelle hier im Schottlandportal. Ich möchte lediglich einige Hinweise geben, was man vor oder während einer Motorradtour durch Schottland beachten sollte.

Es gibt ein mehr oder weniger gut ausgebautes Netz mit modernen Straßen. Für Motorradfahrer sind diese Straßen jedoch oft ziemlich langweilig, weil sie teilweise kilometerweit geradeaus verlaufen. Wenn wir nicht gerade ein konkretes Ziel in kurzer Zeit erreichen wollten, haben wir jede sich bietende Gelegenheit genutzt, die Hauptstraßen und Autobahnen zu verlassen und die alten Nebenstraßen benutzt. Hierbei handelt es sich vielfach um sogenannte Singletrackroads, Straßen mit nur einer Fahrbahn und Ausweichstellen (= passing places). Diese Nebenstraßen machen viel von dem aus, weshalb wir sicher bald wieder Schottland besuchen werden.

Vor der Fahrt
Es ist selbstverständlich, dass man sein Motorrad vor einer solchen Reise einem genauen Check unterzieht. Dabei sollte man ein besonderes Augenmerk auf die Reifen richten. In Schottland haben die Straßen durchweg einen Grip, der an grobes Schmirgelpapier erinnert. Selbst die großflächigen weißen Fahrbahnmarkierungen sind so griffig, dass ein stark abgefahrener Reifen in Schottland schnell bis aufs Gewebe abradiert wird. Dies gilt umso mehr, je weicher die Reifenmischung ist.

Eine aktuelle Straßenkarte (Maßstab mindestens 1: 400 000) ist unverzichtbar. Da die meisten Karten relativ groß und unhandlich sind, scanne ich vor der Tour die vorgesehenen Tagestouren als DIN A4-Kartenausschnitt ein und drucke sie mir aus. Solch ein Ausdruck passt prima in den Tankrucksack und man kann dort Markierungen einzeichnen, ohne die Karte zu beschädigen.

Außerdem sollte man sich vor der Tour mental ein wenig auf den Linksverkehr einstellen. Nähere Informationen hierzu finden Sie im Schottlandportal in der Rubrik Reisetipps. Mir hat ein Schottlandreisender folgende Hinweise für die Fahrt mit dem Motorrad gegeben:

Wenn Du abends Dein Motorrad abstellst, stell es möglichst in der
richtigen Fahrtrichtung ab, sonst kann es passieren, dass man morgens in der falschen Richtung abfährt.
Wenn Dir auf einer schmalen Strasse plötzlich ein Fahrzeug entge-
genkommt, achte darauf, dass Du zur richtigen (=linken) Seite ausweichst, sonst wird es eng.
Wenn Du nach Deiner Reise auf dem Festland von der Fähre fährst,
konzentriere Dich darauf, wieder rechts zu fahren ... dies fällt schwerer, als man glauben mag.

Vor der Tour sollte man sich per Internet oder über seinen örtlichen Motorradhändler ein Verzeichnis der Vertragswerkstätten seiner Motorradmarke für Schottland besorgen und ggf. auch einen kleinen Stadtplanauszug mit der Lage der Werkstatt von einem der üblichen Routenplaner im Internet anfertigen. Ein empfehlenswerter Routenplaner ist unter http://www.multimap.com im Netz zu finden.

Werkstätten und Shops für Motorradzubehör gibt es nach meiner Kenntnis in allen größeren Orten. Ich kann an dieser Stelle sicher nicht alle einschlägigen Shops aufzählen. Wenn man jedoch in der Nähe von Glasgow ist, und ein Ersatzteil benötigt, empfiehlt sich ein Besuch in der Great Western Road (vom Stadtzentrum in westliche Richtung/ Dumbarton). Dort findet man auf der rechten Straßenseite vier oder fünf Motorradläden direkt nebeneinander. Ebenso habe ich Motorradshops in Dumfries (Scotspeed, Mitten im Stadtzentrum) und in Inverness (an der Millburn Road stadtauswärts auf der rechten Seite) gesehen. Notfalls helfen bei der Suche eines geeigneten Shops oder einer Werkstatt auch die Mitarbeiter der Tourist Informations, die es in fast jedem Ort gibt.

Ausrüstung
Mit Regen sollte man in Schottland immer rechnen. Daher ist gute Regenbekleidung ein absolutes Muss für den Motorradfahrer. Jeder muss für sich entscheiden, welche Kleidung er für sich als angenehmer empfindet. Der Eine mag eine Lederkombi und zieht bei Bedarf die Regenkombi über, der Andere zieht wasserfeste Textilkleidung mit Klimamembran vor. Ebenso ist es eine Glaubens- oder Kostenfrage, ob man wasserdichte Stiefel trägt oder lieber Überschuhe zu "normalen" Stiefeln. Für die Handschuhe gilt: 2 Paar sind Minimum (möglichst wasserdicht).

Neben einem erweiterten Bordwerkzeug sollte an bei einer solchen Tour unbedingt dabei haben:

Reparaturset für Bowdenzüge
Reifen-Pannenspray
Luftdruckmesser
ggf. Kettenspray
Ersatzbirnen und Sicherungen
1 Rolle gewebeverstärktes Klebeband
1 Liter Motoröl zum Nachfüllen
4 Gepäckspanngurte (möglichst mit Ratsche)
ausreichend Visierreiniger
Erste-Hilfe-Set und
das Leatherman-Tool als Universalwerkzeug, wenn kein
passendes Werkzeug greifbar ist.

Fähre
Solange die Fährüberfahrt ruhig ist, wird es kaum Probleme mit der Befestigung des Motorrades während der Überfahrt geben. Sobald der Seegang ein wenig höher ist, ist eine sichere Befestigung des Motorrades absolut wichtig. Am Besten eignen sich hierfür 4 Spanngurte. Mit denen kann man die Maschine vorne rechts und links an den Gabelstandrohren sowie hinten rechts und links abspannen. Den sichersten Stand erreicht man dabei nicht auf dem Hauptständer, sondern auf dem Seitenständer. Dabei ist darauf zu achten, dass die Maschine so stark nach unten gespannt wird, dass sie den Transport eingefedert übersteht.

In Schottland
Zur Qualität der Straßen habe ich eingangs bereits einige Anmerkungen gemacht. Die griffigen Straßenoberflächen sind gerade für Motorradfahrer ein absolutes Plus. Dies sollte jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass auch auf Schottlands Straßen "landestypische" Gefahren lauern. Gerade auf Nebenstraßen hat man oft einen sehr schlecht befestigten Fahrbahnrand. Diese Nebenstrasse passen sich gnadenlos der Landschaft an. Enge Kurven und kurze, teilweise sehr steile Anstiege sind an der Tagesordnung. Wenn man sich hier einem plötzlichen Hindernis gegenübersieht, sollte man schon darauf achten, wie der Fahrbahnrand beschaffen ist. Hindernisse tauchen manchmal ziemlich unvorhersehbar auf. So kann es zum Beispiel geschehen, dass hinter einer Kurve oder hinter einem Hügel plötzlich Schafe auf der Fahrbahn stehen. Diese niedlichen Tiere haben eine unangenehme Eigenschaft: Sie sind sprichwörtlich blöd. Wenn sich ihnen ein Fahrzeug nähert, machen sie nur selten Anstalten, ihren Standplatz zu räumen.

Schilder mit dem Hinweis "Loose Chips" oder "Chips/Chippies on the road" sollte man sehr ernst nehmen. Manchmal ist der Fahrbahnbelag der Straßen so grob, dass man ihn bei nasser Fahrbahn und Gegenlicht nicht von losem Schotter unterscheiden kann - zumal häufig einfach Splitt auf Spritzasphalt geschüttet wird, da es wegen der geringen Winterfröste nur selten wirkliche Löcher zu reparieren gibt.

Wenn man sich in Schottland an den Entfernungsangaben auf den Wegweisern orientiert, sollte man sich immer vor Augen halten, dass dies Meilenangaben sind (1 Meile entspricht ca. 1,6 km). Da auch die Entfernungsangaben auf den Landkarten oftmals nur die Meilenangaben enthalten, kann es leicht zu Fehleinschätzungen der Entfernungen kommen. Auf der Fähre haben wir einen anderen Motorradfahrer getroffen, der uns erzählte, unter welchen Zeitdruck er geraten ist, weil er diesen banalen Hinweis nicht beachtet hat und auf dem Weg nach Irland seine Fähre an der Westküste Englands erreichen wollte.

Abschließend noch ein wichtiger Hinweis: Eine der meistgenutzten Fährverbindungen für Schottlandurlauber ist die Fähre von Amsterdam nach Newcastle. Wenn man in Newcastle angekommen ist und möglichst schnell die Highlands erreichen will, fährt man meistens die A 68 in Richtung Norden. Man sollte sich von der Qualität der Straßen nicht verleiten lassen, die Geschwindigkeitsbeschränkungen zu ignorieren. Gerade an diesen Straßen habe ich sehr viele Radargeräte gesehen.

Wie viel Spaß man beim Motorradfahren in Schottland haben kann, beschreibt am Besten ein Zitat eines anderen Bikers aus Deutschland, den wir irgendwo an einer Tankstelle in den Highlands trafen. Sein Kommentar: "In Schottland müssen alle Straßenbauer Biker sein" brachte es auf den Punkt.


(vs)

Beschreibungen ausgewählter Routen für Motorradfahrer im Portal:
http://www.schottlandportal.de/content/reiseTourenMotorrad.asp
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