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Maeshowe - Ein jungsteinzeitliches Monument mit vikingerzeitlicher Vergangenheit
Der Maeshowe ist ein auffälliger Hügel fast genau im Zentrum des Westteils der Orkneyinsel Mainland. Unter der sanft geschwungenen Kuppe liegt der mit Abstand größte und eindrucksvollste 'chambered cairn' der Orkney. Errichtet um 2700 BC gehört er heute zum Weltkulturerbe des "Heart of Neolithic Orkney".
Als James Farrer den Maeshowe 1861 ergrub - bis es 1910 in staatliche Obhut kam, sah das Monument noch anders aus, war mit 30m gegenüber den heute 37m von geringerem Durchmesser, dafür mit 11m deutlich höher als mit den heutigen 7,3m -, ahnte er nicht, was er im Innern der Anlage finden sollte: Eine der umfangreichsten, zudem inhaltlich am stärksten differenzierten Sammlungen von Runeninschriften und wikingerzeitlichen "Grafftitti", die es in situ auf der Welt gibt.

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Maeshowe 1861 - Deutlich zu erkennen die stärkere Pyramidenform des ursprünglichen Cairns und die alte Einstiegsöffnung an der Spitze. Stich von A.Gibb, veröffentlicht in Farrer's Grabungsbericht 1882

Die meisten der Inschriften folgen dem Standardmuster und sagen nur "diese Runen kerbte dieser oder jener". Andere Runen sind dagegen von herausragender kulturgeschichtlicher Bedeutung:

Sie bestätigen Inhalte der Orkneyinga Saga und holen die Geschichte
der Orkney Jarle aus dem Zwielicht von Dichtung und Wahrheit, bestätigen die Saga als ein Stück Geschrichtsschreibung, nicht als Märchen. Bestätigt werden dabei Details der Saga zur Geschichte der Jarle Harald (1135) und Rognvald.
Sie belegen die engen Verbindungen zwischen den Eliten Orkneys
und Islands.
Sie belegen das Vorhandensein verschiedenster Schreibstile.
Sie werfen ein neues Licht auf die Frau in der wikingerzeitlichen
Gesellschaft, zeigen sie als gebildete, gleichberechtigte Personen.


Nachstehend geben wir die Inschriften inklusive einer verständlichen, umgangssprachlichen Übersetzung wieder, nicht im Sinne einer kritischen Edition. Die Zeichnungen sind Umzeichnungen von Fotos, wobei das Größenverhältnis relativ zueinander beibehalten wurde. Versichtet wurde dagegen auf die Nachzeichnung der gesamten Steinumrisse; lediglich dort, wo die Inschriften über zwei oder mehr Steine hinweg verlaufen, wurden die Ränder der Steine durch eine rote Linie angedeuted.

Die Inschriften der Südwest-Wand (Eingang)
Schaut man auf die Südwest-Wand, so befinden sich die Inschriften einmal hoch über dem Eingang, dann auf der Schmalseite des mächtigen Westpfeilers sowie auf den mehr oder weniger quadratischen Blöcken rechts neben dem Pfeiler.

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Tholfr Kohlbeinn's Sohn ritze die Runen hier oben
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Er ist ein Wikinger … kam hier unter den Grabhügel

Das äußerst Interessante an dieser Inschrift ist die Tatsache, dass der Schreiber den Begriff "Wikinger" für sich in Anspruch nimmt.

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Es ist wirklich wahr, was ich sage, dass ein Schatz weggenommen wurde. Ein Schatz wurde in den drei Nächten weggetragen, bevor …

Es ist dies eine von mehreren Inschriften die auf den großen Schatz verweisen, der sich in diesem Grabhügel befunden haben soll und von dem auch die Orkneyinga Saga berichtet.

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Dieser Hügel …

Eine der unvollendet gebliebenen Inschriften.

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Vermundr ritzte
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futharkniastblmy

Einmal das sogenannte Futhark-Alphabet aus 16 Zeichen in klassischer Schreibweise. Betrachtet man die sehr unterschiedliche Qualität, mit der die verschiedenen Inschriften ausgeführt worden sind, möchte man fast meinen, dass hier einer der Wikinger seinen vielleicht weniger erfahrenen Landsleuten eine kleine Nachhilfestunde gegeben hat.

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Ottarfilar ritzte diese Runen


Die Runen an der Nordwest-Wand (links neben dem Eingang)
Bis auf zwei Ausnahmen - eine Inschrift auf der Breitseite des Westpfeilers, eine auf der Seitenwand der Nebenkammer - befinden sich alle Inschriften auf den drei Blöcken unmittelbar links vom Durchgang zur Nebenkammer.

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Thorir … RR = ritzte diese Runen

… und verzierte seine Inschrift auf dem Westpfeiler mit drei schlichten Kreuzen, wohl um anzudeuten, dass er einer aus der Kreuzfahrergruppe war, die den Maeshowe heimgesucht hatte.

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Thorni bedded, Helgi carved

Schön versteckt in der Seitenkammer steht diese Inschrift, deren Inhalt jahrelang durch die wiedergegebene, offizielle englische Übersetzung verschleiert wurde. Tatsächlich steht da recht drastisch, dass die gute Thorni "f***te" während Helgi die Runen ritzte.

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Orkis Sohn sagt mit den Runen, die er ritzte …
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… es wurde mir gesagt, dass hier ein Schatz sehr gut versteckt ist. Sag wenig wie Oddr
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Ingibiorg die schöne Witwe. Viele Frauen kamen gebückt hier rein. Eine sehr ansehnliche Person. Erlingr

Eine Inschrift, die nicht nur zu den bekanntesten gehört, die nach neuerer Erkenntnis evtl. auch mehr ist als nur die Widmung eines heimlichen Verehrers. "Heimlicher" Verehrer allein schon, weil er seinen Namen in der Signatur mit einer wenig bekannten Schreibweise der Runen (twigg runes) verschleiert.

Die neuere Forschung kennt nämlich als Ursprung für den Namen "Maeshowe" eine Old Norse Form des Namens, die soviel bedeutet wie der "Frauen- oder Mädchenhügel" und stellt den Maeshowe in eine auch anderweitig belegte Tradition eines besonderen, ansonsten mit den Details in Vergessenheit geratenen Frauenkults.

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Innenansicht des Cairns 1861 - Blick auf die Südwestwand. Stich von A.Gibb, veröffentlicht in Farrer's Grabungsbericht 1882.


Die Inschriften der Nordost-Wand (rechts vom Eingang)
Die Nordost-Wand hat je eine Inschrift rechts und links vom Zugang zur Nebenkammer sowie eine Inschrift auf der Schmalseite des Nordpfeilers. Hinzu kommen drei der vier wikingerzeitlichen Ritzzeichnungen, die sich im Maeshowe befinden.

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Tryggr kerbte diese Runen

Dabei bedient sich Tryggr eines ganz eigenwilligen Schreibstils: Einige der Runen sind doppelt oder dreifach übereinander geritzt, andere sind miteinander dekorartig miteinander verschlungen.

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Kreuzritter brachen in diesen Hügel ein

Die Inschrift ist die direkte Bestätigung einer Geschichte der Orkneyinga Saga zur Zeit von Earl Rognvald ereignet hat. Offen bleibt allerdings, ob sie auf der Aus- oder der Heimfahrt waren, als sie in den Orkahaugr, den mächtigen Bestattungs-Hügel, wie der Maeshowe zu jener Zeit in der Saga genannt wurde.

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Arnfithr ritzte diese Runen

… diemal wieder in ganz normaler Schreibweise.

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Das "Walross" und die "Schlange" (manchmal auch der Knoten genannt) sind die weniger bekannten und weniger spektakulären Ritzzeichnungen. Unmittelbar über ihnen befindet sich der Maeshowe Drachen.
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Der Maeshowe Dragon ist die am stärksten ausgearbeitete Ritzzeichnung. Für die heutigen Bewohner der Orkney wurde dieser Drachen zum wahren Schatz des Maeshowe: In Gold oder Silber, groß oder klein - er ist das wohl beliebteste Stück der Schmuckindustrie der Orkneyinseln und wurde mittlerweile zehntausendfach kopiert und in alle Welt verkauft.


Die Inschriften der Südost-Wand (Rechts neben dem Eingang)
An der Südost-Wand befinden sich einige der wichtigsten Inschriften. Sie stehen im Wesentlichen unmittelbar neben dem Eingang zur Nebenkammer und darüber. Zwei Inschriften und eine Zeichnung befinden sich in der Nebenkammer, eine auf der Breitseite des Südpfeilers.

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Ofram der Sohn von Sigurd kerbte diese Runen

… und verzierte seine Inschrift mit einem Kranz von Kreuzen: Ein Hinweis darauf, dass auch er zu den Kreuzfahrern Earl Rgnvalds zählte, die wohl die ganze Wand beschrieben haben.

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Diese Runen wurden von einem Mann geritzt, dem geübtesten Runenschreibern im westlichen Ozean

Neben dem Kapitän seines Schiffes, stammten einige Männer aus Rognvalds Kreuzfahrertruppe aus Island, von denen sich auch weitere auf dieser Wand verewigt haben.
Die Richtigkeit seiner Behauptung belegt der Schreiber dadurch, dass er gleich drei verschiedene Schreibstile benutzt:

Standard-Runen
Twigg runes (Zweigrunen, in denen die einzelne Striche wie die
Zweige eines Baumes nach oben gerichtet sind)
Tree runes (Baumrunen, bei denen ein Teil wie Zweige nach oben, ein
anderer Teil wie Wurzeln nach unten zum Boden weist).

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Haermund Hardaxe ritzte diese Runen
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Arnfithr Matr kerbte diese Runen
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mit dieser Axt, die Gauk Trandilssohn aus dem Südland gehörte

Südland ist hier die entsprechende Provinz Islands. Gauk Trandilssohn war ein Isländer, der 150 Jahre zuvor von seinem Widersacher Asgrim Ellida-Grimsson erschlagen worden war. Dessen Urgroßenkel, Thorhall Asgrimson, war der Kapitän Rognvalds auf seiner Rückreise aus dem Heiligen Land. 150 Jahre ansonsten nur mündlich überlieferter Familientraditionen Islands finden hier erstmals ihren schriftlichen Niederschlag.

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Dieser Hügel wurde (vor der Zeit von) Ragnar Lothbroks Söhnen errichtet, wahrhaftig tapferen, wenngleich hinterlistigen Männern. Kreuzritter drangen in den Maeshowe ein. Lif, die Köchin des Jarls, ritzte diese Runen. Im Nordwesten liegt ein großer Schatz verborgen. Es ist lange her, dass hier ein großer Schatz vergraben war. Glücklich ist der, der diesen großen Schatz einmal finden mag. Hakon allein trug diesen Schatz aus dem Hügel. Simon Sirith.

Ragnar Lodbrok, die sagenhafte Figur des Wikingerhelden aus dem 8. oder 9. Jahrhundert, wird hier herangezogen, um das sagenhafte Alter des Hügels zu belegen. Erneut wird hier auf die Geschichte vom großen Schatz hingewiesen. Die neuere Forschung sieht in der Kombination von "großem Schatz" und der sagenhaften Figur "aus grauer Vorzeit" durchaus einen ernstzunehmenden Hinweis darauf, dass die Wikinger hier tatsächlich auf einen Schatz gestoßen sind, dessen Formen und Dokor nicht mit ihren bekannten Mustern übereinstimmte: vielleicht ein bronzezeitlicher Hortfund oder Schmuck vertriebener piktischer Siedler.

Und dann ist da noch die Schreiberin Lif, die Wikingerfrau. Die Köchin des Earls, aber kein Heimchen am Herd, sondern Kreuzfahrerin, des Schreibens kundig und in die Geheimnisse der sie umgebenden Männerclique eingeweiht.

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Ingigerth ist die schönste aller Frauen

Wie dem auch sei, der Zeichner jedenfalls unterstreicht seine Meinung, in dem er seinem Text eine kleine Zeichnung zur Seite stellt: Nein, kein Porträt seiner Angebeteten, sondern einen lechzenden Hund - so zumindest die allgemeine Interpretation.

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Benedikt ritzte diese Runen
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Eine Ritzzeichnung ungeklärter Bedeutung aus der Bauzeit des Maeshowe, die sich auf der Breitseite des Ostpfeilers befindet.



(tsp/ws)
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