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Secret Gardens
Sie gelten auf den Britischen Inseln als typisches Element der Gartenbaukunst der viktorianischen und eduardischen Epoche, haben aber eine in Schottland viel weiter zurückreichende Tradition: Die 'secret gardens', die geheimen, weil meist versteckt liegenden, die geheimnisvollen - besser vielleicht noch - die verwunschenen Gärten.

Die gartenbautechnischen Merkmale sind schnell aufgezählt:

Auf Wege und Beetbegrenzungen als gliedernde Elemente wird
verzichtet. Allenfalls gibt es einen Weg, der in die Anlage hineinführt und sich dann verliert.
Bei größeren Anlagen gibt es auch keine "Wegweiser" oder
Hinweistafeln. Nichts soll hervorgehoben werden, alles hat gleichberechtigt seine Daseinsberechtigung.
Auf offene, kurzgehaltene Rasenflächen (lawns), wie sie typisch für
"englische Gärten" sind wird verzichtet. Keine grandiosen Totalansichten, dafür sind um so mehr viele Details auf engem Raum gefragt.
Die Bepflanzung erfolgt nicht primär nach ästhetischen Kriterien wie
Form und Farbe der Pflanzen (Blüten, Laub, Gehölz), sondern strikt nach regionaltypischen, wenn nicht gar ökologischen Gesichtspunkten.

copyright Frederik Fischer
Secret Garden des Braendam Family Houses bei Thornhill, Stirling

Das wesentliche Mermal der original schottischen 'secret gardens' war jedoch, dass sie sich ausschließlich auf die Kultivierung schottischer Wildpflanzen beschränkten. Sie waren also so etwas wie (ganz modern formuliert) "ökologische Ausgleichsflächen", die Rückzugsgebiete für die heimische Flora und Fauna bieten sollten. Nicht große, prächtige Exoten standen im Vordergrund, sondern die eher unscheinbaren heimischen Gehölze, Sträucher und Blütenpflanzen als Lebensraum für die heimische Insekten- und Vogelwelt.

Erst später entwickelten daraus Themengärten, die einzelnen Pflanzen oder spezifischen Pflanzengesellschaften gewidmet sind. Für sie stehen stellvertretend die (Wild-)Rosengärten, die Heide- und oder die Stein- bzw. Felsgärten mit heimischer Vegetation. Auf der nächsten Stufe der Entwicklung stehen dann die Blumen- und Staudengärten, die nicht mehr als 'formal gardens' mit einzelnen Pflanzbeeten angelegt wurden, sonderen deren Bepflanzung sich an der weg- und beetlosen Gestaltung der klassischen 'secret garden' orientierte. Zu dieser Gruppe gehört Schottlands bekanntester, der Shepherd House Secret Garden in Inveresk vor den Toren Edinburghs, der ab 1957 in seiner heutigen Form entstand.

Die Gärten hatten aber neben der biologisch-naturkundlichen Funktion immer eine starke soziale Komponente. Ein Blick auf den Plan der Gesamtanlage der Gärten von Threave House macht dies deutlich.

copyright tsp/ws

Der 'secret garden' liegt vollkommen außerhalb des Wegenetzes der Gartenanlage, ist aber auf kurzem Wege dem Wohnhaus zugeordnet: Er war so etwas wie ein "Freiluft-Wohnzimmer", in das sich ein einzelnes Mitglied der Familie zurückziehen konnte, um in Ruhe seinen Gedanken nachzuhängen. Er war ein Ort der Besinnlichkeit und Besinnung, ein Ort auch, um voll Alltagsstress abschalten zu können. Als "Freiluft-Salon" war er daneben zugleich der Ort für kulturelle Veranstaltungen im kleinen, intimen Kreis: Dichterlesungen oder Kammermusikabende.

Threave Secret Garden gilt als das klassische Paradestück des Typs in Schottland. Wer jedoch aufmerksam durch das Land streicht und gezielt nach diesen Anlagen fragt, der wird bei manchem Herrenhaus fündig - zumindest entdeckt er die verwilderten Reste solcher Anlagen. Ein sehr schöner, von der Anlage her klassischer 'secret garden', der bis heute erhalten ist und auch in der klassischen Funktion als kulturelle Begegnungsstätte genutzt wird, ist der Garten von Woodwick House auf The Mainland Orkney. Das gesamte Inventar: ein Bach, Bluebells und Osterglocken, heimische Süß- und Sauergräser, Binsen, Flechten, Moose und Farne unter dem Dach überwiegend strauchartig gewachsener Sorben … einige Steinbänke und eine in die Wiese gelegte Sonnenuhr aus Flagstones als "Bühnenraum".

copyright tsp/ws
Secret Garden des Woodwick House, Orkney

Die Funktionen von Besinnungs- und kulturellem Erlebnisort stehen dann auch wieder bewusst in den modernsten Anlagen: Tollcross Secret Garden in Glasgow und Queen Mum's Secret Gardens in Edinburgh, mit deren Anlage man zu ihrem 100. Geburtstag begann und die nun als Gedächtnisstätte weiter ausgebaut werden. Sie wollen zum Entdecken geradezu provozieren und dokumentieren die Tatsache, dass man dazu keine Hilfe von Hinweisschildern und Erläuterungstafeln braucht, auf ihre eigene Art: In Teilen sind sie bewusst als Tast-, Klang- und Riechgarten für Behinderte angelegt.

Ein ausgesprochener Exot dagegen: Rosa's Garten in Shetland. Seine Kinderstube erlebte er als "Versuchsgarten", in dem Rosa Steppanova Pflanzen ihrer süddeutschen Heimat unter Shetlandbedingungen zu kultivieren begann. Besucher aus allen Weltgegenden schickten ihr dann später Pflanzen aus ihrer jeweiligen Heimat … aber es bleibt allein Rosa's Geheimnis, warum alles blüht wächst und gedeiht. Inmitten der rauhen Umgebung Shetlands ein wahrlich verwunschener Ort.


(tsp/ws/ff)
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